26.11.2020 - 17:28 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Die Geschichte der Straßen und Plätze in Waldsassen

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Wer war eigentlich Heinrich Plötz? Und was hat es mit diesem Doeberl auf sich? Und warum heißt die Elsa-Brändström-Straße in Waldsassen so? Auf all diese Fragen gibt ein neues Buch des Gerwig-Kreises im Oberpfälzer Waldverein Auskunft.

Josef Reindl und Manfred Brunner (von links), die beiden Lehrer im Vorstand des Gerwig-Kreises, waren am Donnerstag beim Korrekturlesen.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

"Die Geschichte der Straßen und Plätze in Waldsassen" – so lautet der Band, der in etwa einer Woche erhältlich sein wird. Die beiden Hauptverantwortlichen des Werks sind Gerwig-Kreis-Vorsitzender Manfred Brunner und Josef Reindl. Die beiden pensionierten Rektoren waren am Donnerstag noch mit dem Korrekturlesen beschäftigt, ehe das Buch in Druck geht. Brunner und Reindl gehören auch dem Autorenteam an, weitere Beiträge lieferten Peter Christ, Herbert Hackbart sowie der im Frühjahr verstorbene Robert Treml.

Von A wie Abt-Albert-Hausner-Straße bis Z wie "Zur ehemaligen Porzellanfabrik" sind alle in Waldsassen verzeichneten Straßen vermerkt. Brunner bedauert, dass es keine Straße gibt, die auf die Zisterzienserinnen-Abtei hinweist; Chancen für Namensgebungen mit dem Bezug zum Kloster in der Vergangenheit seien nicht genutzt worden. Josef Reindl fällt dazu eigentlich nur die Klostergasse in Kondrau ein. Für die Straßen im Ortsteil gibt es einen eigenen Abschnitt mit den 20 Straßennamen - von der Alten Straße bis zur Wirtsgasse.

Interesse an jüngerer Vergangenheit

"Das zeigt, wie groß das Interesse an der jüngeren Vergangenheit der Stadt ist", schreibt Manfred Brunner in seinem Vorwort: Denn auf diesem Metier bewegt sich der Gerwig-Kreis schon seit einiger Zeit mit großem Erfolg. Vor Jahren wurde "Waldsassen in alten Ansichten" herausgebracht. "Trotz hoher Auflagen ist der Band 1 vergriffen, von Band 2 sind nur noch wenige Exemplare auf dem Markt."

Der nun erscheinende Band widmet sich also ausschließlich den Straßennamen. Los geht's mit einem Wissensquiz am Anfang. "Wenn Sie diese Fragen beantworten können, sind Sie ein echter Kenner der Stadt Waldsassen", heißt es zu den beiden Aufnahmen, eine historische und eine aktuelle.

"Aus dem Sammeln wurde rasch reine Forschungsarbeit."

Manfred Brunner über die Entstehung des Buches

Die Bilder aus der Gegenwart hat alle Josef Reindl fotografiert; die historischen Aufnahmen haben Bruno Salomon und Petra Gebhard zur Verfügung gestellt. Auch das Archiv von Robert Treml lieferte wertvolles Material. Nils Wittmann zeichnet für die grafische Aufbereitung und die Darstellung des Bildmaterials verantwortlich.

Aufsatz von Robert Treml

Ein historischer Abriss über die Straßen und Plätze von Robert Treml steht am Beginn des Buches. Der Aufsatz beginnt mit der Entwicklung der Kloster- und Tuchmachersiedlung, benennt die namentliche Neuordnung der Straßen, Gassen, Wege und Plätze in den Jahren 1910/11, behandelt die Einführung neuer Straßennamen in der NS-Zeit ab 1933 bis 1945 und erläutert die Umbenennung von Ortsstraßen ab 1950.

Zu jedem Bild ist ein informativer Text gestellt – je nachdem kürzer oder länger: Zur Gartenstraße heißt es, dass diese ihren Namen am 15. Mai 1961 nach den früher dort vorhandenen Schrebergärten bekam. Zur Kolpingstraße gibt es mehrere Bilder aus der Gegenwart und aus Archiven, zusätzlich wird der Beitrag mit einem Porträt des Gesellenvaters Adolph Kolping illustriert. Ein skizzierter Stadtplan zeigt grob die Lage der jeweils vorgestellten Straßen; die farbliche Unterscheidung erleichtert die Zuordnung.

Dank der alphabetischen Aufzählung lassen sich einzelne Straßen sehr schnell finden. Der Leser erhält schnell und unkompliziert Antworten auf Fragen zu den Bezeichnungen: Michael Döberl war Landeshistoriker, Ministerialrat und Universitätsprofessor. Der Sozialdemokrat Heinrich Plötz war 1952 in den Stadtrat gewählt worden und setzte sich für das Wohl seiner Mitbürger ein. Elsa Brändström gilt als "Engel von Sibirien": Dort half sie für das Schwedische Rote Kreuz vor allem deutschen und österreichischen Kriegsgefangenen.

Diskussion nach NT-Beitrag

Die Initiative zur Herausgabe des Buches wurde nach einem Beitrag im "Neuen Tag" über einen Stadtratsbeschluss ergriffen: Als sich das Gremium für die Bezeichnung "Zur ehemaligen Porzellanfabrik" für das Gewerbegebiet an der Mitterteicher Straße entschied, entstand im Gerwig-Kreis eine Diskussion. Es habe dort ja auch eine alte Glashütte gegeben, weshalb man dem ehemaligen Inhaber Ernst Bloch ein Denkmal hätte setzen können. Darauf kamen andere Straßennamen zur Sprache wie etwa die Pötzl-Straße, die Liststraße, die Steinerstraße und die Frage: Woher kommen eigentlich die Straßennamen?

Daraus entstand die Absicht, die Straßennamen nach ihrer Herkunft zu analysieren. Dieser Aufgabe widmeten sich Peter Christ und Herbert Hackbarth. "Bald stellte sich heraus, dass dies gar nicht so einfach war", erzählt Manfred Brunner. "Aus dem Sammeln wurde rasch reine Forschungsarbeit." Aus der zunächst geplanten Broschüre sei dann bald ein Buch entstanden.

Vorhandene Literatur zu den Persönlichkeiten sowie auch die Recherchen im Internet hätten große Lücken offen gelassen, so Brunner. Er würdigt in diesem Zusammenhang die Unterstützung des verstorbenen Stadtheimatpflegers und Gerwig-Kreis-Mitglieds: "Robert Treml konnte vielfach weiterhelfen."

Das Köllergrünfest ist alljährlich ein wichtiger Punkt im Terminkalender des Gerwig-Kreises Waldsassen

Waldsassen
Von Nils Wittmann gestaltete den Titel mit einer historischen (Bild) und einer aktuellen Aufnahme des Johannisplatzes.
Das Buch ist ab dem ersten Dezember-Wochenende erhältlich.
Hintergrund:

Neues Buch erscheint am ersten Dezember-Wochenende

  • Das Buch "Die Geschichte der Straßen und Plätze in Waldsassen" kostet 25 Euro und ist voraussichtlich zum ersten Dezember-Wochenende erhältlich - in der Tourist-Info der Stadt Waldsassen, im Klosterladen im Gästehaus St. Josef sowie bei Manfred Brunner und bei Josef Reindl.
  • Der plötzliche Tod von Robert Treml sei für die Arbeitsgruppe ein großer Schock gewesen, erzählt Manfred Brunner im Rückblick. "Es dauerte Wochen, bis man wieder in der Lage war, weiter zu arbeiten."
  • Eine Besonderheit des Buches ist die Ansicht der aktuellen Fotos aus dem Blickwinkel der historischen Aufnahmen. Josef Reindl mit der Kamera und Manfred Brunner gingen daran, alle Straßen zu verschiedenen Tageszeiten und bei unterschiedlichen Wetterbedingungen zu dokumentieren. Danach galt es, eine riesige Menge an Fotos zu sichten.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.