31.07.2020 - 12:35 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Geschichten aus der Hängematte mit Äbtissin Laetitia Fech

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Der Garten ist ein besonderer Lebensraum. Meist hat ihn der Gartenbesitzer nach eigenen Bedürfnissen und Geschmack gestaltet und verbindet mit ihm Erholung und Ruhe. Aber ist das alles? Ein Gespräch mit Äbtissin Laetitia Fech.

Ein besonderer Ort im Garten ist für Äbtissin Laetitia Fech der Bereich rund um die Marienstatue aus Lambertsglas. Dort nahm sie in der Hängematte Platz und stellte sich den Fragen.
von Christa VoglProfil

Der beste Ort für eine Auszeit ist der eigene Garten: Leicht zu erreichen, mit allem ausgestattet, was für die Erholung benötigt wird, viel Grün. Für Oberpfalz-Medien hat Kreisgartenfachberater Harald Schlöger Äbtissin Laetitia Fech als Gartenbotschafterin in der Hängematte interviewt.

ONETZ: Welche Rolle spielt der Garten allgemein in Ihrem Leben?

Äbtissin Laetitia Fech: Für mich war von Kindheit an der Garten wichtig. Die Großeltern und Eltern haben alles selbst angebaut und sich weitgehend aus dem eigenen Garten versorgt. Sich mit dem Garten beschäftigen, heißt von der Natur lernen. Mit den Zeiten des Wachsens, Blühens, Reifens, aber auch des Ruhens, ist er ein Sinnbild des Lebens. Eine passende Metapher aus der christlichen Lehre ist die Geschichte vom Weizenkorn, das in die Erde fällt. Vom Garten lernen, heißt Demut und Achtung lernen.

ONETZ: Was macht den Garten aus Ihrer Sicht besonders?

Äbtissin Laetitia Fech: Der Ort im Kloster, an dem man Gott am nächsten ist, ist nicht nur die Kirche, sondern der Garten (Anmerkung der Redaktion: Mönchsvater Pachomius, 4 Jahrhundert). Hier erfahren die Mönche/Schwestern ihr größtes Glück.
Diese Vision auch für Kinder und Jugendliche zugänglich zu machen, war eine Antriebsfeder für die Gründung des KuBZ (Anm.d.Red.: Kultur- und Begegnungszentrum der Abtei Waldsassen) und der Umweltstation genau zum 900-jährigen Gründungsjubiläum des Ordens. Ich bin überzeugt, dass der Grundsatz gilt: Was man als Kind schätzen gelernt hat, man auch als Erwachsener schützt. Es ist schön zu sehen, wie vielen Kindern im umfangreichen Kursprogramm des Naturerlebnisgartens diese Grundlagen mitgegeben werden.

ONETZ: Welche persönliche Verbindung haben Sie mit dem Garten?

Äbtissin Laetitia Fech: Es ist die Sehnsucht nach dem Paradiesgarten Eden, die uns allen inne wohnt. In Genesis 2,8 wird das beschrieben: „Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein…“ Der Mensch darf sich im Garten ähnlich schöpferisch betätigen und Anleihe nehmen an der Schöpfertätigkeit Gottes.

ONETZ: Was verbindet Sie mit der Region?

Äbtissin Laetitia Fech: Das Kloster Waldsassen hat schon immer eine intensive Verbindung mit der Region, was ja auch im Namen Stiftland deutlich zum Ausdruck kommt. Ich mag die wunderschöne Landschaft mit großen Waldgebieten, den Teichen, deren Ursprung ja stark auf das Wirken des Klosters zurückgeht, den Dörfern und kleinen Städten und nicht zuletzt den vielen unterschiedlichen Gärten.
Die Region hat in den 25 Jahren, seit ich hier als Äbtissin Verantwortung trage, sehr gewonnen. Wir dürfen zurecht stolz auf unser kulturelles Erbe sein, was ja mit der Bewerbung als immaterielles Unesco-Weltkulturerbe deutlich zum Ausdruck kommt. Was mir besonders gefällt, ist die Zusammenarbeit aller Akteure zum Beispiel in der Ikom Stiftland, mit dem Ziel die Region weiter voranzubringen.

Die Einleitung zu den Garten-Geschichten aus der Hängematte

Tirschenreuth

ONETZ: Gibt es Gärten in der Region, die für Sie etwas Besonderes sind und die Sie anderen Besuchern empfehlen?

Äbtissin Laetitia Fech: Da gibt es einige aus dem Gartennetzwerk im Landkreis Tirschenreuth und darüber hinaus. Zu nennen sind zum Beispiel der Reslgarten im Konnersreuth, der wirklich ein besonderes Kleinod ist, oder das Gartenschaugelände in Tirschenreuth, das als Fischhofpark weitgehend erhalten blieb und das eine große städtebauliche Bereicherung für Tirschenreuth darstellt.
Natürlich sind auch die Gärten im benachbarten Tschechien, zum Beispiel das ehemalige Gartenschaugelände in Eger, einen Besuch wert. Auch unser Naturerlebnisgarten in Waldsassen, der vom KuBZ betreut wird, ist sehenswert und wartet mit einem umfangreichen Kursprogramm auf. In nächster Zeit soll ein Teil in Richtung TEM, das heißt traditionelle europäische Klosterheilkunde, umgestaltet werden.
Dabei wollen wir fünf Säulen berücksichtigen. Als erste die Natur und Naturerfahrung. Darunter fällt die Heilkräuterverwendung, die Dankbarkeit für die Schöpfung und die ausgewogene Lebensführung. Die zweite Säule ist die Bewegung und Leibarbeit. Darunter versteht man die Einheit von Leib, Seele und Geist. Die Beratung und das lebenslanges Lernen ist die dritte Säule. Denn wer nicht lernen kann, kann auch nicht gesund werden. Als vierte Punkt kommt die Prävention, also die Hilfe zur Selbsthilfe, ins Spiel. Und die fünfte Säule ist der Lebensraum und das Wohnen. Darunter fällt sowohl die räumliche als auch die soziale Umgebung.

ONETZ: Welches sind die Lieblingsecken im Garten?

Äbtissin Laetitia Fech: Im Klausurbereich im Garten des Klosters sind dies das kleine Kapellchen, das erst vor Kurzem wieder wunderschön renoviert wurde, der Blick auf die Muttonebrücke über die Wondreb, den man übrigens auch vom öffentlich zugänglichen Naturerlebnisgarten aus hat, und den Gang durch die Apfelbaumallee im Klostergarten. Eine besondere meditative Atmosphäre hat der alte Friedhof, mit den Gräbern, die in viel Natur eingebettet sind.
Auch der neu gestaltete Bereich rund um die Sporthalle der zum Kloster gehörenden Mädchenrealschule lädt wegen der dort verwendeten interessanten Pflanzen und der Lage im Wald unmittelbar an der Wondreb zu einem Aufenthalt ein. Unseren Naturerlebnisgarten genieße ich am liebsten abends, wenn keine Besucher mehr da sind, und Stille eingekehrt ist. Ein besonderer Ort ist dabei der Bereich rund um die Marienstatue aus Lambertsglas (Anm.d.Red.: Dort ist auch die Bildaufnahme entstanden).

Ein Besuch in der Abtei Waldsassen

ONETZ: Welche Pflanzen mögen Sie besonders und vielleicht können Sie uns sagen warum?

Äbtissin Laetitia Fech: Meine Lieblingspflanzen sind Veilchen und Maiglöckchen. Sie sind für mich die Frühlingssymbole und zeigen das Erwachen der Natur. Ich liebe ihren Duft, zudem sind sie ein Symbol für Bescheidenheit und Demut und passen so zu unserem Orden. Große Bedeutung hat für mich auch alles, was mit dem Marienfeiertag 15. August zu tun hat. Alle Pflanzen, die in die traditionellen Kräuterbuschen eingebunden werden sind für mich besonders.
Es gibt so viele aufzuzählen. Rosen und insbesondere die Wildrosen mit ihren einfachen Blüten mag ich auch. Und erwähnen muss ich noch die Apfelbaumblüte. Es ist ein Erlebnis, wenn man zur Blütezeit durch die Allee spaziert und alles brummt vor lauter blütenbesuchender Insekten

ONETZ: Was sind die Besonderheiten in den einzelnen Jahreszeiten? Spricht Sie eine Jahreszeit im Garten besonders an?

Äbtissin Laetitia Fech: Eigentlich sind alle Jahreszeiten schön. Im Garten kann man in der Abfolge des Blühens, Reifens und Fruchtens die Jahreszeiten so schön wahrnehmen und ist eng mit der Natur verbunden. Wenn ich eine Zeit herausgreifen soll, dann ist das das Frühjahr, wenn im Mai alles blüht und duftet. Natürlich freue ich mich auch immer auf den Herbst, wenn alles wohlgedeiht und der Gärtner seinen Lohn einfahren darf.

ONETZ: Warum lohnt es sich für Sie, mehr Zeit im Garten zu verbringen?

Äbtissin Laetitia Fech: Wir können im Garten ganz viel von der Natur lernen. All die Mühe und das Schwitzen bei der Gartenpflege sind zudem gesund. Jeder kann im Garten schöpferisch tätig sein und wird von der Natur reich beschenkt mit gesundem, köstlichen Obst und Gemüse.

ONETZ: Können Sie dies auch anderen raten?

Äbtissin Laetitia Fech: Ja, weil man dafür reicht beschenkt wird. Nicht nur mit der Ernte, sondern der Garten ist auch gut für die Seele. Im Garten kann jeder was für die geschundene Natur tun, und zum Beispiel blühende Pflanzenrabatten anlegen oder reichblühende Wiesen statt Rasenflächen anlegen.

ONETZ: Welche Tipps haben Sie für Gartenfreunde in der Region?

Äbtissin Laetitia Fech: Der Garten sollte das ganze Jahr über als Chance fürs Seelenheil wahrgenommen werden. Machen Sie es wie unsere Schwestern und nutzen den Garten zum Meditieren. Kümmern Sie sich wieder um das Brauchtum im Jahreskreis rund um den Garten, und kommen Sie so Gott und Natur näher.
Meiner Ansicht nach ist eine Kräuterspirale oder Kräuterecke immer eine Bereicherung für den Garten und die Küche.
An Veranstaltungen empfehle ich den Tag der offenen Gartentür, wo man so viele Ideen und gute Beispiele in den beteiligten privaten Gärten sehen kann, und die Obstbörse im Naturerlebnisgarten, die zurecht die Bedeutung der Streuobstwiesen für die Kulturlandschaft und Artenvielfalt herausstellt.

Kreisgartenfachberater Harald Schlöger hat Äbtissin M. Laetitia Fech als erste Gartenbotschafterin in der Hängematte interviewt.
Äbtissin M. Laetitia Fech genießt den Naturerlebnisgarten am liebsten abends, wenn Stille eingekehrt ist.
Eine der Lieblingspflanzen von Äbtissin Laetitia Fech sind Wildrosen.
Zur Person:

Äbtissin Laetitia Fech ist am 21. Mai 1957 als Agathe Fech in München geboren. Sie trat im März 1979 in die Zisterzienserinnenabtei Lichtenthal ein, wo sie den Ordensnamen Laetitia annahm. Fech legte die Profess am 25. März 1980 ab. Seit 1994 lebt sie im Kloster Waldsassen, wo sie am 26. August 1995 zur Äbtissin gewählt wurde. Am 3. Oktober 1995 empfing sie durch Bischof Manfred Müller die Benediktion („Äbtissinnenweihe“). Ihr Wahlspruch lautet: „Die dem Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft.“ (Jesaja 40,31)

Unter ihrer Leitung wurde mit einer Generalsanierung des Klosters Waldsassen und dem Aufbau eines Begegnungszentrums begonnen. 2005 erhielt sie die Auszeichnung "Pro meritis scientiae et litterarum" des Freistaats Bayern für ihre Verdienste in der Denkmalpflege und 2015 die Bayerische Verfassungsmedaille in Gold.

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