24.10.2019 - 09:02 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Die Gummi-Mischung macht's

Es wird Zeit für den Wechsel auf Winterräder. Wer bei Eis und Schnee mit unpassender Bereifung fährt, riskiert ein Bußgeld. Die Sommerräder sollten im Keller kühl und dunkel gelagert werden.

Auch wer seine Räder lieber selbst wechselt: Das Montieren eines Reifens sollte man Fachleuten überlassen.
von Konrad RosnerProfil

(kro) Obwohl es immer noch spätsommerlich warme Tage gibt, ist es Zeit, auf die Winterräder zu wechseln. Die O-Regel "Von Oktober bis Ostern" ist immer noch gültig. In diesem Zeitraum sollten Autofahrer nur mit Winterreifen unterwegs sein.

Werner Meier aus Waldsassen, Geschäftsführer eines Reifenhändler, erklärt: "Die Winterreifen haben eine andere Gummimischung als die Sommerreifen und sind deshalb besser für die Kälte ausgerüstet." Sommerreifen hätten im Winter erheblich schlechtere Fahreigenschaften als Winterreifen und stellten so ein erhebliches Sicherheitsrisiko für den Fahrer als auch für die anderen Verkehrsteilnehmer dar.

Bußgeld

Wer auf verschneiter oder vereister Straße mit Sommerrädern erwischt wird, riskiert ein Bußgeld über 60 Euro, warnt der ADAC. Wird zudem der Verkehr behindert, werden 80 Euro und ein Punkt in Flensburg fällig. Sollten aufgrund der nicht angemessenen Bereifung andere Verkehrsteilnehmer gefährdet werden, kann das 100 Euro und ebenfalls einen Punkt in Flensburg kosten.

Vor dem Aufziehen der Winterreifen muss auf jeden Fall die Profiltiefe gemessen werden. Werner Meier: "Die gesetzlich vorgeschriebene Profiltiefe beträgt 1,6 Millimeter." Er rät allerdings zu neuen Winterreifen wenn die Profiltiefe bei rund 4 Millimetern sei. "Aus Sicherheitsgründen."

Auch warnt er vor Billigreifen. Markenreifen würden sich immer auszahlen, "auch wenn diese ein paar Euro mehr kosten". Die Sicherheit sollte dies wert sein. Auch von Allwetterreifen ist er nicht überzeugt: "Winterreifen haben mit ihren speziellen Lamellen einen besseren Griff", sagt der Fachmann.

Aufnahmepunkte

Wer seine Winterreifen selbst wechseln möchte, braucht einen guten Wagenheber. Dieser darf nur an den am Pkw vorhandenen Aufnahmepunkten verwendet werden, um keine Schäden am Auto zu verursachen. In der Bedienungsanleitung der Fahrzeuge sind diese genau angegeben. Wichtig ist, dass der Wagenheber genau sitzt. Ein Abrutschen des Autos könnte zu erheblichen Verletzungen bei der Montage führen.

Für den Räderwechsel das Auto anheben und die Sommerräder abmontieren. Jedes Rad sollte gekennzeichnet werden, damit es im kommenden Frühjahr wieder an der gleichen Stelle montiert werden kann. Der Fachmann notiert auf dem Reifenprofil "VL" für "vorne links", "VR" für "vorne rechts", "HR" für "hinten rechts" und "HL" für "hinten links". Zu beachten ist weiterhin, dass mittlerweile fast alle Reifen eine Laufrichtung haben. Ein Pfeil auf den Reifen zeigt diese an.

Die Winterräder müssen mit dem nötigen Drehmoment festgezogen werden. Auch dieser Drehmoment ist mittlerweile für jedes Fahrzeug unterschiedlich. Informationen dazu gibt es zum Beispiel im Internet.

Luftdruck prüfen

Anschließend sollte man den Luftdruck der Winterräder prüfen. Neuere Fahrzeuge sind mit einem Reifendruck-Kontrollsystem, dem sogenannten "RDKS" ausgestattet. Ein Zurücksetzen der Daten beim Fahrzeug ist deshalb bei den meisten Pkw erforderlich. Dies funktioniert entweder über den Bordcomputer im Auto oder man lernt das "RDKS" mit einem speziellen Tester wieder neu an.

Wichtig ist es, die Sommerräder von Schmutz und Bremsstaub reinigen und sie im Keller, möglichst dunkel und trocken, einzulagern. Viele Werkstätten bieten an, die Räder nach dem Wechsel auch einzulagern. Der lästige Transport der oftmals schweren Rädern entfällt. In der Werkstatt können bei Bedarf die Winterräder vor der Montage noch schnell gewuchtet werden. Nebenbei könne dann geprüft werden, ob zum Beispiel die Bremsklötze noch in Ordnung sind. Auch ein Wintercheck bietet sich an. Nach rund 50 bis 100 gefahrenen Kilometern sollten die Räder mit einem Drehmoment noch einmal nachgezogen werden.

Werner Meier im Reifenlager. Er warnt vor Billigprodukten. Markenreifen böten mehr Sicherheit.
Werner Meier zeigt, wie das Reifendruckkontrollsystem, das sogenannten „RDKS“, angelernt wird.
Hans Pastor wuchtet ein Winterrad aus. Schließlich soll es keine Unwucht aufweisen.
Tipps & Co.:

Winterreifen vermeiden Ärger mit der Kfz-Versicherung

Der Winter naht und mit ihm verschlechtern sich die Straßen- und Sichtverhältnisse. Ein besonderes Augenmerk vieler Autofahrer sollte daher jetzt der Bereifung gelten.

Denn es ist erwiesen, dass Winterreifen bei niedrigen Temperaturen sowie bei Matsch und Schnee eine bessere Bodenhaftung von Fahrzeugen garantieren als Sommerreifen. Kein Wunder also, dass sie auch beim Versicherungsschutz eine Rolle spielen: „Nicht nur die Straßenverkehrsordnung, auch die Kfz-Versicherer legen bei winterlichen Verhältnissen Wert auf eine angemessene Ausrüstung“, informiert Steffen Rohmeier, Sprecher des Bezirks Göttingen im Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK).

Die Versicherungen machen Winterreifen zwar nicht zur Pflicht und sie zahlen aus der Kfz-Haftpflicht auf jeden Fall den Schaden des Unfallgegners.

„Sie können jedoch die Kasko-Entschädigung für den Eigenschaden kürzen – wenn nachgewiesen wird, dass die Unfallfahrt mit Sommerreifen ‚grob fahrlässig’ war“, betont Steffen Rohmeier. Letzteres liege beispielsweise vor, wenn man mit abgefahrenen Sommerreifen ins winterliche Hochgebirge fährt. Dann seien Probleme mit der eigenen Kfz-Versicherung nicht auszuschließen. „Stellt sich nämlich heraus, dass der Unfall mit Winterreifen hätte vermieden werden können, könnte es durchaus zu einem regen Schriftverkehr mit dem eigenen Versicherer kommen.“

Wer es also nicht auf eine bürokratisch-juristische Hakelei ankommen lassen will, der wechselt jetzt von Sommer- auf Winter- oder Ganzjahresreifen. Dabei ist auch auf ausreichende Profiltiefe von vier Millimetern zu achten. Denn bei abgefahrenen Pneus riskiert man ebenfalls Ärger mit der Versicherung.

Auch diejenigen, die ganz schlau sein wollten und mit ihrer Versicherung einen Vertrag mit der Klausel „Verzicht auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit“ vereinbarten, kommen gleichwohl nicht ungeschoren davon. Auch ihnen droht eine Kürzung der Versicherungsleistung. (exb)

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