Waldsassen
30.10.2025 - 13:23 Uhr
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Wie der Hausärztemangel in Waldsassen für eine Frau lebensbedrohlich wurde

Die hausärztliche Versorgung in Waldsassen und Umgebung beunruhigt die Menschen. Für eine Frau wurde die Situation lebensbedrohlich. Selbst ein Notruf brachte nicht den gewünschten Erfolg. Dann wählten die Angehörigen einen anderen Weg.

Der Hausarztmangel im Versorgungsbereich Waldsassen-Bad Neualbenreuth nahm für eine Seniorin aus Waldsassen eine beinahe lebensbedrohliche Entwicklung. Symbolbild: Sebastian Gollnow/dpa
Der Hausarztmangel im Versorgungsbereich Waldsassen-Bad Neualbenreuth nahm für eine Seniorin aus Waldsassen eine beinahe lebensbedrohliche Entwicklung.

Inzwischen geht es der Frau wieder besser. "Ich kann wieder Autofahren", freut sich die 84-Jährige aus Waldsassen über ihre Genesung. Denn im Sommer war es um ihre Gesundheit ganz schlecht bestellt. Die Frau erzählt Oberpfalz-Medien, wie sie beinahe ein Bein verloren hätte.

Mitte August, verspürte die Frau "höllische Schmerzen", wie sie sagt, im Fuß. "So etwas wünsche ich meinem ärgsten Feind nicht", schildert sie die damalige Beeinträchtigung. Sie habe plötzlich nicht mehr aufstehen können. Gehen sei unmöglich gewesen, so die bisher rüstige Seniorin.

Sie rief per Telefon zwei Hausärzte an, doch die Praxen hatten wegen Urlaubs geschlossen. Ein dritter niedergelassener Arzt wollte nur gegen eine Zahlung von 50 Euro kommen. Aber diese Extragebühr für den Hausbesuch wollte die Patientin nicht zahlen. Die Schmerzen blieben, wurden immer unerträglicher.

"Fünf vor zwölf"

Daraufhin alarmierte die Tochter den Rettungsdienst. Im Gespräch erzählt sie, wie sie beim Notruf den Zustand der Patientin beschrieben habe. Dass die 84-Jährige nicht mehr laufen könne, dass sie starke Schmerzen im Fuß verspüre. "Ich bring' sie alleine nicht herunter", so die Tochter über ihre Mutter, die im dritten Stock wohnt. "Das ist zu wenig akut, da kommen sie nicht", fasst die Waldsassenerin die Antwort des ILS-Mitarbeiters zusammen. Die Patientin solle einen Hausarzt aufsuchen, hieß es.

Die Angehörigen wandten sich direkt an einen ihnen bekannten Notarzt. Auf dessen Anraten hin folgte ein weiterer Anruf bei der ILS, daraufhin wurde ein Krankentransport ins Krankenhaus Marktredwitz veranlasst. Dort stellten die Ärzte eine schwere Thrombose fest. "Das war fünf vor zwölf", ist die Seniorin glücklich, dass ihr mit einer Not-OP inklusive Bluttransfusion geholfen werden konnte. "Ich hätte den Fuß verlieren können."

Das sagt die ILS

Auf Anfrage von Oberpfalz-Medien Anfang Oktober kündigte der Leiter der Integrierten Leitstelle (ILS) Nordoberpfalz, Jürgen Meyer, eine interne Prüfung an. "Grundsätzlich gilt: Der Rettungsdienst kann und darf bei akuten medizinischen Notfällen jederzeit über die 112 alarmiert werden." Die Entscheidung, ob und wie ein Einsatz erfolgt, werde anhand der geschilderten Symptome von den Leitstellendisponenten getroffen. Ende Oktober folgte die Stellungnahme zum konkreten Fall. Fazit: "Es lässt sich pauschal nicht sagen, dass bei starken Schmerzen kein Einsatzmittel durch uns entsandt wird."

Speziell ausgebildete Disponenten verfügten über Kompetenzen und Erfahrungen im Bereich Rettungsdienst und Feuerwehr. Die Mitarbeitenden seien in der Lage, aus den Schilderungen des Anrufers ein Meldebild zu erarbeiten und im Anschluss festzustellen, "ob ein Rettungsmittel entsendet wird und falls ja, mit welcher Dringlichkeit".

Meldebild nach Telefonat

Rettungsmittel per se seien immer knapp und müssten "mit Bedacht" eingesetzt werden. Wegen der Kosten sollten Fahrdienste in ein Krankenhaus nicht durch ein Rettungsmittel erfolgen. Es sei zudem gebunden und stehe nicht für einen kritischen Einsatz zur Verfügung.

Wenn sich etwa herausstellt, dass Schmerzen seit einem gewissen Zeitraum bestehen und sich nicht verschlechtert haben, werde hieraus kein Notfalleinsatz resultieren. Bei starken Schmerzen – nach dem subjektiven Empfinden des Mitteilers – werde auch direkt der Notarzt zur Schmerzlinderung entsandt.

Krankentransport in Klinik

Im konkreten Fall habe die Abfrage ergeben, dass die Patientin mit Schmerzen in ein Krankenhaus gebracht werden müsse – was später auch erfolgt sei. Auf weitere Nachfragen gab das ILS mit Verweis auf den Patientendatenschutz keine näheren Auskünfte.

"Jetzt ist es vorbei, es geht mir einigermaßen gut", ist die Seniorin froh, dass sie auf dem Weg der Besserung und auch wieder mobil ist. Sogar die Gräber ihrer Angehörigen auf dem Waldsassener Friedhof kann die 84-Jährige schon wieder besuchen.

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Was tun bei akuten Beschwerden?

  • Bei akuten Notfällen sollte der Notruf unter 112 angerufen werden, um eine schnelle und effektive Behandlung sicherzustellen.
  • Dazu gehören schwere Verletzungen und Verbrennungen, Verdacht auf Herzinfarkt (Brustschmerz, Atemnot, Kaltschweißigkeit), Verdacht auf Schlaganfall (plötzliche Sprachstörung oder Lähmungserscheinungen), stärkste Schmerzen,
    Ohnmacht und Bewusstlosigkeit, schwerer Asthmaanfall oder allergischer Schock.
  • Bei anderen Beschwerden wie einem Infekt mit Fieber, Schmerzen (Migräne, Hexenschuss), kleineren Verletzungen oder Ähnlichem sollte der Hausarzt aufgesucht oder außerhalb der Öffnungszeiten der Bereitschaftsdienst unter 116 117 kontaktiert werden. Wenn nötig, kann der Haus- oder Bereitschaftsarzt ins Krankenhaus einweisen.

Quelle: klinikradar.de

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