11.10.2020 - 10:47 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Immer wieder neue Aufgaben für die Aktion Feuerkinder

Einen geplanten OP-Einsatz musste Dr. Annemarie Schraml wegen Corona absagen. Untätig geblieben sind die Ärztin aus Waldsassen und und ihr Team vor Ort in Tansania aber nicht. In wenigen Wochen soll eine Hilfslieferung starten.

Dr. Annemarie Schraml verbringt täglich zwei bis drei Stunden für die Organisation der Feuerkinder-Hilfe.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Gute Nachrichten in Zeiten der Corona-Pandemie sind selten. Aber es gibt sie - möglich werden sie durch engagierte Spender, die das Feuerkinder-Projekt unterstützen. Mit dem Geld kann vielfältige Hilfe geleistet werden. "Es ist unsere Verantwortung als Christen, uns gegenseitig zu helfen – egal, wo wir leben", sagt Dr. Annemarie Schraml über ihre Arbeit für die Hilfsaktion Feuerkinder.

Dabei geht es ihr keineswegs darum, die ganze Welt zu verbessern, wie sie sagt. Wichtig sei die Hilfe an einem Punkt dieser Erde, den man kennt. "Das ist meine Triebfeder." Denn es sei reiner Zufall, sagt die frühere Chefärztin, "dass wir in Deutschland geboren sind und hier leben".

Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft

Große Motivation und Bestätigung findet die Medizinerin auch in Aussagen von Papst Franziskus, die in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ zu finden sind: Darin zeigt der Papst Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft als Weg auf, um mit dem vereinten Einsatz aller Gutwilligen eine gerechtere und friedlichere Welt aufzubauen.

Die Unterstützung mit Spenden aus Deutschland ist für die Feuerkinder-Hilfsaktion weiterhin nötig. Stetig größer geworden sei das Aufgabenfeld in Tansania, erzählt Dr. Annemarie Schraml im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Inzwischen gewinne humanitäre Hilfe für die notleidenden Menschen immer mehr an Bedeutung – als Folge der Corona-Pandemie.

Keine Touristen im Land

Dr. Schraml weiß von der hohen Arbeitslosigkeit besonders infolge des Wegbruchs des Tourismus und die dadurch fehlenden Einnahmen. "Oft hatte nur ein Familienmitglied ein regelmäßiges Einkommen. Wenn das wegen Corona wegbricht, muss die gesamte Familie hungern." Weil es ein soziales Sicherungssystem nicht gibt, seien besonders die armen und kranken Menschen und vor allem die Behinderten sehr hart betroffen.

Zuschuss fürs Krankenhaus

Durch die finanzielle Unterstützung des Feuerkinder-Projekts kann der Betrieb des Nkoaranga-Krankenhauses mit seinen 100 Beschäftigten und des Usa River Reha Centers aufrecht erhalten werden. „Patienten können die Krankenhausrechnung nicht bezahlen“, weiß die Ärztin. Dies habe zur Folge, dass die Einnahmen des Krankenhauses niedrig seien. Deshalb könnten die Mitarbeiter nicht bezahlt werden. „Sie hatten seit Juli keinen Lohn erhalten.“

Die Not der Familien versucht die Hilfsaktion zu lindern – wobei mit relativ kleinen Beträgen schon viel erreicht werde. „Eltern können das Schulgeld nicht aufbringen“, sagt Dr. Schraml etwa über die 560 Euro, die dafür jährlich fällig seien. Besonders arme Menschen in den Dörfern um das Nkoaranga-Krankenhaus werden wiederholt mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln und Decken unterstützt.

Vertrauenswürdige Unterstützer

Bei der Organisation und der Verteilung von Hilfsgütern helfen Pastoren, die im Reha-Center Usa River auch an Fortbildungen für die Versorgung Behinderter teilgenommen hatten. „Ich habe vertrauenswürdige Leute vor Ort in Tansania.“ Täglich in Kontakt steht Annemarie Schraml mit Sophia Moshi sowie mit Mona Behninger, mit denen die Organisation schon seit 20 Jahren zusammenarbeitet.

Der in diesem Sommer geplante OP-Einsatz musste zwar abgesagt werden. Untätig geblieben ist Dr. Schraml aber nicht. „Ich bin täglich zwei bis drei Stunden mit Tansania beschäftigt.“ Zurzeit bereitet Annemarie Schraml eine Frachtlieferung nach Tansania vor – mit medizinischen Artikeln, Schutzkleidung und Masken sowie Medikamenten. „Die Preise sind gestiegen und auf hohem Niveau“, sagt die Ärztin über eine Folge der Corona-Pandemie. Voraussichtlich im November wird der Container auf die Reise geschickt.

Geld für Ausbildung

Daneben verweist Dr. Schraml noch auf die finanzielle Unterstützung ehemaliger Patienten, die bei ihrer Aus-und Weiterbildung unterstützt werden – mit insgesamt 1300 Euro jeden Monat. Die Zahlungen sind Hilfe zur Selbsthilfe im besten Wortsinn: Ein junger Mann schließt etwa in diesem Monat das s0 finanzierte Medizinstudium ab und kehrt dann an das Nkoaranga-Krankenhaus zurück. Drei weitere junge Leute bilden sich in medizinischen Berufen fort.

Der Bericht über den bislang letzten OP-Einsatz im Februar

Tirschenreuth
Die Szene zeigt einige Einwohner der Pfarrei Ngarenanyuki beim Empfang von Hilfslieferungen.
Eine alte Frau erhält Lebensmittel.
Über die Hilfsaktion Feuerkinder hat eine behinderte Frau Matratze und Bettzeug erhalten.
Dankbare Frauen in einem abgelegenen Dorf.
Lebensmittelspende im Dorf Leguruki.
Hintergrund:
  • Offizielle Fallzahlen der Corona-Infektionen wurden am 29. April zum letzten Mal veröffentlicht, berichtet Dr. Annemarie Schraml. Danach habe der autoritär regierende Präsident John Magufuli die Berichterstattung über das Virus verboten. Niemand wisse, wie viele Menschen infiziert, gestorben und genesen sind, wie viele getestet wurden. Das Auswärtige Amt warnt derzeit vor nicht notwendigen Reisen nach Tansania. "Die Fallzahlen scheinen niedriger als bei uns zu sein", sagt Dr. Schraml im Gespräch und unterstreicht: "Das Risiko, an Malaria oder Tuberkulose zu sterben, ist um ein Vielfaches höher." Dr. Schraml erzählt, dass von den vielen Bekannten und Freunden keiner an Covid-19 erkrankt sei. Dies mag an der im Schnitt deutlich jüngeren Bevölkerung liegen, außerdem am milden und warmen Klima.
  • Die Aktion "Feuerkinder" ist weiterhin auf Spenden angewiesen. Die Kontoverbindung: Projekt Aktion Feuerkinder, EB Kassel, BIC: GENODEF1EK1, IBAN: DE53 5206 0410 0103 5099 82.
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