20.09.2019 - 15:24 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Kliniken AG: Wolfgang Fortelny wirft genervt das Handtuch

Die anstehende Veränderung war schon vor einer Woche bekannt geworden: Ein Aufsichtsrat der Kliniken AG Nordoberpfalz hat das Gremium verlassen. Jetzt ist durchgesickert, dass Dr. Wolfgang Fortelny aus Waldsassen ausgestiegen ist.

Dr. Wolfgang Fortelny, der neben seinem Hauptberuf als Internist auch noch als Notarzt und als Feuerwehrarzt tätig ist, hat den Aufsichtsrat der Kliniken AG Nordoberpfalz mit sofortiger Wirkung verlassen. Das Rücktrittsschreiben hatte der Waldsassener Landrat Wolfgang Lippert bereits am 11. September übergeben.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Der Internist war etwa zehn Jahre Aufsichtsrat. Ein Sprecher des Landratsamts bestätigte am Freitag den Rücktritt. Die Nachfolge werde in der nächsten Sitzung des Kreistags geklärt, hieß es.

Landrat wusste davon

In der öffentlichen Diskussion über den Millionenkredit für die Kliniken AG im Kreistag

Tirschenreuth

am Donnerstag war Fortelnys Entschluss kein Thema. "Ich hätte schon erwartet, dass es in öffentlicher Sitzung bekannt gegeben wird", so der Internist am Freitag auf Anfrage von Oberpfalz-Medien über seine Entscheidung.

Anfang vergangener Woche hatte es dafür offiziell keine Bestätigung gegeben. Doch zu dieser Zeit wusste Landrat Wolfgang Lippert schon davon; er hatte bereits von Fortelny das Rücktrittsschreiben persönlich erhalten: "Acht Tage vor der gestrigen Abstimmung habe ich bereits Landrat Wolfgang Lippert und den Vorstand der Kliniken AG, Josef Götz, mitgeteilt, dass ich mit sofortiger Wirkung den Posten des Aufsichtsrates zurückgebe."

Fortelny nennt mehrere Gründen, die ihn zu diesem Schritt bewogen haben. Neben solchen, die die nichtöffentlichen Sitzungen des Gremiums betreffen, gibt es auch Anlässe, "die die Öffentlichkeit auch wissen darf". Nach dem plötzlichen Tod von Helmut Wilbert hatte der Kreistag den Waldsassener als Nachfolger gewählt, um im Aufsichtsrat die medizinischen Interessen vor allem auch des Landkreises Tirschenreuth zu vertreten. "Ich habe dies versucht umzusetzen", so Fortelny. Er habe aber oft die Bereitschaft vermisst, seine Ideen wahrzunehmen und zu prüfen und umzusetzen. "Im Nachhinein betrachtet, hätte ich regelmäßig den Kreistag über die medizinische Situation informieren sollen."

Der 66-Jährige, der auch regelmäßig in den Notarztdienst

Waldsassen

mit eingebunden ist, bringt vor allem aber die Entwicklungen in den vergangenen Monaten zur Sprache. "Bei der Weihnachtsfeier 2018 wurde im Krankenhaus Waldsassen noch berichtet, dass die Akut-Medizin nicht gefährdet ist." In der ersten Aufsichtsratssitzung im Februar 2019 sei dann mitgeteilt worden: ,,Wenn wir die Akut-Medizin in Waldsassen nicht schließen, dann treiben wir die AG in die Insolvenz."

Politischer Druck

"Unter diesem massiven politischen Druck haben wir damals beschlossen, die Akut-Medizin in Waldsassen stillzulegen." Dadurch, so sei dem Aufsichtsrat erklärt worden, komme die AG wieder in schwarze Zahlen. "Keine zwei Monate später wurde uns mitgeteilt: Sofern nicht 50 Millionen Euro als Darlehen gegeben werden, wird eine Insolvenz nicht zu verhindern sein." Jeder werde sich fragen, so Fortelny, ob bereits beim Beschluss für die Schließung der Akut-Medizin in Waldsassen den Verantwortlichen bekannt war, dass die Millionen-Finanzspritze benötigt wird. Jedenfalls sei dadurch in Kauf gekommen worden, Patienten aus Oberfranken komplett zu verlieren, "ebenso einen Teil der Oberpfälzer Patienten, die nun nach Marktredwitz, Selb und Hof gehen", so der ehemalige Aufsichtsrat weiter. "Im Vergleich zu unseren platzen diese Krankenhäuser aus allen Nähten und die AG fragt sich, wo die Patienten bleiben."

Politischer Streit

Als weiteren Grund für seinen Rücktritt nennt der Mediziner den politischen Streit unter den drei Gebietskörperschaften. "Wie soll der Patient Kliniken AG optimal behandelt werden, wenn sich drei Chefärzte - die drei Träger - über die Behandlung ständig streiten?" Der Internist hofft darauf, dass nach der Kommunalwahl wieder zu einer vernünftigen Arbeit übergegangen werden kann.

"Diese Arbeit wird aber seit letzter Woche ohne mich stattfinden", steht der Entschluss für Wolfgang Fortelny fest. Sein Fazit: Er habe als Aufsichtsrat nicht viel bewegen können. Es werde sich zeigen, ob die Aufgabe des Standorts Waldsassen mit seinem Einzugsgebiet und der Verzicht auf die oberfränkischen Patienten ein Segen für die Kliniken AG sein wird. Fortelny wünscht dem Nachfolger oder der Nachfolgerin im Gremium viel Glück und Erfolg. "Ich glaube, dass ich außerhalb des Aufsichtsrats der Kliniken AG für die Versorgung der Patienten in der nördlichen Oberpfalz mehr erreichen kann. Dazu stehe ich weiterhin jederzeit zur Verfügung."

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