30.04.2020 - 17:23 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Kliniken Nordoberpfalz: Waldsassen verliert auch die Orthopädie-Reha

Das Krankenhaus Waldsassen ist Geschichte: Nach der Schließung der akutstationären Versorgung vor knapp einem Jahr stellt die Kliniken Nordoberpfalz AG auch bei der Orthopädie-Reha den Betrieb ein.

Die Türen des Gesundheitszentrums Waldsassen bleiben auch in Zukunft geschlossen. Die Kliniken AG hat angekündigt, dass die Orthopädie-Reha den Betrieb nicht mehr aufnimmt.
von Martin Maier Kontakt Profil

Wegen seiner Corona-Maßnahmen hatte der Klinkenverbund die Orthopädische Rehabilitation in Waldsassen schon am 21. März geräumt. Schon damals befürchteten viele Bürger, dass dadurch Fakten geschaffen wurden. Und diese Befürchtungen haben sich bestätigt. Nach Bewältigung der derzeitigen Corona-Pandemie erfolge keine Wiederaufnahme des Betriebs in der Klosterstadt, teilte die Kliniken AG am Donnerstag in einer Pressemeldung mit. Überschrieben war diese mit „Aufbruch in neue Zeit“.

Die Schließung der Reha in Waldsassen sei Teil des angekündigten harten Sanierungskurses. Damit der Verbund auch weiterhin in kommunaler Trägerschaft bleiben könne, seien strukturelle Änderungen im gesamten Unternehmen unabdingbar. Neben der Klosterstadt ist auch Vohenstrauß betroffen, das sein Akut-Krankenhaus verliert.

Für beide Standorte bringt die Kliniken AG mehrere Szenarien der Nachfolgenutzung ins Gespräch: Realisierung eines Intersektoralen Gesundheitszentrums (IGZ), die Integration von Arztpraxen, eine Umwidmung in eine Kurzzeitpflegeeinrichtung oder weitere alternative Nachfolgenutzungen. Der Verbund wird sich aber von beiden Standorten komplett trennen. Denn er kündigt an, „in Zukunft nicht mehr als Betreiber oder Liegenschaftsverwalter der neuen Versorgungseinheiten aufzutreten“. Für das Personal vor Ort würden gemeinsam mit dem Betriebsrat aktuell die Möglichkeiten eines Einsatzes an anderen Standorten der Kliniken AG geprüft.

Für Waldsassens Bürgermeister Bernd Sommer waren die vergangenen Jahre "ein Sterben auf Zeit". Wobei er betont, dass sich die Beschäftigten vor Ort immer voll eingesetzt haben. Seit Sommer aber vor zwölf Jahren ins Amt kam, sei mit jeder Maßnahme des Verbunds das Krankenhaus Waldsassen unwirtschaftlicher geworden. Und nun lasse die wirtschaftliche Lage der Kliniken AG keinen andere Wahl als die Schließung. "Das ist dramatisch."

Allerdings gewinnt der Rathauschef der Situation auch etwas Positives ab: "Endlich kann ich meine Vorstellungen für das Haus selber in die Hand nehmen. Ich bin gerüstet." Er habe schon ein Konzept entwickelt. Und dazu habe es schon Gespräche mit verschiedenen Ärzten gegeben. Da die Immobilie interessant ist, sei schnelles Handeln gefragt. Die Errichtung eines IGZ werde parallel verfolgt. Wichtig ist Sommer, dass es weiterhin medizinische Arbeitsplätze in Waldsassen gibt.

„Uns fallen diese Einschnitte menschlich und fachlich enorm schwer, da wir wissen, was die Teams – berufsgruppenübergreifend – vor Ort in den vergangenen Jahren für hervorragende Arbeit geleistet haben. Aus dem Blickwinkel des wirtschaftlichen Überlebens des Unternehmens jedoch sind diese einschneidenden Schritte unabdingbar notwendig“, wird Vorstand Dr. Thomas Egginger, in der Pressemitteilung zitiert. Durch die seit Jahren praktizierte Unterfinanzierung im Gesundheitswesen und damit des Krankenhauswesens seien die bisherigen Strukturen nicht mehr zu halten. „Das hat uns in eine dramatische, existenzgefährdende Situation gebracht, der wir nun mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln begegnen“, so Egginger.

Eine gute Nachricht für den Landkreis Tirschenreuth gab es dann aber doch noch: Die Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus Tirschenreuth, die zur Bewältigung der Corona-Pandemie kurzfristig ans Klinikum Weiden verlagert wurde, werde wieder eröffnet.

Hintergrund:

Sachstand Intersektorales Gesundheitszentrum

Die Realisierung eines IGZ (Intersektoralen Gesundheitszentrums) werde seitens der Kliniken AG sowohl für Waldsassen als auch für Vohenstrauß weiterhin angestrebt. Der Freistaats habe positive Zeichen für eine Umsetzung signalisiert. Derzeit laufen die Verhandlungen mit den Kostenträgern. Unabhängig vom Standort werde die Umsetzung jedoch nicht durch die Kliniken AG erfolgen. Der Klinikverbund habe aber eine enge fachliche Begleitung zugesichert.

Mitte 2019 schloss schon das Akut-Krankenhaus in Waldsasssen:

Waldsassen

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