09.07.2021 - 11:22 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Am Landesamt in Waldsassen: Spannende Herausforderungen für IT-Spezialisten

Eine wertvolle Hilfe beim Planen von Wander- und Radtouren ist der Bayernatlas. Was kaum bekannt ist: Das digitale Angebot entsteht in Nordostbayern. Ein Entwicklerteam soll die Qualität auch in Zukunft sichern.

Mit dem Abbruch des früheren Altenheims St. Maria (links neben dem Krankenhaus-Gebäude an der Egerer Straße) soll in Kürze begonnen werden. Auf dem Grundstück entsteht die neue Dienststelle des Landesamts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung. Der symbolische Spatenstich ist noch in diesem Jahr geplant,
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Das Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung (LDBV) ist in der Region Nordostbayern vor allem durch die Kernaufgaben Kartographie, Vermessung und Fernerkundung bekannt. "Am LDBV werden flächendeckend für ganz Bayern die Topographie-, Landschafts- und Liegenschaftsinformationen in einem einheitlichen geodätischen Raumbezug sowie die amtlichen Karten erstellt und aktuell gehalten", informiert das Landesamt über den Aufgabenschwerpunkt.

Durch die Behördenverlagerung werden bis spätestens 2025 das Kompetenzzentrum der amtlichen Kartographie sowie ein Ausbildungszentrum für das LDBV in Nordostbayern mit insgesamt 130 Arbeitsplätzen aufgebaut. Bisher umfasst das Personal an den beiden Standorten Waldsassen und Windischeschenbach bereits 84 Frauen und Männer vor Ort.

Zwei Standorte

Ein wichtiger Baustein ist auch die IT-Entwicklung. Das Referat zur Applikationsentwicklung für die Kartographie und Geo-Datenbanken des LDBV ist verteilt auf die Standorte Waldsassen und Hof. Es stellt Applikationen zur Anpassung und Optimierung von Spezialsoftware für die Herstellung und Pflege der amtlichen Kartenwerke und Geo-Datenbanken auf dem neuesten technischen Standard her. Dabei kommt auch die agile Softwareentwicklung zum Einsatz, um die Anforderungen der Anwender optimal umzusetzen.

„Der Wissenstransfer von München hierher ist eine ganz wichtige Aufgabe“, erklärt Michael Schiebold gegenüber Oberpfalz-Medien im Gespräch. Der Aufbauleiter der neuen Struktureinheit verweist auf das frühere Landesvermessungsamt in der Landeshauptstadt. Die Fachkompetenz in der alteingesessenen Behörde in der Alexandrastraße müsse in Nordostbayern etabliert werden. Dazu hält Schiebold Vorträge vor Fachinformatikern in Wiesau und an der OTH Weiden, mit denen die Geodatenbank eng zusammenarbeitet. Kooperationen mit weiteren Bildungsstätten ergänzten das Netzwerk.

Aufbau bis 2025 abgeschlossen

In der IT-Entwicklung arbeiten derzeit neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Standorten Waldsassen und Hof. "Das LDBV ist damit auch ein interessanter Arbeitgeber für spannende Aufgaben in IT-Berufen, die in der Region mit hohen Standards ausgebildet werden", informiert das Landesamt: Ab nächstem Jahr werden ebenfalls zwei Geomatiker vor Ort im Referat für Applikationsentwicklung ausgebildet. Bis zum Jahr 2025 soll der Aufbau des Entwicklerteams am Standort Waldsassen abgeschlossen sein.

"Die orange lackierten Busse kennt man noch", bedauert Schiebold, dass in der Öffentlichkeit kaum bekannt ist, wie das Angebot im Geoportal Bayern entsteht. Dass die Leute in den Dienstautos des Landesamts dabei eine wichtige Rolle spielen, erklärt der Aufbauleiter an einem Beispiel: Die Mitarbeiter der Vermessungsbehörde liefern die Rohdaten, wenn sie mit GPS-Empfängern die Landschaft erkunden – etwa auf einem Radweg. Dessen Verlauf wird als Datei an die Geodatenbank übermittelt und dort für die Karten aufbereitet.

Behördeninterne Prüfroutinen

In der Folge laufen die Datensätze durch behördeninterne Prüfroutinen: "Wenn etwa ein Radweg in den Fußweg abbiegt, dann wäre das schlecht", beschreibt der Aufbauleiter eines der möglichen Szenarien. Auch dürfe auf der Karte keine Bundesstraße über eine Elektrotrasse verlaufen. "Solche unlogischen Inkonsistenzen dürfen in den Daten nicht vorkommen."

Die Programme, die solche Fehler erkennen, seien von eigenen Sachgebieten im Landesamt entwickelt, wie sie nun auch in Waldsassen im Rahmen des Projektes Behördenverlagerung aufgebaut werden. "So etwas kann man nirgendwo kaufen", so Schiebold über die Software und spricht von einer absoluten Besonderheit in Bayern im Vergleich zu anderen Bundesländern. Dies sei aber durchaus berechtigt. Denn die Spezialisten lieferten hochwertige Qualität, die vielseitig gefragt und genutzt werde. "Alle Verwaltungen, Denkmalschutzbehörden und Straßenbauämter greifen auf unsere Daten zurück."

Auch private Nutzer profitierten von der Qualität des Datenmaterials – etwa mit der Darstellung des Freizeitwegenetzes im Bayernatlas. Dabei verweist Schiebold auf das Freizeitwege-Routing, mit der Angabe von Oberflächen und Höhenprofilen. "Das sind alles Dinge, die wir selbst realisieren."

Die Pläne für die neue Dienststelle des Landesamts in Waldsassen

Waldsassen
Michael Schiebold in seinem Büro in der Dienststelle Waldsassen des Landesamts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung ist Aufbauleiter des neuen Sachgebiets.
Hintergrund:

Spatenstich für den Neubau noch dieses Jahr

  • Derzeit ist das Entwicklerteam des Landesamts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung (LDBV) übergangsweise im Sparkassengebäude in Waldsassen untergebracht.
  • Voraussichtlich 2024 ist der Umzug in das neue Gebäude geplant, das an der Egerer Straße entstehen wird.
  • Wie es heißt, wird mit den Abbrucharbeiten des ehemaligen Altenheims in der Egerer Straße in Kürze begonnen. Der Spatenstich für den Neubau ist den Angaben zufolge noch dieses Jahr geplant.

„Der Wissenstransfer von München hierher ist eine ganz wichtige Aufgabe.“

Aufbauleiter Michael Schiebold

 

 

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