25.06.2020 - 13:13 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Letzte Ruhestätte mit besonderer Note

Mit dem Kunsthaus hat Markus Braun in Waldsassen eine architektonische Besonderheit geschaffen. Jetzt darf der Planer eine weitere gestalterische Visitenkarte hinterlassen – in einem besonderen Umfeld.

Die Außenansichten des künftigen Kolumbariums am unteren Friedhofseingang. Eine Besonderheit wird der Vorbau mit der auffälligen Verkleidung aus gefärbtem Edelstahl.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Der Stadel am unteren Friedhofseingang wird zum Kolumbarium für die Beisetzung von Urnen umgebaut.

Der Stadtrat hat das Vorhaben genehmigt.

Waldsassen

"Der Raum ist groß", wunderte sich bei einem Ortstermin Bernd Sommer über die in dem Gebäude verfügbare Fläche und gestand: "Ich war hier noch nie drin." Im Jahr 1900 wurde die "Remise" errichtet; mit einbezogen wurde die Friedhofsmauer. Von einem Passanten am Friedhof hatte Planer Markus Braun vom Atelier Braun erfahren, dass um 1990 das Dach erneuert worden sein soll. Dort sollen zwei Fenster eingebaut werden, damit es innen heller wird.

Bürgermeister Bernd Sommer, Planer Markus Braun vom Atelier Braun sowie Stadtbaumeister Hubert Siller im Stadel am unteren Friedhofseingang mit den Plänen für das Kolumbarium.

Das Gebäude an sich wird äußerlich nicht verändert und lediglich "aufgewertet", wie Stadtbaumeister Hubert Siller sagte, mit einem neuen Verputz und Anstrich. Vor dem jetzigen Tor entsteht aber ein kubusförmiger Anbau – etwa 1,50 Meter lang, mit barrierenfreiem Zugang an der Seite zum Friedhof hin.

Vier Platten, ein Kreuz

Die Front wird verkleidet – mit eingefärbtem Edelstahl, wie es etwa auch beim rückwärtigen Eingang des Kunsthauses verwendet wurde: "Vier Platten, die dann wieder ein Kreuz ergeben", ist Sommer bei einem Termin vor Ort am Friedhof beeindruckt von der besonderen Gestaltungsidee.

Hinter einer Wand im Bereich des Tores ist eine Sitzbank geplant, auf der etwa Angehörige zur stillen Andacht Platz nehmen können. Der Innenraum soll dem Friedhof eine besondere Note geben, wie es hieß: Die drei Wände werden mit dunklem karbonisiertem ("verbranntem") Holz verkleidet; auf der rundum verlaufenden Brüstung sind in fünf Reihen übereinander 130 aus Eichenholz gefertigte Nischen angeordnet. Diese sind jeweils mit einer Stahlplatte verschlossen, darauf wird eine Holzplatte mit Namen und Geburts- und Sterbedaten befestigt.

"Keine zusätzlichen Kerzerl"

"Alle Namen sind in einer Größe und in einer Linie", ist Braun das einheitliche Bild wichtig. "Das muss alles sehr harmonisch sein." Und Bernd Sommer ergänzte, dass es von "Anfang an keine zusätzlichen Kerzerl" in dem Raum geben wird. Damit schnitt der Bürgermeister die Situation bei den vorhandenen Urnenstelen und -Wänden an. Zu Allerheiligen vor allem, aber sonst auch das ganze Jahr über, stellen Angehörige der dort Bestatteten Blumen und Lichter ab. Dies werde es im Kolumbarium nicht mehr geben. "Das müssen die Leute wissen. Sonst wirkt der Raum nicht", erklärte Sommer.

Nach den Worten von Stadtbaumeister Siller soll nach den Sommerferien mit dem Umbau begonnen werden. Im Haushalt der Stadt Waldsassen sind für das Projekt 160.000 Euro eingeplant. "Das haben wir auch nicht gewusst", so Bürgermeister Bernd Sommer mit Blick auf die Eigentumsverhältnisse: Das Friedhofsgelände gehört der Katholischen Kirchenstiftung; doch Pflege und Instandhaltung ist Angelegenheit der Stadt Waldsassen – auf der Grundlage alter Vereinbarungen, so Sommer.

Im Haushalt ist der Friedhof als "kostenrechnende Einrichtung" geführt: "Es wird immer so viel investiert, wie über die Grabbelegungen eingenommen wird." Deshalb müsse man aufpassen, dass derartige Vorhaben wie jetzt das Kolumbarium und die Urnenstelen nicht zu teuer werden. Denn die Kosten müssten – die Herstellungskosten plus Unterhalt müssten auf die Dauer von 20 Jahren umgelegt werden.

Info:

Geburts- und Sterbedatum

Die Frontplatten der Urnenbehälter werden entsprechend der Belegung nach und nach beschriftet. Bei der beispielhaften Darstellung auf den Plänen hatte sich Planer Markus Braun einen Gag erlaubt: Ganz klein und auf den ersten Blick nicht sichtbar, sind auf den gezeichneten Platten vor den Urnennischen drei beschriftet – unter anderem mit dem Namen des Bürgermeisters.

"Ich bin zuerst erschrocken", sagte Bernd Sommer beim Blick auf den ersten Entwurf. Denn der enthielt neben dem Geburts- auch das Sterbedatum. "Aber als ich gesehen habe, das ist mein 100. Geburtstag, habe ich gesagt: Alles in Ordnung", meinte Sommer augenzwinkernd.

Planer Markus Braun vom Atelier Braun mit den Mustern des Materials, wie es für die Verkleidung an der Frontseite des Kolumbariums verwendet wird.
Infobox:

Eine Kutsche mit vier Laternen

Archivpfleger Hermann Müller hat in den Unterlagen von Robert Treml Informationen über die "Remise", wie es heißt, gefunden: Über das Gebäude gab der verstorbene Stadtheimatpfleger bei geführten Rundgängen am Friedhof interessante Details weiter. Das "gemauerte Häuschen", wie es im Manuskript heißt, war 1900 erbaut worden, nachdem Waldsassen 1896 zur "Stadt" erhoben und 1899 ein Leichenwagen angeschafft wurde und die Stadtväter eine Unterstellmöglichkeit für die Kutsche benötigten.

Das Gefährt mit vier Laternen war von Josef Muhr aus Eger gebaut worden. Die Transporte übernahm das Kloster mit ihren Fuhrknechten und einem Pferdegespann. Bis 1960 etwa, so heißt es, war die Kutsche dort eingestellt. In den vergangenen Jahren stand der Raum leer. Helmut Spandel, der im Oktober 1983 bei der Stadt Waldsassen die Nachfolge von Friedhofswärter Ernst Werfl übernahm und später selbstständiger Bestatter wurde, hatte in der Anfangszeit sein Fahrzeug in dem Stadel untergestellt.

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