19.03.2021 - 10:53 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Liedermacher-Trio aus Waldsassen und Weiden: Songs zum Träumen ganz ohne Corona-Blues

Das Liedermacher-Trio Stefan Sommer, Günther Lehrer und Uschi Neumann begeisterten mit einem virtuellen Live-Musikabend. Geboten wurde Musik zum Mitmachen oder zum Genießen – von der heimischen Couch aus.

Günther Lehrer, Uschi Neumann und Stefan Sommer (von links) hatten viel Spaß bei ihrem virtuellen Livekonzert. Übertragen wurde der Musikabend live aus dem privaten Proberaum von Uschi Neumann und Stefan Sommer in Weiden.
von Ulla Britta BaumerProfil

Wenn auch für Künstler die Bühne nicht ersatzbar ist: Selbst ein virtueller Liveauftritt kann in Corona-Zeiten ein Erfolg sein. Das erlebten die Liedermacher Stefan Sommer, Uschi Neumann und Günther Lehrer bei ihrem einstündigen Musikabend über Facebook.

Alle drei sitzen seit über einem Jahr musikalisch sprichwörtlich „auf dem Trockenen“. "Nur im vergangenen Herbst konnten wir mit der Band auftreten“, seufzt Sommer. Er ist Waldsassen aufgewachsen und Frontmann und Sänger von „Bite the Beagle“. Entzugserscheinungen hat die Band, die schon mehrere Konzerte auch in der Region gab – in Waldsassen bei den Bürgerfesten oder im Kunsthaus.

Es juckt dem Gitarristen in den Fingern. Wenigstens ist Sommers Lebensgefährtin Uschi Neumann wie er Musikerin. Das Paar hat es nicht mehr ausgehalten und zum Sonntagsausflug in die Fränkische Schweiz die Gitarren mitgenommen. „Wir haben draußen auf einer Bank gespielt. Viele Wanderer haben gern zugehört“, freut sich Sommer übers Mini-Open-Air. Damit war die Idee geboren, wieder mehr zu machen. Wenn's sein muss virtuell.

Technik im privaten Probenraum

Der 56-jährige Elektroingenieur kümmerte sich um technische Details dafür. Die nötige Technik war problemlos im privaten Probenraum zu installieren. Dann bat das Paar einen Freund zum Mitwirken: Der 54-jährige Günther Lehrer aus Weiden ist mit Coversongs unterwegs, spielt ebenfalls Konzertgitarre, hat keine Scheu vor Rampenlicht.

Doch eine Sorge bereitete den Musikern Stirnrunzeln. „Warum es nicht mehr virtuelle Liveauftritte gibt, liegt wohl an der Angst vor Fehlern. Ein Bühnenpatzer ist schnell vergessen. Ein Fehler im virtuellen Raum kann nie mehr ausgemerzt werden“, erklärt Sommer.

Ein Probedurchlauf

Den Mut, es trotzdem zu wagen, begründet er mit „Just for Fun“. Perfekt sein wäre nicht sein Ding, sagt er. Einem Probedurchlauf folgte der Soundcheck. Dann war es so weit: Am vergangenen Samstagabend zur besten Konzertzeit begrüßten Stefan (Gesang, Gitarre), Günther (Cover, Gitarre) und Uschi (Percussion) im Netz gut 40 Gäste.

Während die Technik qualitativ hoch angesetzt war, baute das Trio beim Programm auf Spontaneität. Kein Satz wurde im Vorfeld abgesprochen. Begrüßung der Gäste, Vorstellung der Songs und Small-Talk während des Konzerts unterlagen dem Zufall. Das Konzept gab den Liedermachern recht, „Just for Fun“ hat funktioniert: Das Trio schenkte seinem Publikum eine unterhaltsame Blues-, Romantik- und Countrymusik-Stunde mit Charme.

Ungewohnter Dialog mit Publikum

Obwohl er sie nicht sah, begrüßte Sommer die Zuschauer persönlich wie auf einer Bühne. Er las die Facebook-Chats auf dem Smartphone direkt vor sich und antwortete. „Servus Roland, schön dass du da bist“, hieß es, „Hallo in der Schweiz“ oder „Jetzt klatscht und singt alle mit“. Kurze Pause. Stefan lacht: „Schön habt ihr gesungen. Das habe ich jetzt beinahe echt gehört.“ Lovesongs wechselten sich mit melancholischen Songs über Gott und die Welt oder vertonter Urlaubserinnerung ab.

Günther Lehrers Beiträge erlaubten dem Frontmann kurze Verschnaufpausen für die Stimme, die in den vergangenen Monaten wenig Training hatte. Wenn auch die Kultur Corona nicht mehr ausklammern kann, verzichtete Sommer auf einen "Corona-Blues" bewusst. "Davon haben wir genug. Das will keiner hören."

100 Anmeldungen, 35 Zuschauer

Nach zehn Songs gab es zwei Zugaben. Ein Wunsch der Zuschauer. Immerhin haben von 100 angemeldeten Gästen 35 zugesehen. Den drei Musikern war's Publikum genug. Sommer erzählt von der Aufregung vor dem Konzert, weil endlich wieder etwas los war. „Wir waren am Sonntag immer noch völlig gefesselt vor Freude.“

Ein echtes Bühnenkonzert mit der Band könne der virtuelle Wohnzimmerabend natürlich nie ersetzen, fügt er an. Aber es sei eine Alternative gegen das Nichts-Tun, sagt Sommer und hofft für dieses Jahr auf wenigstens ein, zwei Auftritte mit „Bite the Beagle“.

Interaktive Straßenmusik

„Wir leben noch! Wie es ist, ist es. Wir müssen weitermachen“, appelliert er an andere Kunstschaffende, nicht aufzugeben. Seine Musikerzukunft während der Krise sieht er mit interaktiver Straßenmusik. „Die Leute lassen sich damit gern abholen. In Weiden sind einmal viele Nachbarn spontan mit Stühlen gekommen und haben sich vor unsere Terrasse gesetzt, als wir spontan im Freien gespielt haben“, erzählt er.

„Wir leben noch! Wie es ist, ist es. Wir müssen weitermachen.“

Stefan Sommer, der an andere Kunstschaffende appelliert, nicht aufzugeben.

Kleine Kulturhighlights bieten, mehr wolle er momentan nicht, sagt der Musiker, der auf Sommerfesten auch schon vor ein paar Tausend Leuten gesungen hat. Interessierte können das erste Konzert auf Sommers Internetseite (www.stefansommer.net) nachholen. Wer mehr von dem Liedermacher hören möchte, kann Sommers erstes Album 2020 mit Titel „Southside Blues“ zudem auf Musik-Internetplattformen hören oder herunterladen.

Am digitalen Familienstammtisch in Waldsassen waren 24 Teilnehmer dabei

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