23.11.2018 - 09:22 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Das Märchen vom Kloster

Der aus Waldsassen stammende Peter Giesecke initiierte das Projekt: Eine Dokumentation über die Zisterzienserinnen-Abtei zeigt das BR-Fernsehen am 10. Dezember. Zuvor gibt es eine Vorpremiere – am 4. Dezember in der Kloster-Aula.

Die Dreharbeiten im Kloster.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

"Ist es ein Märchen? Vor 20 Jahren schien das Kloster Waldsassen rettungslos dem Verfall preisgegeben, nur noch wenige ältere Nonnen lebten in der baufälligen Abtei", heißt es im Pressetext des Bayerischen Fernsehens zu der Sendung. Dann der Verweis auf das Jahr 1995, als Laetitia Fech Äbtissin wurde - als weltweit jüngste im Zisterzienserorden. "Seitdem kämpft sie mit Kraft und Leidenschaft für den Erhalt des Klosters."

Gleich nach ihrem Amtsantritt hat sie mit der Sanierung der Abtei begonnen: der ersten seit dem Barock. Eine Herkulesaufgabe, für die sie mehr als 40 Millionen Euro auftreiben musste. Heute strahlen alle Räume des Klosters, vom Kapitelsaal bis zu den Zimmern der Schwestern.

Lebendigkeit strahlt

"Die Grundidee war es, ein Kloster vorzustellen, das im Gegensatz zu den so vielen von der Aufgabe bedrohten Abteien heute wieder lebendig ist und dessen Lebendigkeit auf die ganze Region ausstrahlt", so Peter Giesecke, Leiter der Redaktion "Hörspiel/Dokumentation/Medienkunst" beim BR gegenüber Oberpfalz-Medien auf Anfrage.

So zeigt der 45 Minuten lange Beitrag, für den Reinhard Kungel als Autor verantwortlich zeichnet, den Tagesablauf der Nonnen, die sich in der Klosterkirche fünf Mal am Tag zum Gebet treffen. "Das ehemalige Konversengebäude wurde vom bekannten Architektenbrüderpaar Brückner in ein florierendes Gästehaus verwandelt, eine Umweltstation ist im Klostergarten entstanden, ein kulturelles Begegnungszentrum errichtet worden, die Mädchenrealschule renoviert", heißt es im Pressetext weiter. Auch der Hinweis auf das aktuelle Projekt ist mit enthalten: "Die ehemalige Brauerei wird in ein Wohnheim für Menschen mit Behinderung, Senioren und junge Familien verwandelt."

Aus eigener Kraft

Jetzt müssten sich die Zisterzienserinnen von Waldsassen der Herausforderung stellen, zukünftig ohne Fördergelder aus eigener Kraft zu überleben. "So wie es schon vor 900 Jahren einer der Ordensgründer, Bernhard von Clairvaux, von jedem einzelnen Kloster verlangt hat." Unterstützung findet Äbtissin Laetitia dabei mittlerweile bei etlichen jungen Schwestern, die sich dem Konvent angeschlossen haben. Schwester Sophia kümmert sich darum, dass im Gästehaus alles läuft, Schwester Hanna Maria ist, seitdem sie ihr Theologiestudium abgeschlossen hat, für die Umweltstation verantwortlich und Schwester Raphaela unterrichtet Theologie und Sport an der Mädchenrealschule. "Und so klingt es fast wie ein Märchen, dass gegen das Sterben so vieler alter Klöster die Abtei in Waldsassen wieder eine Überlebenschance hat."

Der Film wolle einen Blick hinter die Klostermauern werfen, um das Leben in einer faszinierenden Abtei zu entdecken, die heute wie einst vor Jahrhunderten wieder eine ganze Region prägt. Infokasten

Schwester Hanna Maria.
Die Ordensschwestern auf dem Weg zum Gebet.
Der Konvent vorm Kloster Waldsassen
Das Kloster Waldsassen.
Infobox:

Vor dem Sendetermin des Films "Das Märchen vom Kloster" am 10. Dezember um 21 Uhr gibt es eine Vorpremiere in Waldsassen – am Dienstag, 4. Dezember, um 19 Uhr in der Aula des Klosters. Während der 45 Minuten werden das Kloster und die einzelnen Arbeitsbereiche porträtiert. Der Film entstand in Zusammenarbeit mit dem ORF. Die Verbindung zu den Nachbarn im Süden rührt daher, weil die Zisterzienserinnen-Abtei als einziges Kloster in Deutschland dem nationalen Verbund "Klösterreich" angehört. (pz)

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.