18.03.2019 - 17:31 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Mundraub-Tour durch den Klostergarten

Der Begriff ist negativ besetzt. Doch in der Umweltstation Waldsassen ist Mundraub zur Nachahmung empfohlen.

Im Naturerlebnisgarten des Klosters Waldsassen ist künftig Mundraub erlaubt - anlässlich des Modellprojekts 2019 mit vielen besonderen Aktionen, erklärte Johanna Härtl, die Leiterin der Geschäftsstelle der Stiftung Kultur- und Begegnungszentrum Abtei Waldsassen. .
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Darf ich Obst am Wegesrand ernten oder nicht? Solche Fragen sollen damit beantwortet werden. Dies erklärte Johanna Härtl beim Treffen des Kuratoriums der Stiftung Kultur- und Begegnungszentrum Abtei Waldsassen über das Modellprojekt 2019.

Die Leiterin der Geschäftsstelle gab in der Aula des Klosters einen Ausblick auf die Saison. "Mit dem Modellprojekt möchte die Umweltstation sich nicht nur dem Thema Wildobst und Mundraub widmen, sondern auch der digitalen Welt einen gewissen Raum in der Umweltstation geben." So etwa werde eine Mundraub-Tour durch den Kloster- und Naturerlebnisgarten mit dem Einsatz von QR-Codes entwickelt.

Vergessene Sorten

In Waldsassen und im Kloster- und Naturerlebnisgarten werde zunächst der Ist-Zustand aufgenommen, wo bisher Wildobst zu finden ist. Daneben sollen Wildobsthecken und Wildobstbäume neu angelegt werden - auch längst vergessene Sorten wie Berberitze, Kornelkirsche oder Maulbeere, die noch fehlten. Zusätzlich wird dem Konzept zufolge ein Baustein "Wildobsthecke" für Schulklassen entwickelt. Es werden Veranstaltungen, Workshops und Vorträge rund um das Thema Wildobst angeboten, wie etwa "Der Walnussbaum in all seiner Vielfalt", "Wildfrüchte - aromatische Köstlichkeiten aus der Schatzkammer der Natur" oder der Kochkurs "Wildkräuter trifft Wildobst". "Wir möchten damit auch der Lebensmittelverschwendung entgegen wirken", so Johanna Härtl in ihrem Bericht.

Ein weiteres Modul wird die "lebendige Kamera" sein. Dabei wird ein neuer Baustein für Schulkassen ab der achten Klasse entwickelt. Die Kinder und Jugendlichen lernen an einem Vormittag lang mit einer Spiegelreflexkamera umzugehen und gleichzeitig sind sie in der Natur unterwegs. "Die Kinder und Jugendlichen sollen nicht mit der Einstellung ,Automatik' fotografieren, sondern nur mit der offenen Blende", so Johanna Härtl. Zur Sprache kam auch die verstärkte Einbindung von Senioren und das Thema Inklusion. "Da muss noch viel getan werden", sagte die Leiterin der Geschäftsstelle etwa im Hinblick auf Barrierefreiheit, die Beschaffenheit der Wege und die Notwendigkeit eines behindertengerechten Parkplatzes.

Lange vor Bürgerbegehren

Außerdem verwies Johanna Härtl auf die Initiative "bienenfreundliches Flächenmanagement". Sie war vor etwa zwei Jahren gestartet worden - vor dem Bürgerbegehren Artenvielfalt. Dabei soll in der Umweltstation eine Schau-Imkerei etabliert werden. In den Berichten aus den Arbeitskreisen ging es um die Verwirklichung eines "Waldsassener Zukunftstags" - eine Idee von Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl. Eine überregionale Bedeutung werde, wie es hieß, nur mit Alleinstellungsmerkmalen gelingen - dazu zählen ein Vortrag im Bibliothekssaal oder die Möglichkeit zur Teilnahme an den Stundengebeten der Ordensschwestern.

Infobox:

Die Enzyklika „Laudato si’ – Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ von Papst Franziska ist Vorbild: „Wie erhalten wir unser Haus für die nächsten Generationen“, skizzierte Äbtissin Laetitia Fech beim Treffen des Kuratoriums die Aufgaben im Hinblick auf die Zukunft des Klosters. Am „Denken und Planen“ sei man im Hinblick auf Gartenschulhaus und Orangerie. „Das Thema gewinnt Brisanz“, so Kuratoriumsmitglied Toni Hinterdobler über den Titel der Enzyklika: Das Ökologiebewusstsein könne vor Ort genutzt und heruntergebrochen werden auf Einflussmöglichkeiten des Einzelnen. (pz)

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