Peter Breuer und seine Familie haben aus dem Schandfleck Gärtnerhaus an der Brauhausstraße ein schmuckes Objekt gemacht. Aber mittlerweile bereut er den Kauf und die Sanierung des Anwesens. Zwar gab es aus einigen Töpfen Fördergelder, allerdings nicht die erhofften 50 000 Euro vom Landesamt für Denkmalpflege (LfD). Für Breuer ist das komplett unverständlich. Denn ein Großteil der zusätzlichen Kosten sei entstanden, da der Denkmalschutz entsprechende Vorgaben gemacht habe. Anfänglich war er von 400 000 Euro Selbstbeteiligung ausgegangen, mittlerweile sind es über 700 000 Euro.
Briefwechsel nicht bekannt
Nach einem ersten Artikel im "Neuen Tag" ("Kein Cent vom Denkmalamt") über diesen Fall legte Breuer Fachaufsichtsbeschwerde gegen zwei Mitarbeiter des Denkmalamts ein. Generalkonservator Professor Mathias Pfeil antwortete, dass er kein Fehlverhalten seiner Mitarbeiter erkennen könne. Er monierte aber unter anderem, dass es keine weiteren Abstimmungstermine mit dem Architekten gab und schreibt von Versäumnissen des Planerteams. Daraufhin bilanzierte Breuer: Er müsse nun davon ausgehen, "dass es sich bei den vorliegenden Problemen ausschließlich um Fehlverhalten des Architekten handelt." Der Bauherr fühle sich falsch beraten.
Dieser Vorgang wurde in einem zweiten Artikel ("Nachbohren beim Denkmalamt") Ende April aufgegriffen. Daraufhin hat sich Planer Josef Weber zu Wort gemeldet: Der Briefwechsel zwischen Breuer und Pfeil sei ihm bis zum Erscheinen des zweiten Artikels nicht bekannt gewesen. "Es ist für mich etwas befremdlich, über einen Sachverhalt, in dem ich benannt bin, so zu erfahren. Das habe ich dem Bauherrn auch so gesagt", erklärt der Architekt. Daher wolle er zu den Vorgängen Stellung nehmen.
Das Objekt Gärtnerhaus sei aus seiner Sicht "intensiv mit dem Landesamt für Denkmalpflege innerhalb einer großen Runde am Landratsamt im Beisein von verschiedenen Stellen in allen Details abgestimmt und festgelegt worden". Dabei waren die Stadt Waldsassen, die Untere Denkmalschutzbehörde, das LfD, der Architekt und die Bauherrenschaft.
Weber verweist darauf, dass damals die Oberflächen von Böden, Wänden, Decken in Qualität und Materialwahl fixiert worden seien. Außerdem seien die Farbgebungen der Fassade, der Fliesen bis hin zum "dreifachen Anstrich mit Pinselstrich" bei den Fenstern besprochen und festgelegt worden.
Er könne von seiner Seite kein Fehlverhalten oder eine Bringschuld zur Abstimmung erkennen. "Dieser Vorwurf ist falsch." Mit Blick auf das Abstimmungsgespräch sagt Weber: "Man muss auch als Landesamt zu den Absprachen stehen." Zudem habe er mit dem LfD nach dem Gespräch am Landratsamt keinen einzigen offiziellen Termin auf der Baustelle des Gärtnerhauses gehabt. "Es sind auch keine Defizite im Laufe der Bauausführung vom LfD angesprochen worden."
Die ganzen Vorgänge "treffen aber meinen Grundnerv", holt Weber aus, der Leiter des Architekturbüros Ost 3 ist. Er selber bezeichnet sich als "leidenschaftlichen Denkmalpfleger". Er ist in diesem Bereich seit rund 20 Jahren unterwegs. Für den gebürtigen Neustädter steht fest: "Wir brauchen in der Oberpfalz ein Gefühl für unsere alte Bausubstanz." Es sei fatal, wenn Denkmäler und deren Sanierung infrage gestellt werden.
Aber man müsse sich fragen, woher diese Probleme rühren. "Warum werden Zusagen des LfD nicht eingehalten? Warum werden Festlegungen im Nachhinein infrage gestellt?", holt Weber aus. Als großes Problem sieht der Architekt die Unsicherheiten bei der Förderung. "Die Finanzierung muss eigentlich vorher stehen. Da ist es ärgerlich, wenn Gelder auf einmal nicht fließen."
Runder Tisch im Vorfeld
Ein Lösungsansatz wäre aus seiner Sicht, bei solchen Projekten im Vorfeld einen Runden Tisch einzuberufen. An diesem sollten mögliche Fördergelder-Geber sitzen, um abzustimmen, wie das Projekt finanziell zu stemmen ist. "Der Bauherr braucht Sicherheit." Ein positives Beispiel sei hier das Kloster Waldsassen. Dort werde sich kontinuierlich abgestimmt.
Zudem fordert Weber eine "Verlässlichkeit der handelnden Personen im Bereich der Denkmalpflege". In der nördlichen Oberpfalz stelle er dort immer wieder Defizite fest. Dadurch würde man Bauherren, die sich in der Denkmalpflege engagieren wollen, verunsichern. "Es ist immer wieder ein Bitten und Betteln. Das finde ich schon grenzwertig." In anderen Gebieten, beispielsweise Mittelfranken, laufe dies besser. "Dort ist man viel kooperativer." Wichtig sei, sich immer zu fragen, wie man den Bauherren besser beraten könne. Daher sein Vorschlag: Die Verantwortlichen sollten sich zusammensetzen und dieses Thema diskutieren.
Kein Verständnis für Landesamt
Für Bürgermeister Bernd Sommer ist es schade, dass das Landesamt für Denkmalpflege (LfD) die in die Behörde gesetzten Erwartungen nicht erfüllt hat. „Es sollte nicht sein, dass am Ende die Schwächsten kämpfen müssen.“ Für das Gärtnerhaus habe es vom LfD keinen Zuschuss gegeben, „weil zu wenig Geld im Topf war“. Wenn das Landesamt sich entscheide, eine solche Maßnahme nicht zu fördern, sollte es nicht die Anforderungen so hoch schrauben und Vorgaben für den Innen- und Außenbereich machen. Dies treibe nur die Kosten nach oben. „Dort aber, wo das LfD fördert, kann ein Denkmal in den Urzustand zugesetzt werden.“ Daher kann Bürgermeister Sommer die Rolle des Landesamt beim Gärtnerhaus nicht verstehen. (rti)















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