28.01.2020 - 10:36 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Rosen für starke Frauen in der Kommunalpolitik

Von wegen, keine Frauen in der Politik. Die Gruppe Vita im Frauenbund-Ortsverband stellte 18 Stadtratskandidatinnen aus drei Parteien vor, die sich mit Leidenschaft und Euphorie für ihre Heimatstadt einsetzen wollen.

Cordula Heinzl (rechts), Sabine Schiml, Marianne Gmeiner und Christine Eckert (von links) leiteten die Veranstaltung und stellten die Stadtratskanidatinnen aus CSU, SPD und Freie Wähler den Gästen vor.
von Ulla Britta BaumerProfil

Nein, es ist noch nicht Valentinstag. Die 18 Frauen, die sich am Montag im kleinen Jugendheimsaal vorstellten, haben sich die Rosen aus anderen Gründen verdient. Es sind Stadtratskandidatinnen von CSU, SPD und Freien Wählern. Sie nahmen auf Einladung der Frauenbund-Gruppe Vita die Gelegenheit wahr, sich und ihr Wahlprogramm öffentlich darzustellen.

Cordula Heinzl begrüßte die Gäste und dankte den Kandidatinnen für die Teilnahme. Was für ein großes Potenzial an politischen Frauen in der Klosterstadt auf Einsatz wartet, kristallisierte sich bei den persönlichen Vorstellungen heraus. Die Frauen outeten sich als engagierte Bürgerinnen, die ihre Heimatstadt lieben. Bei der Vorstellungsrunde beantworteten alle Fragen wie "Warum wollen Sie in die Politik gehen?" und "Warum setzen Sie sich für Waldsassen ein?" sowie die nur mit einem Wort zu beantwortende Frage "Wer bin ich?". Wenn auch zuerst belacht wegen der Forderung von nur einem Wort zur persönlichen Beschreibung, fanden die Kandidatinnen für sich passende Worte wie "positiv", "flexibel und ideenreich", "Multitasking", "lebensfroh" oder "Macherin" zur Kurzbeschreibung.

Von 23 bis 75

Was die Berufsgruppen angeht, decken die Kandidatinnen eine breite Palette ab - von Krankenschwester und Geschäftsfrau über Kindererzieherin, Rentnerin, Pflegekraft bis hin zu Polizeikommissarin im Praktikum. Ebenso vertreten waren alle Altersgruppen: Die jüngste Kandidatin stelle sich als 23-Jährige vor, die älteste ist 75 Jahre alt.

Als größtes Sorgenkind über Parteigrenzen hinweg nannten die Frauen die Aufrechterhaltung des noch vorhandenen Gesundheitswesens nach der Schließung des Krankenhauses. Als größte Forderung an die Politik, ebenfalls über Parteigrenzen hinweg, wollen sich die Kandidatinnen für eine endlich rasche Lösung der Verkehrssituation und die Schaffung von Wohnraum für junge Familien einsetzen.

Je nach gesellschaftlichem oder sozialem Engagement hat dennoch jede der 18 Frauen auch ganz persönliche Beweggründe für einen Stadtratssitz. Heike Suchanek (FW) sind zum Beispiel unter anderem die Vereine wichtig, womit sie vielen Mitstreiterinnen aus dem Herzen sprach. Sehr zur Erheiterung der Anwesenden verglich Suchanek die Notwendigkeit von Frauen in der Politik mit einem Hühnerstall. Da herrsche erst Harmonie, wenn sich die Hennen unter die Gockel mischen. Auch mit ihrer Kritik an den leeren Schaufenstern war sie nicht allein im Saal. Parteiübergreifend mit Frauenpower soll dem Ausbluten des Einzelhandels vehement entgegentreten werden.

Kreuzchen fürs eigene Geschlecht

Die 26-jährige Erzieherin Katja Bloßfeldt (CSU) war nur eine von vielen Kandidatinnen bei der Veranstaltung mit einem Plädoyer für mehr Kinder und junge Familien in Waldsassen. Carmen Zottmeier (FW) regte die Einführung einer Nachbarschaftshilfe an. Bettina Frost (SPD) möchte ein Familienzentrum voranbringen. Als bereits bestens versorgt mit Frauen stellte die SPD-Stadträtin und -kandidatin Monika Gerl ihren Ortsverein vor. "Da wünscht man sich diese Veranstaltung mehr für Männer", sagte sie lachend. Allgemein wurde bedauert, dass nachweislich bei Wahlen Frauen lieber Männer wählen. "Gönnt den Frauen ihr Engagement", bat Kreistagskandidatin Sabine Schiml darum, dem eigenen Geschlecht ein Kreuzchen zu geben.

Lebens- und liebenswert

"Das ist der Ort, der es wert ist, dass man seine Kraft hineinsteckt", lautet die Aussage von Jessica Hötzel (FW) auf die Frage zu ihrem Engagement. "Es gibt keinen Grund, von hier wegzugehen", formulierte es Susanne Seidl (FW). Damit brachten die beiden Frauen die Beweggründe aller Kandidatinnen auf den Punkt. Im Tenor wurde die Klosterstadt als liebens- und lebenswerte Kommune beschrieben, die sich in den vergangenen Jahren gemausert habe.

Cordula Heinzl dankte den Frauen für ihre aufschlussreichen Ausführungen, wobei neben der Sachlichkeit auch Humor und Emotionen nicht fehlten. Der Abend klang mit einer Ideensuche für eine lebenswerte Zukunft der Heimatstadt und mit einer Rose als Geschenk für die Kandidatinnen aus.

Cordula Heinzl (Zweite von rechts) begrüßte die Gäste und führte durch den Abend. Schade fand sie, dass nicht mehr Gäste zur Vorstellungsrunde der Stadtratskandidatinnen gekommen sind. Dabei vermisste sie vor allem mehr interessierte Waldsassener Bürgerinnen.
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