26.11.2019 - 17:58 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Ein rundum außergewöhnlicher Ort

Der Heiligen Dreifaltigkeit ist die Kappl bei Münchenreuth geweiht. Die Wallfahrtskirche bringt Besucher durch einen untypischen Grundriss und barocke Pracht zum Staunen. Rund um den Stolz des Stiftlandes kann auch viel Natur genossen werden.

von Ulla Britta BaumerProfil

Man schrieb das Jahr 1685, als in Münchenreuth bei Waldsassen eine außergewöhnliche Kirche gebaut werden sollte. Vier Jahre später, für dieses Jahrhundert eine außergewöhnliche Leistung, sahen die Gläubigen vor sich ein Gotteshaus, das von allen Seiten nahezu gleich ausschaut. Die drei Rundtürme mit den Zwiebeln sind - egal, von welcher Seite man sich der Dreifaltigkeitskirche Kappl nähert - immer gleich zu sehen. Denn dieses Gotteshaus ist ein Rundbau.

Eine Wallfahrtskirche ist entstanden, die - sprach man darüber - immer wieder mit "auch die, die aussieht wie eine russische Kirche" bezeichnet wurde und wird. 1689 war das herrliche Gotteshaus als Wallfahrtskirche fertig und ist seither der Stolz und die Zierde des Stiftlandes. Den Wallfahrtsort selbst gibt es bereits seit 1100, 1194 wurde die erste würdige Wallfahrtskirche dort errichtet.

Krankenheilung

Eine bezeugte Krankenheilung soll 1644 bei der "öd gelegenen Capell" für beträchtliches Aufsehen gesorgt haben, was ab 1645 zum Neubau führte. Auf dem Hochaltarbild der jetzigen Kappl ist dieses Kirchlein mit einem Ostturm dargestellt.

Der Münchenreuther Pfarrer Paul Eckhart entschloss sich zum Neubau. Mit Baumeister Georg Dientzenhofer aus Aibling/Oberbayern, der am Bau des Klosters Waldsassen führend mitwirkte, fand man den geeigneten Künstler. Die heutige Kappl wurde um die bestehende Kapelle herumgebaut. Als das Mittelgewölbe fertig war, riss man den Vorläufer ab.

1711 erst kam es zur feierlichen Weihe der Rundkirche durch den Regensburger Weihbischof Graf von Wartenberg. 1880 zerstörte ein Brand das Dach und das ursprüngliche Deckengemälde. Die heutigen drei Deckengemälde entstanden 1934 bis 1940 durch den Maler Professor Oskar Martin aus Amorbach. Die Kappl ist, wie der Name sagt, der Dreifaltigkeit gewidmet.

Förderverein

1973 gründeten die Gläubigen einen Förderverein. Bislang engagierte sich der Verein als stiller, aber treuer Wohltäter der Kappl. Zahlreiche Bau- und Sanierungsmaßnahmen gehen auf dessen Initiative zurück.

Die Dreifaltigkeitskirche ist zum Dreh- und Angelpunkt im Tourismus des Stiftlandes geworden. Urlauber und Busgesellschaften besuchen übers ganze Jahr hinweg den außergewöhnlichen Barockbau. Besondere Gottesdienste finden statt und viele Brautpaare wählen das runde Gotteshaus, um sich an diesem uralten Kraftort das Ja-Wort vor Gott zu geben.

Ein Muss unter den Stiftländern ist das traditionelle Kapplfest. Am Sonntag nach Pfingsten findet das große Kapplfest statt, an Christi Himmelfahrt das kleine. Wer den Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt besucht, erlebt ein Schauspiel. Nach einem Gebet fährt der auferstandene Heiland, der als Figur vor dem Hauptaltar aufgestellt wird, zum Lied "Lobet den Herrn" für alle sichtbar in den Himmel auf. Das ist kein Wunder: Pfarreihelfer ziehen die Figur an einem Seil zum Kirchengewölbe empor, wo sie diese durch eine Öffnung verschwinden lassen. Wer an diesem Festtag einen Sitzplatz ergattern will, muss rechtzeitig kommen.

Kappl-Kater

Es sind aber auch die kleinen Geschichten hinter den Kulissen, die sich die Leute von der Kappl erzählen. So gab es unter Pfarrer Rauscher einst einen Kater, der hinter dem Hauptaltar lebte, wo ihn der Pfarrer auch fütterte. Der samtige Vierbeiner schlich während der Gottesdienste zwischen den Beinen der Gläubigen umher. Dieser liebenswerte Streuner wurde viele Jahre als "Kappl-Katze" akzeptiert. Als der Pfarrer starb, verschwand auch der Kater von einem Tag auf den anderen für immer.

1989 feierte die Wallfahrtskirche zur Dreifaltigkeit ihren 300. Geburtstag. Aber ihr Alter sieht man ihr nicht an. Diese "russische" Kirche wird nie an Attraktivität verlieren. Sie ist ein Prachtbau, der keine Worte nötig hat.

Von November bis März ist die Kappl vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang geöffnet, sonst bis 18 Uhr. Für Gruppen besteht die Möglichkeit einer rund 30-minütigen Führung (Anmeldung unter Telefon 09632/502139 oder 09632/88160). Weitere Informationen gibt es unter anderem auf www.kapplkirche.de und www.waldsassen.de.

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