18.08.2021 - 10:23 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Sanierung der Aufbereitungsanlage bei Altmugl günstiger als Neubau

Die Qualität des Trinkwassers in Waldsassen ist gut. Dennoch muss in das Versorgungssystem investiert werden – eine Summe, für die sich mehrere Einfamilienhäuser bauen ließen. Tobias Tippmann erläuterte kürzlich die Einzelheiten.

Die gute Wasserqualität in Waldsassen unterstrich Tobias Tippmann bei seinem Vortrag. Dem Stadtratsgremium erläuterte der Technik-Chef der Abteilung Wasserleitung im Rathaus, warum die Aufbereitungsanlage erneuert werden muss.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

In der letzten Sitzung des Stadtrats vor der Sommerpause informierte Tobias Tippmann über die Planungen im Quellgebiet bei Altmugl in der Gemeinde Bad Neualbenreuth. Der Technische Leiter der Abteilung Wasserleitung im Rathaus präsentierte dem Gremium bei seinem Treffen in der Aula der Grundschule die Details der Erneuerung der Entsäuerungsanlage.

Für das Vorhaben sollen rund 2,8 Millionen Euro investiert werden, 50 Prozent davon fließen als Förderung. Der Zeitplan sieht die Ausschreibung der Maßnahme im Winter vor, den Baubeginn nächstes Jahr. Fertigstellung wäre dann im Jahr 2023.

Bereits mehrere Investitionen

"Im Quellgebiet ist schon viel passiert", verwies Tippmann auf mehrere Investitionen in der Vergangenheit. So waren etwa 2015/16 die Wasserkammern saniert und neu ausgekleidet worden. "Für den normalen Bürger ist das nicht existent und ganz weit weg", suchte Tippmann die große Bedeutung der Aktion mitten im Wald bei Altmugl zu verdeutlichen. Und dass Bürger eigentlich kaum wüssten, welch großer Aufwand nötig ist, damit das wertvolle Lebensmittel beim Aufdrehen des Wasserhahns auch wirklich fließt.

Mit seiner Präsentation schilderte der Wasser-Experte im Rathaus die Funktion der Anlage und warum diese nötig ist. "Die UV-Anlage läuft ständig", so Tippmann und erklärt, diese sei die einzige, die auch Strom benötigt. Weitere Hilfsmittel, damit das Quellwasser zum Waldsassener Trinkwasser wird, würden nicht gebraucht. "Alles funktioniert im freien Gefälle."

Gute Wasserqualität

Draußen im Wald müssen das Rohwasser aufbereitet und der pH-Wert angehoben werden. „Wir haben saures Quellwasser“, begründet Tippmann die Anforderung. Die UV-Anlage läuft zur Sicherheit, falls Keime im Trinkwasser auftreten. Die vorhandenen Kiesfilter aus Jurakorn müssen zur Reinigung regelmäßig gespült werden. Das anfallende Rückspülwasser muss nach den neuen Regelwerken gespeichert (neues Absetzbecken) und durch einen gedrosselten Ablauf in den Breitenmühlbach abgeleitet werden.

Derzeit können beim Rückspülvorgang die Spülwassermenge und -geschwindigkeit nicht gesteuert werden und dadurch kann es vorkommen, dass die Werte der Trinkwasserverordnung nicht eingehalten werden können. Deshalb haben das Wasserwirtschaftsamt sowie das Gesundheitsamt auch empfohlen, die Entsäuerungsanlage im Quellgebiet auf den neuesten Stand der Technik zu bringen.

Großen Wert legte Tippmann aber auf die Feststellung, dass „wir gutes Wasser haben“. Die Anlagen und das Trinkwasser würden regelmäßig geprüft. Bei dem Sanierungsprojekt könne die Entsäuerungsanlage auch gleich an das interne Prozessleitsystem der Wasserversorgung mit angebunden werden. Bislang sei hier keine Fernüberwachung möglich.

Sanierung günstiger

Tobias Tippmann informierte den Stadtrat auch über die Abwägung, anstelle der Sanierung gleich einen kompletten Neubau zu errichten. Bei einem Kostenvergleich hätten sich aber Erweiterung und Sanierung als die günstigere Variante herausgestellt. "Die Stromkosten wären beim Neubau höher, weil eine komplett neue Wasseraufbereitungstechnik zum Einsatz kommen würde", erklärte Tippmann. "Wir hätten immer Strom zur Wasseraufbereitung gebraucht", so der Fachmann und nannte auch gleich die Konsequenz bei Komplikationen mit der Energieversorgung: "Bei Stromausfall kein Wasser."

Außerdem sei das bestehende Gebäude in gutem Zustand und erst erneuert worden. "Wir hatten da schon ein bisserl Bauchweh", so Tippmann in Anbetracht der bereits erfolgten Investitionen. Tippmann wies auch darauf hin, dass die Stadt Waldsassen von der Stadt Cheb/Eger für die Maßnahme Grund benötigt – 1000 Quadratmeter für rund 5000 Euro. Bei der Erweiterung werden zwei zusätzliche Wasserkammern mit jeweils 55 Kubikmetern Fassungsvermögen mit der dazu nötigen Technik gebaut.

27 Liter pro Sekunde

"Wassermäßig sind wir gut versorgt", äußerte sich Tippmann über die Reserven bei der Trinkwasserversorgung. Dies sei auch auf die Niederschläge in den vergangenen Monaten zurückzuführen. Die Quellschüttung bezifferte Tippmann auf 27 Liter pro Sekunde. Darin noch nicht enthalten seien die Tiefbrunnen, die als Reserve zur Verfügung stehen.

In der Fragerunde wollte Hubert Rosner (SPD) wissen, bis wann die Ausgaben wieder refinanziert sind und erkundigte sich konkret danach, wie sich die Investition auf den Wasserpreis auswirkt. "Wir müssen kostenrechnend arbeiten", informierte Stadtbaumeister Hubert Siller und fügte hinzu, dass derartige Maßnahmen über einen sehr langen Zeitraum abzuschreiben sind, bis zu 50 Jahre könne dies dauern.

Veränderung im Cent-Bereich

Weil in dieser Zeit wieder andere Maßnahmen aus den vergangenen Jahren abfinanziert seien, seien deshalb keine genauen Angaben möglich. Der Wasserpreis werde deswegen aber nicht explodieren, hieß es. Die Veränderung des Wasserpreises durch die nun bevorstehende Maßnahme werde wohl im Cent-Bereich liegen. Bernd Sommer äußerte sich zur Höhe der Investition an sich. "Ich dachte, das wird ein luxuriöses Einfamilienhaus sein", so der Bürgermeister über den Gegenwert. "Aber jetzt wird es eine Villa."

Auf Nachfrage von Karlheinz Hoyer (CSU), ob das Haus nicht insgesamt renoviert und eine Schlafgelegenheit eingerichtet werden könnte, antwortete Bürgermeister Sommer, dass Aufenthalt- und Schlafräume in dem Gebäude im Wald bei Altmugl nicht vorgesehen seien. Schließlich regte Hoyer noch eine Besichtigungstour dorthin an – vor allem für die jüngeren Mitglieder im Stadtratsgremium.

In der Vergangenheit hat die Stadt Waldsassen neue Funk-Wasserzähler angeschafft

Waldsassen
Eingerahmt von stattlichen Bäumen ist die Entsäuerungsanlage der Waldsassener Wasserversorgung im Wald bei Altmugl.
Blick über einen Teil des weitläufigen Quellgebiets bei Altmugl.

"Ich dachte, das wird ein luxuriöses Einfamilienhaus sein. Aber jetzt wird es eine Villa."

Bürgermeister Bernd Sommer über die Höhe der Investition im Wald bei Altmugl

Bürgermeister Bernd Sommer über die Höhe der Investition im Wald bei Altmugl

"Die Stromkosten wären beim Neubau höher, weil eine komplett neue Wasseraufbereitungstechnik zum Einsatz kommen würde."

Tobias Tippmann

Tobias Tippmann

 

 

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