05.11.2020 - 11:52 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Sanierung des Mitterhofs bei Waldsassen: "Genussrechte" für private Unterstützer

Wie lässt sich das historische Anwesen Mitterhof bei Waldsassen retten? In einer mehrjährigen Entwicklungsphase hat die Unternehmerfamilie Frank gemeinsam mit der Stadt und verschiedenen Behörden eine aussichtsreiche Lösung ausgearbeitet.

Die Heimatunternehmer Kerstin und Matthias Frank in ihrem Hofcafé. Die Remise des früheren Klosterguts Mitterhof soll mit Unterstützung der Städtebauförderung saniert werden.
von Autor AWOProfil

Der Mitterhof, der einstige Selbstversorgerhof des Klosters Waldsassen aus dem 17. Jahrhundert, wird als denkmalgeschütztes Anwesen erhalten. Die Regierung der Oberpfalz hat einer Pressemitteilung zufolge die Sanierung aus Mitteln der Städtebauförderung in Aussicht gestellt. Die Stadt Waldsassen hat bereits einen Beschluss über eine kommunale Beteiligung gefasst, auch weitere Fördergeber sollen ins Boot geholt werden. Teil der Pläne ist auch die Ausgabe von "Genussrechten" an private Unterstützer.

Unermüdliches Engagement

Dass der eindrucksvolle Vierseithof saniert werden kann, ist vor allem dem unermüdlichen Engagement und dem Mut von Matthias Frank und seiner Familie zu verdanken. In einer mehrjährigen Entwicklungsphase hat die Familie gemeinsam mit der Stadt Waldsassen, verschiedenen Behörden wie dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, dem Landesamt für Denkmalpflege, der Regierung der Oberpfalz und dem Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz, eine aussichtsreiche Lösung entwickelt. Nun geht es um die konkrete Planung und die Umsetzung des Sanierungsvorhabens.

Das Anwesen war einst als Selbstversorgerbetrieb des Zisterzienserinnenklosters Waldsassen flächenmäßig mit 180 Hektar das größte seiner Art in der nördlichen Oberpfalz. Nachdem die Schwestern das Anwesen aufgegeben hatten, verkam der Hof in den folgenden Jahren der Verpachtung zusehends.

Hof wäre wohl verfallen

"Jahrelang habe ich wehmütig beobachtet, wie der Mitterhof verfällt, bis die Idee kam, dort wieder Landwirtschaft zu betreiben", erklärt Heimatunternehmer Matthias Frank und er bekennt: "Erst mal kann er einem ja schon Angst machen, der Hof. Ich wollte es aber unbedingt probieren. Wenn wir nichts gemacht hätten, wäre er sicher verfallen." Die erste Hürde war genommen, als er seine Frau Kerstin von dem waghalsigen Abenteuer überzeugen konnte.

So entwickelte sich der Mitterhof zunächst zu einem Familienprojekt. Mit ihrem Gemeinschaftsgeist hat die Familie Frank das scheinbar Unmögliche möglich gemacht und dem Anwesen neues Leben eingehaucht. Dabei hatte sie es unter anderem mit einer Straußenzucht und einer Herde Mangalitza-Schweinen zu einem "Archehof" für vom Aussterben bedrohte Haustierrassen gemacht. Ein Hofcafé entwickelte sich zur begehrten Anlaufstelle für Spaziergänger und Wanderer. Hofführungen bereichern inzwischen das touristische Programm der Region.

Mit dem Sozialteam Weiden besteht seit mehreren Jahren eine Kooperation. Die Bewohner deren Einrichtung in Tirschenreuth bringen sich auf verschiedene Weise auf dem Mitterhof ein. "Soziale Landwirtschaft" lautet das Stichwort.

Mutiger Unternehmergeist

Dass über wenige Jahre ein Betrieb entstanden ist, von dem die Familie leben kann, war anfangs für viele undenkbar. Doch damit nicht genug: Denn das Projekt Mitterhof soll auch der Region insgesamt zugutekommen. Aber es war auch klar: Allein können es die Franks nicht schaffen. Der Umstand, dass der gesamte Gebäudekomplex unter Denkmalschutz steht, tat sein Übriges. Niemals hätte die Familie allein die Kosten für die Renovierung aufbringen können. So schien das Schicksal des Mitterhofs trotz aller bisheriger Anstrengungen besiegelt. Doch ein Aufgeben auf halbem Wege war ausgeschlossen.

Volle Unterstützung erhält das Vorhaben durch Waldsassens Bürgermeister Bernd Sommer: "Mich begeistern das Engagement und der mutige Unternehmergeist der Familie Frank." Daher haben Bürgermeister Sommer und Alfred Wolf von der Initiative Heimatunternehmen alle Hebel in Bewegung gesetzt, Fördermittelgeber ins Boot zu holen.

Restaurant in alter Remise

Um die ehrgeizigen Pläne der Familie umsetzen zu können, steht demnächst die Instandsetzung der denkmalgeschützten Gebäude an - eine echte Mammutaufgabe. In Kooperation mit Partnern soll, so der Plan, Gebäude für Gebäude im alten Glanz erstrahlen. Begonnen wird zunächst mit der alten Remise, in der ein rustikal anmutendes Restaurant entstehen soll.

Damit sind die ersten Weichen für die Umsetzung des Sanierungsprojekts gestellt. Nun beginnt die finale Phase, und es ist klar: Es braucht Bürger und Mitmacher, die bereit sind, beherzt und mutig wie die Familie Frank selbst in dieses historische Anwesen zu investieren. Hierfür ist die Ausgabe von Genussrechten geplant. Die konkrete Ausgestaltung wird demnächst in Angriff genommen.

Heimatunternehmen sind auch in Terschnitz in der Gemeinde Leonberg aktiv

Terschnitz bei Leonberg

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