12.03.2019 - 16:54 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Ein Schmuckstück aus Wachs

So wird aus einer schlichten weißen Kerze eine individuelle und ewige Erinnerung an die Kommunion: Die Designerin Maria Heinrich hat die Tipps zum Selbermachen.

Maria Heinrich (im Bild mit Sohn Gabriel) ist Künstlerin und Kerzendesignerin.
von Ulla Britta BaumerProfil

(ubb) "ArteMaria" ist ein schöner Name, hinter dem eine ebenso schöne Idee steckt: Wie der Name schon sagt, ist eine Maria daran beteiligt. Sie heißt Maria Heinrich, ist 42 Jahre alt und Designerin. Nicht irgendeine. Maria Heinrich stellt Designerkerzen her. Begehrt sind von ihr vor allem die Tauf- und Kommunionkerzen, die es auch als Zubehör-Sets zum Selbstbasteln gibt.

Eltern, Pfarrer und Gemeindereferenten oder Lehrer können ihre Bastelanleitungen verwenden, um mit den Kindern individuelle, kunstvolle Kommunionkerzen zu gestalten. In der OWZ gibt die Designerin Tipps, wie die Kerze zu einem wahren Kunstwerk wird.

Weiche Unterlage

Regel Nummer 1: Die Kerze muss auf einer weichen Unterlage liegen und dort vor dem Wegrollen gesichert werden. Nur wenn beide Hände frei sind zum Arbeiten, können die dünnen Dekor-Wachse für das Kerzen-Motiv entsprechend aufgetragen werden. "Als Unterlage kann ein zu einem U zusammengerolltes Handtuch, ein Kirschkern- oder Leinsamenkissen dienen, das mit einem fusselfreien, weichen Tuch abgedeckt wird", rät Maria Heinrich.

Regel Nummer 2: Hand- und Armschmuck sollte abgenommen werden. Auch Reißverschlüsse, zum Beispiel am Pulli, sollten besser vermieden werden. "Das Wachs ist sehr empfindlich", erklärt Maria Heinrich. "Und wer in seine Kerze oder die weichen Wachsverzierteile einen Kratzer macht, bringt ihn nie mehr raus." Asymmetrische, lebendige Dekorelemente seien für Hobbybastler besser geeignet als geometrische Motive, rät Maria Heinrich. "Organische, weiche Formen verzeihen Fehler." Bei exakt geradlinig aufgebauten Mustern sieht man jeden Fehler - auch wenn sie auf den ersten Blick leichter umsetzbar aussehen.

Raumtemperatur

Kerze und Deko sollten Raumtemperatur haben. Zum Bearbeiten reicht meist die normale Handwärme aus. Die Kerze sollte für die Arbeiten in die Kuhle des Handtuchs oder Kissens gelegt werden.

Nun geht es los: Vor dem Basteln sollte man sich alles übersichtlich zurechtlegen, zudem muss sich der Bastler überlegen und ausmessen, wie groß die einzelnen Wachsteile werden sollen. "Erst dann alles genau zuschneiden", sagt die Expertin. Ein ordentlicher Zuschnitt erleichtere das Arbeiten und das Ergebnis werde sauber. "Auf der Kerze selbst sollte man nicht herumschnibbeln."

Markierungen

Ohne viel Druck werden nun mit einem dünnen Bastelskalpell die Markierungen für die Platzierung der Verzierteile am Kerzenrohling angeritzt. Größere Wachsteile können bei Bedarf mit einem Föhn leicht erwärmt werden (auf niedrigster Wärmestufe!). Die Verzierungen können nun auf die markierte Stelle gelegt und von der Mitte her angedrückt werden.

Vorsichtig kleben

Ein weiterer Tipp von Maria Heinrich: "Niemals zu fest drücken." Alles sollte ganz vorsichtig angeklebt werden. "Den Vorgang lieber wiederholen." Sonst könne sich das dünne Wachs leicht verformen. "Und das kann man kaum mehr ausbessern." Auch sollte man darauf achten, dass man die Fingernägel nicht ins Wachs drücke.

Zuletzt wird die Beschriftung angebracht. Am besten seien für Anfänger Sticker geeignet. Nach Geschmack kann die Kerze dann noch mit kleinen Ornamenten verziert werden.

Hintergrund:

Berufung ist zum Beruf geworden

Waldsassen. (ubb) Wer Maria Heinrich besucht, „stolpert“ zwangsläufig über ihr Talent. In ihrer Wohnung hängen farbenfrohe Gemälde. Jedes hat sie selbst gemalt und jedes ist ein echtes Kunstwerk. Maria Heinrich ist Künstlerin der Profi-Klasse: Die 42-jährige Mutter hat ihre Ausbildung an der Fachschule für Design in Selb als Staatlich geprüfte Dekorentwerferin gemacht. Einem Zufall ist es zu verdanken, dass ihr Talent als Kerzendesignerin nun auch über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt ist. Maria Heinrich gestaltete 2009 – wie drei Jahre zuvor für ihre Tochter – die Taufkerze für ihren Sohn. Eine 08/15-Kerze von der Stange sollten ihre Kinder nicht bekommen. Eine Freundin ließ ihren Sohn am gleichen Tag taufen und wollte spontan auch eine individuelle Taufkerze. Der Bastelladen hatte aber schon geschlossen und ein paar Stunden später war die Taufe. „Ich hatte nur noch Wachsreste. Also habe ich aus den winzigen Restteilchen ein Mosaik-Kreuz gelegt“, erzählt sie. Die Stücke aus ihrer Manufaktur „ArteMaria“ findet man inzwischen in halb Europa. Dabei stemmt Maria Heinrich jede Herausforderung selbst – sprichwörtlich. Zum Beispiel wenn sich ihre „Aufgabe“ in einer Größenordnung von 100 mal 10 Zentimeter und einem Gewicht von sieben Kilogramm als eine der größten Kerzen überhaupt entpuppt. Die Osterkerze für die Stadtpfarrkirche St. Sebastian in Waldershof ist eine derartige Wucht – und sucht ihresgleichen. Pfarrer Bernd Philipp hat sie bestellt. „Die Waldershofer haben vergangenes Jahr schon ganz tolle Kommunionkerzen mit meinem Design selbst gestaltet. Und Pfarrer Philipp wird es heuer wieder machen“, freut sich Maria Heinrich, dass sich auch jemand aus der Heimat ihr Talent zunutze macht. Damit weitere Erstkommunionkinder schöne Designerkerzen „Made im Stiftland“ gestalten können, bietet Maria Heinrich Pfarreien Kerzennachmittage oder Probebasteln an. „Jedes Bastelset wird von mir kindgerecht entworfen. Deshalb kommt am Ende auch was G’scheits raus und jedes Kind ist stolz auf seine Kerze.“ Maria Heinrich beliefert inzwischen viele Großkunden wie zwei Kirchenbedarfshandel in Regensburg und München sowie das Bonifatiuswerk in Paderborn. Ihre Kerzen leuchteten in Österreich, Tschechien, Polen, Dänemark, in der Schweiz, Italien, Niederlande, Norwegen, Brasilien, Kanada und Japan. Und über 13 000 verkaufte Exemplare sind kein Pappenstiel. So macht man seine Berufung zum Beruf: Aufgrund der hohen Nachfrage hat Maria Heinrich nun eine kleine Kerzen-Manufaktur mit drei Mitarbeiterinnen.

Mehr Informationen auf www.arte-maria.de.

Ein wenig Fingerspitzengefühl ist natürlich erforderlich, um die dünnen Wachs-Elemente auf der weißen Kerze anzubringen.
Fertig: Maria Heinrichs Sohn Gabriel ist stolz auf seine selbst gemachte Kerze.
Moderne Motive sucht Maria Heinrich für ihre Kerzen aus.
Mit dem entsprechenden Zubehör, ein wenig Geduld und eigenen Ideen für das Motiv kann jeder seine Kerze gestalten, verspricht Maria Heinrich. Der Kreativität seien keine Grenzen gesetzt.
Maria Heinrichs Lieblingsmotiv, das sie für ihre Großmutter designt hat: Die goldene Kugel ist dem goldenen Tabernakel in der Basilika Waldsassen nachempfunden.
Diese prachtvolle, große Osterkerze leuchtet bald in einem Gotteshaus in Österreich.
Maria Heinrich lebt ihre Kreativität auch gerne an alten Möbelstücken aus.
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