03.05.2019 - 12:26 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Schweißtreibendes Kulturerbe

"Türöffner" im politischen Berlin will MdB Uli Grötsch sein. Denn die traditionelle Flachglas-Fertigung in der Manufaktur Lamberts in Waldsassen soll es auch in 100 Jahren noch geben.

Der mit Lamberts-Glas künstlerisch gestaltete Container ist ein Blickfang auf dem Gelände der Glashütte. Von links Prokurist Christian Bayerl, MdB Uli Grötsch, Prokurist Robert Christ und Geschäftsführer Rainer Schmitt. Bild: pz
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Der SPD-Bundestagsabgeordnete erfährt bei einem Besuch in der Glashütte Lamberts von den Problemen, mit denen der Traditionsbetrieb zu kämpfen hat. "Das ist ja alles nicht leicht", erklärt Rainer Schmitt. Der Geschäftsführer ist froh darüber, dass er mit Uli Grötsch eine Art Verbündeten hinter sich und den 70 Mitarbeitern weiß. "Wir versuchen in der Politik Unterstützung zu finden für das, was wir tun." Dass es sich bei der Arbeit der Glasmacher um ein Kulturerbe handelt, kommt bei dem Treffen immer wieder auf den Tisch.

Fachkräftemangel

Ein großes Thema ist das Personal. "Wir müssen schauen, dass wir Nachwuchs bekommen", erklärt Schmitt und weist darauf hin, dass die Leute in der Glashütte eigentlich ganz gut verdienten. "Man hat ein gutes Auskommen." Die Zukunftsaussichten seien gut. Dabei unterstreicht Schmitt, dass Fachkräftemangel im Handwerk die Glas-Manufaktur noch härter treffe.

"Uns geht's noch schlechter", sagt Schmitt und spricht von Knochenarbeit. "Der Schreiner hat Maschinen, wir haben keine. Bei uns ist der Körper die Maschine." Um halb Vier auf der Matte stehen müsse der junge Mitarbeiter. "Der plagt sich den ganzen Tagen mit den Zylindern, hat 20 bis 25 Kilo an der Pfeife und ist am heißen Ofen", beschreibt der Geschäftsführer, der Glas als seine Passion bezeichnet, die schweißtreibende Arbeit mit dem 1000 Grad heißen Material. "Wenn wir zehn Minuten vor dem Ofen stehen und uns die Brühe lauft, dann gehen wir halt wieder weg", so Schmitt über die Rolle von Besuchern.

Anspruchsvoll

"Das ist ein anspruchsvoller Job, aber er ist auch erfüllend", so Robert Christ. "Wo hast du denn die Möglichkeit, Glas zu blasen, das dann im Rockefeller-Center verbaut wird? Oder im Kölner Dom oder im Big Ben?", so der Prokurist über die Projekte, in denen Glas aus Waldsassen zum Einsatz kommt. "Das ist etwas anderes, als wenn du Schrauben verkaufst." Körperlich anspruchsvoll sei die Arbeit, aber auch vielfältig und mit viel Prestige verbunden. Besucher gingen durch die Hütte und schauten mit riesengroßen Augen den Glasbläsern zu. Und Rainer Schmitt ergänzt, dass renommierte Künstler mit Lamberts-Glas arbeiteten - etwa Gerhard Richter. "Es ist schon wichtig zu wissen, dass auch die ganz Großen mit unserem Glas unterwegs sind."

"Wir haben keine Lobby"

"Ich sehe meine Aufgabe darin, der Glashütte Türen zu öffnen", so MdB Grötsch. Das Bewusstsein für die Einzigartigkeit des Produkts schaffe die Manufaktur letztlich selbst. "Aber ich bin dann derjenige, der dann sagt: Schau' dir das mal an." Denn noch immer scheint es hier Nachholbedarf zu geben. "Wir haben keine Lobby. Wir suchen eine", sagt Schmitt. Noch immer wüssten viele Entscheider nichts von Glas aus Waldsassen. Beim Thema "Kunst am Bau" will das Lamberts-Team künftig mehr mitmischen, heißt es nach der Unterredung im historischen Firmengebäude an der Schützenstraße. "Wir haben über Baumaßnahmen gesprochen, bei denen 500.000 Euro mehr oder weniger relativ egal sind", verrät Grötsch.

Rainer Schnitt freut sich, dass die Verbindung zu MdB Grötsch weiterhin bestehen bleibt. Gut sei die Wiedereinführung des Meisters durch die Politik. "Das hat dann auch wieder mit unserer Ausbildung zu tun", so der Lamberts-Chef über die Fortschritte: Zusammen mit der Glasfachschule Zwiesel hat das Unternehmen erreicht, dass der Ausbildungsberuf "Glasmacher" etabliert werden kann. Eine Konkretisierung wünscht sich Schmitt bei Ausschreibungen hinsichtlich der Verwendung mundgeblasenen Flachglases. Grötsch verwies allerdings auf Interessen aus anderen Richtungen, die genau dieses verhinderten. "Aber es passiert nicht alles, was die Glashütte betrifft, im Parlament", so der MdB. Er könne etwa helfen, dass in Bundesämtern Wege geebnet werden für das Produkt in Waldsassen.

Dessen Stellenwert unterstreicht Robert Christ. "Wir müssen festhalten: Wir sind Kulturerbe." Es würden keine besonderen Vorteile beansprucht, man wolle aber Chancengleichheit. Entscheider sollten Lamberts-Glas und dessen Qualität kennen. "Die wissen gar nicht, dass es mundgeblasene Gläser noch gibt." Als Beispiel nennt Christ das Berliner Stadtschloss: Feinster Marmor sei dort verwendet worden, aber industriell gefertigtes Glas. "Die Entscheider wussten gar nicht von der Möglichkeit mundgeblasenen Glases."

Die Prokuristen Christian Bayerl und Robert Christ, MdB Uli Grötsch und Geschäftsführer Rainer Schmitt vor einem der Öfen in der Glashütte Lamberts.
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