26.08.2018 - 16:38 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Mit dem Smartphone auf Käferjagd

Buchdrucker und Kupferstecher lieben Fichten. Die einen die jungen, die anderen die ausgewachsenen Bäume, das Brot der Forstwirtschaft. Ist man nicht auf der Hut, kommt es zum Massenbefall. Im schlimmsten Fall sterben ganze Waldstücke ab.

Der Leiter des Forstbetriebs Waldsassen, Gerhard Schneider , muss nicht lange mit dem Messer unter der Fichtenborke suchen, bis er ein Käfernest entdeckt.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

(tr) Ist man nicht auf der Hut, kommt es zum Massenbefall. Im schlimmsten Fall sterben ganze Waldstücke ab. Der Leiter des Forstbetriebes Waldsassen, Gerhard Schneider, und sein Stellvertreter Florian Fischer beobachten die Entwicklung mit Sorgenfalten auf der Stirn. "Wir waren heuer in Nordbayern lange Zeit auf der Insel der Glücksseligen, aber die vergangenen zwei Wochen haben eine schlechte Prognose offenbart. Eine Gradation ist durchaus im Bereich des Möglichen", so Schneider. Gradation bedeute in diesem Fall, dass mehrere Käfergenerationen nacheinander auftreten. "Momentan sind 80 bis 90 Prozent des Holzeinschlags ausschließlich Käferbäume", sagt der Chef. Sein Stellvertreter glaubt, dass dies, bezogen auf den Gesamt-Jahreseinschlag, aber kaum eine Rolle spielen wird. Um die Käfer in Schach zu halten, sind in den Wäldern des Forstbetriebs Waldsassen kleine Trupps aus Waldarbeitern unterwegs und suchen nach den Übeltätern. Sind Bäume frisch befallen, findet sich Bohrmehl am Fuß der Stämme. Ganze Baumgruppen, die bereits dem Tod geweiht sind, sind durch ihre rotbraune Färbung im Gipfelbereich leicht auszumachen.

Schnelles Handeln

In beiden Fällen ist schnelles Handeln angesagt. Die Bäume müssen so schnell wie möglich aus dem Bestand heraus. Im Bereich Pressath erkundet aus diesem Grund derzeit die Bayerische Forstverwaltung Waldgebiete aus dem Flugzeug, um per fotografischer Auswertung Regionen zu lokalisieren, die stark vom Borkenkäfer befallen sind. "Das funktioniert gut", weiß Gerhard Schneider, der das vor etwa 15 Jahren in seinem Zuständigkeitsbereich im Rahmen eines Projektes schon einmal erlebt hat. Seither wurde das nicht mehr gemacht.

Unausgereift

Der große Vorteil dieser Methode sei, dass man nicht alle Gebiete abgehen müsse, um nach dem Bohrmehl Ausschau zu halten, das sich am Boden neben dem Stamm ansammelt, wenn der Käfer mit seiner tödlichen Arbeit beginnt. Jedenfalls sei diese Methode momentan im Staatswald des Forstbetriebs Waldsassen nicht vorgesehen. Schneider könnte sich auch Drohnen dafür vorstellen. Ein Revierleiter habe damit schon experimentiert. Aber das sei nicht ausgereift, der Aufwand zu groß gewesen.

Erstmals sind heuer die "Käfertrupps" mit einer App ausgestattet, in der die Käferfunde gespeichert werden. "ZE-Insekt" heißt das Miniprogramm, das jeder Forstmitarbeiter auf seinem Dienst-Smartphone installiert hat. Das ZE steht für Zufälliges Ereignis. "Wir kennen die kritischen Regionen, da schauen wir zuerst nach", erklärt Florian Fischer. In der App lässt sich der Fundort sehr genau abspeichern. Der Waldarbeiter vermerkt darin wie viele Bäume befallen sind und andere interessante Daten. In der Früh und am Abend werden die Ergebnisse synchronisiert und an die jeweiligen Revierleiter weitergegeben. Die landen dann in der Servicestelle in der Verwaltung bei Michael Pröls, der das weitere Vorgehen koordiniert. Er informiert die Unternehmer, mit denen der Betrieb zusammenarbeitet und die entnehmen im Idealfall die Bäume sofort und transportieren sie aus dem Bestand. Perfekt sei es, wenn sie gleich noch verkauft und ins Sägewerk gebracht werden könnten, so die Forstleute.

Bäume schälen und die Rinde verbrennen oder gar die gelagerten Stämme begiften, seien schon lange nicht mehr Usus, erläutern Scheider und Fischer.

Ein Fraßbild wie es im Buche steht. Davon hat der Buchdrucker seinen Namen, weil die Fraßgänge an ein aufgeschlagenes Buch erinnern.

"ZE-Insekt" heißt die App in der die Forst-Mitarbeiter direkt vor Ort die Käfernester eintragen können.

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