27.03.2019 - 17:13 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Therapie mit der Mistgabel

Auf dem Mitterhof gibt es regelmäßig ungewöhnliche Helfer im Stall. Der Griff zur Mistgabel ist für sie Teil einer Therapie. Doch es gibt noch viel weitreichendere Pläne für die Farm.

Berta Frank berichtete von ihren Erfahrungen mit Lamas und Alpakas als „Co-Therapeuten“. Die Strauße auf dem Mitterhof seien dazu nicht geeignet, denn sie könnten gefährlich werden.
von Redaktion ONETZProfil

Beim 13. Netzwerktreffen für das Projekt Soziale Landwirtschaft stellte die Straußenfarm Mitterhof ihr Konzept vor. Die Soziale Landwirtschaft ist ein wichtiges Thema auf der Straußenfarm. Hofherr Matthias Frank und seine Mutter Berta Frank zeigten den Besuchern, wie sie Therapiemöglichkeiten rund ums Tier in ihre Arbeit integrieren. Bei einem Rundgang erläuterte Frank seine Varianten bei der Einkommenskombination, die er mit seiner Familie seit mittlerweile fünf Jahren auf dem Hof anwendet. Neben Straußen beherbergt er auch Lamas, Alpakas, Kaninchen und zwei "Urschwein"-Rassen: das Rotbunte Husumer Sattelschwein und das Mangalitza-Wollschwein.

Wie die Idee zu diesem Projekt entstanden ist, lesen Sie hier.

Seit gut einem Jahr bekommen die Schweine jeden Freitag für etwa zwei Stunden Besuch. "Da kommt das Sozialteam aus Tirschenreuth mit einem voll beladenen Kleinbus zu uns", erzählt Frank. Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen bringen sich bei dem Projekt in die anfallenden Arbeiten ein. Sie misten zum Beispiel den Schweinestall aus. Das sei auf dem Hof gut möglich, da es dort keine Maschinen gebe und alles von Hand erledigt werde.

Die Idee für das soziale Projekt entstand mit Hilfe des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Über Kerstin Rose, die als Netzwerkerin und Beraterin der sozialen Landwirtschaft tätig ist, kamen die Franks in Kontakt mit dem Sozialteam in Weiden. Viele Arbeitsschritte später konnte das Vorhaben in die Tat umgesetzt werden.

Dass die Aufgaben den Menschen so viel Freude bereiten, fasziniert den Betriebsleiter noch immer. "Da hat uns zum Beispiel eine Frau besucht, die fast den ganzen Tag im Rollstuhl sitzt. Im Stall ging sie voller Tatendrang an die Arbeit: In der einen Hand die Krücke und in der anderen die Mistgabel", berichtet Frank. Die Tätigkeit könne zum Teil auch Ergotherapien ersetzen. Matthias Frank selbst kümmert sich während der Arbeiten um die Koordination und achtet darauf, dass "das Stroh auf dem Boden und das Heu in den Futtertrögen landet".

Kosten entstehen momentan für keinen der Beteiligten. Es gehe um den Mehrwert des Projekts, man profitiere von den Erlebnissen. Die wöchentlichen Stall-Ausflüge seien jedoch nur eine Zwischenlösung. Ziel sei es, auf dem Mitterhof dauerhaft eine Außenwohngruppe mit zehn Bewohnern und mehreren Betreuern anzusiedeln. Unter Beachtung der Denkmalschutzvorgaben soll dazu eines der Gebäude auf dem Gelände saniert werden.

Im Anschluss an die Hofbesichtigung mit Matthias Frank folgte ein Vortrag durch die Heilpraktikerin Berta Frank. Sie erläuterte, umgeben von ihren Tieren, wie sie ihre drei Lamas und sieben Alpakas zu Therapiezwecken nutzt. "Wir wollen den sozialen Gedanken des Klosters, zu dem der Hof früher gehörte, weitertragen", begründet Frank ihre Motivation für die sozialen Projekte. Durch ihre abgeschlossene Ausbildung zur Erlebnisbäuerin könne sie die Freude, die sie selbst an den Tieren hat, mit anderen Menschen teilen. Die Begegnung mit den "Co-Therapeuten", wie die Tierführerin ihre Schützlinge nennt, gebe einigen Menschen den Lebensmut zurück. Jedoch gibt sie zu bedenken, dass nicht jeder Patient auf diese Art der Therapie anspreche.

Für die Vierbeiner sei es dagegen ganz egal, ob es sich bei Besuchern um Familien, Schulklassen oder psychisch erkrankte Menschen handelt. Das bestätigte die Veranstalterin des Netzwerktreffens Irmgard Kuhn vom Fachzentrum für Diversifizierung und Strukturentwicklung am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Neumarkt. "Tiere sind unvoreingenommen, werten nicht und haben keine Erwartungen." Davon konnten sich die Zuhörer im Anschluss an den Vortrag bei einer Fütterung selbst überzeugen.

Begonnen hatte das Treffen mit Vorträgen. Dr. Gerhard Schad, Dozent im Fachbereich Sonderpädagogik der Universität Würzburg, und Waltraud Burger, Erlebnisbäuerin aus Weidenwang bei Berching informierten gut 40 Gäste über "Werkzeuge für ein erfolgreiches Miteinander". Anschließend sprach Michaela Weiß, Vorsitzende der "Sozialen Landwirtschaft", über Aufgaben, Aktivitäten und Veränderungen des Vereins. Unter den aufmerksamen Zuhörern waren auch stellvertretender Landrat Alfred Scheidler, Bürgermeister Bernd Sommer und Doris Eckl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Tirschenreuth

Das Netzwerktreffen fand schließlich im Hofcafé sein Ende, wo sich die interessierten Gäste bei Kaffee und Kuchen in einer Fragerunde austauschten. Laut Irmgard Kuhn ist das nächste Netzwerktreffen im Bereich Soziale Landwirtschaft am 20. November in Niederbayern geplant.

Matthias Frank informierte die Gäste inmitten seiner Tiere über die sozialen Projekte des Hofs.

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