02.09.2020 - 11:23 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Auf Tour mit Fiat-Oldtimer: Mit 23 PS über den Kapplberg

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Max Sommer aus Waldsassen war einst stolzer Besitzer eines kleinen Fiat. Mit dem fast 50 Jahre alten Vehikel ist heute seine Enkelin unterwegs, die Künstlerin Susanne Neumann. Sie führt ihren Oldtimer bei einer Ausfahrt vor.

Geschafft! Susanne Neumann ist mit ihrem auf Vordermann gebrachten Fiat 126 bereits mehrmals ausgefahren und hat dabei auch den Kapplberg bewältigt. Das Auto hatte ihr Opa Max Sommer im Jahr 1973 neu gekauft.
von Ulla Britta BaumerProfil

"Komm', steig ein! Wir fahren aus." Diese Aufforderung von Künstlerin Susanne Neumann zu einer Spritztour mit dem Auto wird zu einem kleinen Abenteuer. Susanne Neumann hat nämlich nichts mit schnellen und modernen Wagen am Hut. Lieber steigt sie in einen restaurierten Oldtimer: Es ist ein knapp 50 Jahre alter Fiat 126 mit 23 Pferdestärken.

Das Auto hat Susanne einst schon in den Kindergarten gebracht, gemeinsam mit anderen Kindern aus der Nachbarschaft. Am Steuer saß Susanne Neumanns Opa, Max Sommer. "Er hat sich den Fiat 1973 nagelneu in einem Autohaus in Marktredwitz gekauft. Meine Mama Berti hat ihn ausgesucht", erzählt Susanne Neumann.

Schrottauto als Ersatzteilspender

Ein anderer Max, der bereits verstorbene ehemalige Kreismusikschulleiter Max Schurrer, hat mehr oder weniger mitgeholfen, dass der Wagen noch immer fahrtüchtig ist. Denn Max Schnurrer besaß einen ähnlichen Fiat, der aber zuletzt nur noch Schrottwert hatte. Schnurrer hat ihn deshalb der Familie Neumann als Ersatzteilspender für die Restaurierung überlassen.

Prüfung mit Bravour absolviert

Jahre später holte Bruder Jürgen Neumann das Vehikel hin und wieder für eine Ausfahrt aus der Garage, doch irgendwann geriet der alte Fiat ein wenig in Vergessenheit. Susanne Neumann habe immer geplant, ihn einmal wieder richtig flott zu machen, wie sie berichtet. Aber es habe ihr lange die Zeit dazu gefehlt. Ein Bastler und Oldtimer-Kenner hat der Waldsassenerin schließlich geholfen, das Auto äußerlich wie innerlich wieder auf Vordermann zu bringen. Anfang Juli war dann Premiere: Der Fiat hat die TÜV-Prüfung mit Bravour hinter sich gebracht.

"Ich war total gespannt, ob er fährt und ob ich das überhaupt hinkriege", sagt Susanne über die Eingewöhnungsphase. Aber es hat geklappt. Einmal, erzählt sie lachend, sei sie sogar 100 km/h gefahren. "Aber das ist nicht gut für ihn, das lasse ich lieber bleiben." 80 km/h sind aber drin. Außer, er muss schnaufend den Kapplberg erklimmen - das geht natürlich nur deutlich langsamer.

Das ist nicht gut für ihn, das lasse ich lieber bleiben.

Susanne Neumann über eine Fahrt mit 100 km/h

Die Technik von damals ist kaum mehr vergleichbar mit dem Innenleben heutiger Autos. Umso mehr macht der Wagen seiner Besitzerin Spaß. Und auch der Sound ist ein Genuss für Oldtimer-Liebhaber. Doch bevor der Motor für die Ausfahrt ans Werk gehen kann, muss Susanne Neumann erst einmal einsteigen, was gar nicht so einfach ist. Denn das kleine Vehikel muss man regelrecht erklimmen. Und man sinkt nicht in einen weichen Autositz, sondern fühlt ein hartes, mit Stoff bezogenes Brett unter sich.

Ob er wohl anspringt?

Susanne verzieht beim Startvorgang ein wenig das Gesicht. "Hoffentlich springt er jetzt an", murmelt sie voller Konzentration. "Er springt nicht an" - dieser Spruch war damals vor gut 50 Jahren Normalität. Das Auto lässt Susanne aber diesmal nicht im Stich. Ziemlich laut für einen Winzling rattert und schnurrt es in Richtung Kappl. Für eine Unterhaltung während der Fahrt müssen die Insassen ihre Stimmen erheben, um sich gegenseitig zu hören.

Langsame Fahrten auf ebener Strecke sind für den Wagen kein Problem, doch je steiler es bergauf geht, umso schwieriger wird es. Dass der sonst so robuste Wagen am Kapplberg mit zwei Personen im Gepäck in die Knie geht, sei ihm verziehen.

"Viele winken, wenn sie mich mit dem Fiat sehen", berichtet Susanne Neumann freudig. Kein Wunder, der kleine Fiat ist ein echter Hingucker. Susanne winkt dann natürlich immer zurück - und bei gemütlichem Tempo kann man auch mal das eine oder andere Wort durchs offene Fenster wechseln. Und so wird eine Fahrt mit dem Fiat schnell zu einem besonderen Erlebnis.

Susanne Neumann ist federführend am Künstlerprojekt Badehaus Maiersreuth beteiligt

Maiersreuth bei Bad Neualbenreuth

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