13.07.2020 - 14:20 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Viele kleine Dinge verändern das Gesicht der Welt

Im Juni/Juli war ein Operationseinsatz in Tansania geplant. Der wurde wegen Corona bgesagt. Untätig geblieben ist Dr. Annemarie Schraml aus Waldsassen mit ihrem "Feuerkinder"-Team aber nicht. 20 Jahre besteht nun das Hilfsprojekt.

Daniel (zusammen mit Mama und Bruder) freut sich auf die nun anstehende Operation. Er war bei einem Hyänen-Angriff im Gesicht schwer verletzt worden.
von Externer BeitragProfil

"Die Aufgaben des Projektes haben sich aktuell erweitert und wir wollen im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützend tätig werden", erzählt Dr. Schraml aus Waldsassen aus Anlass des kleinen Jubiläums. Für viele Menschen, auch ehemalige Patienten, gehe es um Leben und Tod.

Die Corona-Schutzmaßnahmen im Land seien gravierend und lange anhaltend folgenschwer: Geschlossen wurden alle Schulen, Universitäten, Kindertagesstätten, Behinderteneinrichtungen; der Tourismus ist komplett ausgefallen. Die Bevölkerung leide unter Arbeitslosigkeit und der daraus resultierenden Armut.

Versorgung bedürftiger Familien

Die Orthopädin, die zuletzt von 2012 bis zu ihrem beruflichen Ausscheiden im Sommer 2018 Chefärztin der Abteilung Kinderorthopädische Chirurgie und Orthopädie an der Cnopf'schen Kinderklinik in Nürnberg war, verweist auf die Versorgung bedürftiger Familien in Tansania. Schraml zitiert ein afrikanisches Sprichwort, das sich wunderbar auf die Arbeit des Hilfsprojekts und die Unterstützung durch Spenden übertragen lässt: "Viele kleine Menschen, die an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht unserer Welt verändern."

Mit Unterstützung tansanischer Mitarbeiter und mit der Hilfe von Mona Behninger – sie ist deutsche Sozialpädagogin und Leiterin des SETU-Projektes (Special Education and Training Center) in Usa River – werden Lebensmittel (Reis, Mais, Zucker, Öl, Bohnen) verteilt, außerdem Wasserbehälter, Seife, Decken und Mund-Nase-Masken.

Gemüse und Früchte

Die Mitarbeiter des Usa River Reha Centers erhalten zum Teil Lohnausgleich. Seit 29. Juni sind die Schulen und Behinderteneinrichtungen wieder geöffnet. "Das bisher sehr einfache Essen der Schüler wird zukünftig durch finanzielle Unterstützung der Feuerkinder durch Gemüse und Früchte verbessert, um die Immunabwehr zu stärken."

Für Dr. Schraml ist es beeindruckend, "wie gerade geistig behinderte Kinder und Jugendliche sehr sorgfältig die regelmäßige Händedesinfektion und das Tragen und die Pflege der selbstgeschneiderten Mund-Nase-Masken durchführen".

Sehr erfreulich ist auch, dass die Klumpfußeinheit in Usa River eine Auszeichnung für die Fortsetzung der Behandlung der Klumpfußkinder auch während der Corona-Pandemie erhielt.

Hilfsfonds wird aufgestockt

Das Nkoaranga-Hospital erhält finanzielle Unterstützung für arme Patienten, die ihren Krankenhausaufenthalt nicht begleichen können. "Der schon bestehende Hilfsfonds wird aufgestockt", erklärt Dr. Schraml. Sie verweist außerdem auf finanzielle Hilfe für den Kauf von Medikamenten, Schutzkleidung und medizinischen Materialien.

Auch werden die Weiterbildungskosten für drei Mitarbeiter (Röntgen, Apotheke, Verwaltung) für das Bachelor- bzw. Masterstudium teilweise übernommen. Auch werden ehemalige Patienten wie Peter – nach einer Klumpfußoperation –und Joel – nach einem Löwenangriff – sowie mehrere in den vergangenen Jahren operierte Kinder aus armen Familien zur Fortsetzung ihrer Ausbildung unterstützt. Das vor zwei Jahren gebaute kleine Häuschen für Mama Daima und ihre Familie wurde mit einer kleinen Solaranlage versehen, damit die Tochter Upendo auch am Abend nähen und somit zum Unterhalt der Familie wesentlich betragen kann.

Schwer verletzt nach Hyänen-Angriff

Die Initiatorin des "Feuerkinder"-Hilfsprojekts berichtet von einem sehr dringenden Hilferuf: Pastor Temba aus Karatu kam nach Usa River und bat um Unterstützung für die plastische Operation eines 9-jährigen Jungen. Dieser hatte in seinem Heimatdorf einen Hyänenangriff überlebt, bei dem zwei Kinder getötet worden waren. Der Bub hatte aber sehr entstellende Verletzungen im Gesicht mit Verlust der Nase erlitten, die nun im "Kilimanjaro Christian Medical Centre" (KCMC) in Moshi in Tansania plastisch korrigiert werden sollten. Aber es fehlte am dazu notwendigen Geld.

Mittlerweile sind Sophia Moshi und Mona Behninger nach Karatu zur Familie von Daniel gefahren, um die finanzielle Unterstützung der Feuerkinder zu überbringen und die Situation der armen Familie konkret zu sehen. "Beide waren erschüttert, da sie unendlich große Not sahen, da auch der Vater Daniels mittlerweile verstorben war", beschreibt Dr. Schraml die Eindrücke der Frauen.

So wird die Familie zunächst für ein Jahr monatlich finanziell unterstützt, damit die Mutter von Daniel auch ein kleines Geschäft für den Verkauf von Eiern oder Gemüse aufbauen kann. Daniel bedankte sich sehr herzlich für die Hilfe, mit einem selbst gemalten Plakat.

Fr. Annemarie Schraml und ihr Team waren zuletzt im Februar in Tansania im Einsatz:

Tirschenreuth
Daniel, der bei einem Hyänen-Angriff im Gesicht schwer verletzt worden war, freut sich auf die nun anstehende Operation und bedankte sich mit einem selbst gemalten Plakat für die Unterstützung.
In der schwierigen Zeit hilft die Aktion "Feuerkinder" auch mit Lebensmitteln. Dorfhelfer Jonas, der seit einigen Jahren beim Hilfsprojekt arbeitet, stellt zusammen mit Karo die Pakete für bedürftige Familien zusammen.
Das Hilfsprojekt "Feuerkinder" unterstützt auch die Ausbildung von medizinischem Fachpersonal vor Ort. Diese junge Frau und die drei Männer helfen künftig nach Klumpfuß-Operationen beim Eingipsen.
Lebensmittel für eine Frau mit Kind.
Die Schüler in Usa River müssen die Mund-Nase-Bedeckungen regelmäßig waschen.
Infobox:

Spendenkonto der "Feuerkinder"-Aktion

Dr. Annemarie Schraml hat jetzt die erfreuliche Nachricht der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) erhalten: Das „Feuerkinder“-Projekt ist innerhalb der Initiative Klinikpartnerschaften des Entwicklungshilfeministeriums wieder als förderwürdig bewertet worden. Das weitere Vorgehen hängt von der Entwicklung der Corona-Pandemie ab. Es seien keine Reisen nach Tansania oder Besuche tansanischer Mitarbeiter des Nkoaranga-Krankenhauses in Deutschland möglich. Dr. Schraml ist dankbar, über die neuen Medien mit den Helfern in Tansania nahezu täglich kommunizieren und helfen zu können. Die „Feuerkinder“-Initiatorin bittet um Spenden, damit die Menschen in Tansania weiter unterstützt werden können: Projekt Feuerkinder, Evangelische Bank Kassel, BIC: GENODEF1EK1, IBAN: DE53 5206 0410 0103 5099 82.

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