17.05.2019 - 15:33 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Wahl zur Bierkönigin: Oberpfalz mischt Münchener Schickeria auf

Die neue bayerische Bierkönigin stammt aus Oberbayern. Für die gute Stimmung im Saal sorgen aber die zwei Finalistinnen aus der Region und ihre Fans. Überhaupt steht die Oberpfalz an diesem Abend oft im Mittelpunkt.

von Julian Trager Kontakt Profil

Und plötzlich dreht sich vorm Eingang zum Münchener Löwenbräukeller alles um die Quetschn aus Eslarn. Gerade ist die erste Oberpfälzer Gruppe singend angekommen, knapp 30 Leute aus dem Kreis Neustadt/WN, angeführt von einem Akkordeon. Zwei Asiaten bleiben stehen, lächeln, schießen Fotos. Zwei Männer, beide im Trachtenjanker, nicht zur Gruppe gehörend, aber kopfwackelnd, singen mit. Vor der Eingangstür warten zwei Kamerafrauen, auch sie halten drauf. Die Oberpfalz im Mittelpunkt. Im Festsaal war das ganz ähnlich.

Zum zehnten Mal hat am Donnerstagabend der bayerische Brauerbund seine Bierkönigin gekürt, zum ersten Mal im Löwenbräukeller. Der ist mit rund 500 Leuten randvoll besetzt. Viele Verbandsfunktionäre, viele Hoheiten: Die Hopfenkönigin, die Weinkönigin und mit Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) irgendwie auch die Königin des Parlaments. Daneben ein Teil der Münchener Schickeria - und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Bis auf den Freie-Wähler-Chef, der kurz vorher verschwindet, sehen sie alle, wie gegen 23.15 Uhr die 21-jährige Studentin Veronika Ettstaller aus Oberbayern zur bayerischen Bierkönigin gewählt wird.

Liebeserklärung an die Oberpfalz

Gute fünf Stunden zuvor. Johanna Seiler, zu dem Zeitpunkt noch amtierende Bierkönigin, blickt auf ihre Amtszeit zurück. Erzählt von weiten Reisen. China, Libanon, alles im Namen des bayerischen Bieres. Dann die Frage: "Was war das beeindruckendste Erlebnis?" Stille im Saal. Seiler beginnt zu sprechen: "Ich habe mich ein bisschen in die Oberpfalz verliebt", sagt sie und erinnert an ihre Besuche in Eslarn. Großer Jubel, Pfiffe, Schreie - die Eslarner Delegation, auf den hinteren Plätzen im Saal sitzend, springt auf, feiert. Vorne, auf den schickeren Plätzen, ziehen manche Besucher die Augenbrauen hoch, lächeln.

Dann, nachdem die "goldene Bieridee" für kreative Präsentationen von Bierspezialitäten verliehen worden ist, dürfen die sieben Kandidatinnen auf die Bühne. Einzeln werden sie vorgestellt, erst per Video, dann im Gespräch mit Moderator Roman Röll.

Jubel an den teuren Tischen

Lisa Wagner aus Eslarn beginnt. Die 23-Jährige grüßt ihre Fans und ganz besonders Georg Zierer, den mit 92 Jahren vielleicht ältesten aktiven Braumeister der Welt - der "heute extra mitgefahren ist, um mich auf der Bühne zu sehen". Wieder großer Jubel, die Quetschn ertönt, die Eslarner singen. Die ersten Sekunden des nächsten Videos sind nicht zu verstehen. Für die beste Stimmung im ganzen Saal sorgt aber Marina Schicker aus Waldsassen, die mit ihrer lockeren Art die größten Lacher abstaubt. Nicht nur ihre Fans hinten im Saal kreischen. Auch die feine Gesellschaft an den vorderen Tischen, die sonst nur verhalten applaudiert, pfeift und johlt. Ein älterer Mann in der zweiten Reihe ruft: "Die ist super! Bravo!" Und der auffallend oft auf sein Smartphone blickende Hubert Aiwanger? Starrt grinsend auf die Bühne, keine Sekunde aufs Handy.

Pause. Die Fans aus Waldsassen sind zufrieden mit ihrer Marina, aber auch noch ein bisschen verhalten - die 25-Jährige belegte bei der Online-Abstimmung nur den fünften Platz. An den Tischen der Eslarner ist die Stimmung weiter gut. Die Lisa? "Hat ihre Sache super gemacht", so die Meinung. Und die Waldsassenerin? "Die war schon guad." Einige trauen ihr gar den ganz großen Wurf zu.

57 Frauen haben sich für die diesjährige Wahl beworben. Bei der allerersten waren es knapp 100. Sinkt die Resonanz? "Die Teilnehmerzahl variiert von Jahr zu Jahr", sagt Heike Scharping vom Brauerbund. Einmal seien's mehr, einmal weniger. Der Aufwand dafür ist riesig. Zig Bedienungen und Anzugtragende Sicherheitsmänner, natürlich jede Menge Bier und ein Drei-Gänge-Menü - das nicht jedem Oberpfälzer schmeckt. "Eine Currywurst hätt's auch getan", sagt einer, der sich aber sowieso lieber aufs Trinken konzentriert als aufs Essen.

Buh-Rufe nach Fehler

Zweite Runde. Die Finalistinnen stellen ein Bier vor, danach beantworten sie Fragen der Jury. Wieder begeistert die Waldsassenerin Schicker, bei einer ihrer Antworten klopft sich einer der Musikanten auf der Bühne auf den Oberschenkel, prustet los. Dann aber ein großer Fehler - den allerdings Jurorin und Dirndl-Designerin Elisa Berzaghi-Freymann begeht. Sie bezeichnet Schicker als Oberfänkin. Sofort schallen Buh-Rufe durch den Saal.

Den Sieg holt sich nach den Abstimmungen der Jury und des Publikums trotzdem die Oberbayerin Ettstaller, die bereits nach der Online-Wahl vorne lag. Marina Schicker landet auf Rang drei, ganz knapp hinter der Zweitplatzierten. Sofort stürzen sich die Fotografen auf die ersten Drei. Im Hintergrund sitzt derweil Lisa Wagner, kein Lächeln. Bis ihre Kumpels aus Eslarn zur Bühne kommen. Einer ballt die Faust, der andere klatscht. Wagner grinst, geht zu ihren Freunden. Das erste, was sie sagt? "Ich brauch a Bier."

Marina Schicker auf dritten Platz

München
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