07.01.2020 - 15:08 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Waldsassen ist ein Glanzpunkt in Bayern

Zur schmissigen Rock 'n' Roll-Musik der Birner-Buddyboys wurde vereinzelt sogar getanzt. Der Neujahrsempfang am Abend des Dreikönigstags in der Aula des Klosters Waldsassen war aber noch für weitere Überraschungen gut.

von Paul Zrenner Kontakt Profil

Während der Ansprache von Bürgermeister Bernd Sommer wurden mehrere Aktive der Feuerwehr mit ihren Funkweckern zu einem Einsatz gerufen, Stadtpfarrer Thomas Vogl garnierte sein Grußwort mit dem Stück von Max Raabe mit dem Titel "Küssen kann man nicht alleine". Kurzweilig und unterhaltsam war der Abend zusammen mit vielen Gästen - allen voran Vertreter aus der Politik, der Wirtschaft und der Behörden. Zum Empfang in der, so Sommer, "Kloster und Kulturstadt Waldsassen, dem gemeinsamen Oberzentrum Waldsassen/Cheb, dem pulsierenden Herzen des Stiftlands" gekommen waren auch Gäste aus der Partnerstadt Chodov/CZ.

Den Auftakt durften traditionell die Sternsinger bestreiten, die gute Wünsche zum neuen Jahr brachten, nachdem sie zuvor am Eingang Spenden erbeten hatten. Bernd Sommer verzichtete auf eine lange namentliche Begrüßung und hielt seine Ansprache betont knapp. Ein Dank galt den Mitarbeitern der Verwaltung: Sie versorgten die Gäste mit Sekt und anderen Getränken. Bei den Ehrungen

Waldsassen

assistierte Stefanie Ernstberger.

Die vergangenen Jahrzehnte

Mehrmals ein Thema während des Abends war der Einstieg in eine neue Dekade: Für Bernd Sommer war es der Anlass für einen Rückblick auf vergleichbare Jahre in der Vergangenheit und auf die Ereignisse damals - 1990 die Insolvenz der Porzellanfabrik, der Fall des Eisernen Vorhangs und die Situation des Klosters. "Die Abtei Waldsassen stand kurz vor dem Einstürzen und die Stadt zeigte sich eher grau und depressiv als bunt und zuversichtlich." Ab 2000 dann die beginnende Aufwärts-Entwicklung.

Angekommen bei der Gegenwart stellte Sommer fest, dass das Aufblühen in der Tschechischen Republik sich auch im Stiftland bemerkbar macht. Außerdem erledige die Stadt Aufgaben, "die sonst keiner erledigt", so Sommer und nannte stellvertretend die Breitbandversorgung . "Die Stadt saniert zusammen mit Investoren herausragende Gebäude im Altstadtbereich und löst damit eine Trendwende aus", so Sommer: "Wohnen in der Altstadt und auf den Dörfern kommt in Mode." Der vorausgesagte starke Bevölkerungsrückgang sei gestoppt.

Goldene Zeiten

"Wenn wir jetzt keine großen Fehler machen, dann kann es doch nur eine Fortsetzung der Erfolge hier sein", so das Stadtoberhaupt in seinem Ausblick, wie die Bilanz 2030 aussehen könnte. "Also es besteht durchaus die begründete Hoffnung, dass wir von guten ,goldene' Zeiten sprechen, wenn einst mal zurückgeblickt wird."

2019 sei viel erreicht worden; aber es habe auch Rückschläge gegeben. Die akutstationäre Abteilung des Krankenhauses sei "schneller als befürchtet" stillgelegt worden, so Sommer und unterstrich erneut, dass dies nicht direkt zu beeinflussen war. Sommer hoffte, dass mit einer visionären Versorgungsform "wieder neues Leben in unserem Gesundheitszentrum einkehrt" und sich die medizinische Versorgung in Waldsassen verbessern lasse. "Es reicht nicht, wenn nur der Bürgermeister alles gestalten soll, wie manche fordern." Am Ende komme es darauf an, dass alle mitwirken. Ohne Kondrauer direkt zu nennen bedauerte der Bürgermeister, dass "Unternehmen wirtschaftlich gezwungen sind, ihren Standort in Waldsassen zu reduzieren oder ganz aufzugeben".

Dies sei nicht erfreulich. Doch jede Veränderung sei Verpflichtung, darauf einzugehen und neues zu generieren. Neue Unternehmer anzulocken sei aber schwierig, zumal in den Sozialen Medien vieles schlecht geredet werde, so Sommer. Er ließ dabei auch nicht unerwähnt, dass der Bürgermeister "eh an solchen Dingen immer als der Schuldige hingestellt wird".

Bernd Sommer erklärte, dass Mitleid, Sarkasmus oder schlaue Sprüche nicht helfen. "Anpacken ist angesagt." Generell beklagte Sommer, dass sich der öffentliche Diskurs sich mit aggressiven Parolen verschärft habe, die Leute sich polemisch und vulgär äußerten. "Wir können uns diesem Trend entgegenstellen", schlug Sommer den Bogen zur Kommunalwahl im März. Es brauche Menschen, die sich für ein politisches Ehrenamt einsetzen. "Und ich bin überzeugt, dass es ein sachlicher Wahlkampf werden wird, gerne hart aber immer fair." Dabei fragte Sommer: "Was wäre denn, wenn sich auch der Wähler daran orientieren könnte?"

Menschen, die sich für ein solches Amt zur Verfügung stellen, müssten nicht lächerlich gemacht, sprichwörtlich "durch den Kakao" gezogen werden. Sommer forderte die Gäste in der Klosteraula dazu auf, gegen herablassende Kommentare im Netz "aktiv und positiv" dagegen zu halten. "So könnte das menschliche Klima des Miteinanders und dem gegenseitigem Respekt im analogen Leben in Waldsassen auch das Niveau in den Sozialen Medien bestimmen."

Waldsassen

Und denen, der meine von der Couch aus alles besser machen zu können, lud Sommer ein, "die Ärmel hochzukrempeln, von der Couch aufzustehen und mitzumachen". Denn es laufe sehr gut in Waldsassen, sagte Sommer, der im Schnelldurchlauf die bei der Bürgerversammlung angekündigten Maßnahmen nannte. "Ein gutes Miteinander und ein Netzwerk mit vielen Menschen in wichtigen Schlüsselfunktionen ist notwendig, um auch weiterhin in hohem Tempo dem Wandel die richtigen Antworten entgegenzusetzen."

"Waldsassen ist ein Glanzpunkt in Bayern", so Sommer: Die Klosterstadt sei kulturelles Zentrum, des Stiftlands, Taktgeber für so manche Entwicklung im Landkreis und der Region. "Wir sind der Ort, der Lebensqualität bietet und auch wirtschaftlich stetig an Fahrt und Kraft gewinnt."

Im Blickpunkt:

"Lassen wir einander nicht alleine"

Für fetzige Rhythmen zwischen den Ansprachen sorgten die Birner-Buddyboys: Dominik "Hans Birner" Boll, Felix "Lugg Reed" Werner und Alexander "Muskel" Ernst lieferten großartige Rock 'n' Roll- und Popmusik. Damit schaffte es das Trio, dass der 24. Neujahrsempfang der Stadt Waldsassen der erste gewesen sein dürfte, bei dem auch manche Besucher ein Tänzchen wagten.Benedikts-Plaketten für die Besucher

Äbtissin Laetitia Fech, die mit dem Konvent des Klosters beim Empfang dabei war, sprach den Segen für das Jahr 2020 und verwies dabei auf das lateinische "benedicere" für "Gutes sagen" oder "segnen". Mit einem Spruch von Jörg Zink zum neuen Jahr wünscht die Ordensschwester, dass die Gäste beim Neujahrsempfang gesegnet seien und ein Segen für alle werden mögen. Daran erinnern sollen die Benedikts-Plaketten, die die Äbtissin im Anschluss unter den Besuchern des Neujahrsempfangs verteilen ließ."Lassen wir einander nicht alleine"

"Küssen kann man nicht alleine": Ein kurzer Ausschnitt aus dem Stück von Max Raabe, auch eine Erinnerung an die zuvor thematisierten "Goldenen Zwanziger", war im Grußwort von Stadtpfarrer Thomas Vogl für alle Besucher im Saal hörbar eingespielt worden. Der Liedtext, so der Pfarrer, solle anregen zum Nachdenken, was man noch nicht alleine kann, "... gerade hier in Waldsassen, wo das Miteinander von Kloster, Stadt und Kirchen groß geschrieben wird". Dabei nannte Pfarrer Vogl das Streiten, das Versöhnen und das Glauben.

Der Glaube solle das Fundament für ein gutes Miteinander sein. Menschen sollen erfahren und spüren, dass sie in einer guten Gemeinschaft der Kirche aufgehoben sind. "Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt", zitierte Pfarrer Vogl ein Bibelwort. Dies sollten sich die Menschen für das neue Jahr und für das neue Jahrzehnt vornehmen. "Lassen wir einander nicht alleine - nicht nur beim Küssen, sondern auch in Freude und Leid, im Gelingen und Scheitern, im Beginnen und Aufhören." Dann, so der Pfarrer, werden es menschliche Jahre sein, "weil uns Gott nie allein lässt".

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