24.01.2019 - 11:40 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Wegen Beziehung zu SPD-Politiker: CSU-Stadträtin legt Mandat nieder

Die Sache schwelt schon länger. Immer wieder Sticheleien und Anfeindungen. Doch jetzt, findet die CSU-Politikerin, ist es genug. Der Grund für den Ärger: Sie ist mit einem SPD-Politiker liiert.

Annette Spreitzer-Hochberger legt ihr Stadtratsmandat nieder. Anfeindungen aus den Reihen ihrer Fraktion wegen ihrer privaten Beziehung zu SPD-Stadtrat Robert Christ sind der Anlass.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Bei der Stadtratssitzung am Montag wird die CSU-Frau ihre Ehrenämter als Stadtratsmitglied und als Jugendbeauftragte niederlegen. "Ich habe mir drei Monate Gedanken darüber gemacht", sagt Annette Spreitzer-Hochberger über die nun getroffene Entscheidung. Sie erklärt im Gespräch mit Oberpfalz-Medien den Anlass ihres Rückzugs. "Ich spiele mit offenen Karten." Die Ursache geht weit hinein ins Private: Spreitzer-Hochberger ist verheiratet, hat sich von ihrem Ehemann getrennt und ist inzwischen mit Robert Christ zusammen. Er sitzt ebenfalls im Stadtrat - in der SPD-Fraktion.

Was sie davon halten, sollen einige wenige Mitglieder der CSU-Stadtratsriege immer wieder gegenüber ihrem einzigen weiblichen Fraktionsmitglied geäußert haben. Direkt und auch hinter ihrem Rücken. Kleinere Frotzeleien über die "Große Koalition"? Geschenkt. Was sprichwörtlich das Fass zum Überlaufen brachte, geschah im September: Während einer Pause in einer Stadtratssitzung hatte ein CSU-Stadtrat "auf den Kopf zu" gesagt, "... dass man da jetzt mal etwas machen muss".

Gleich aufgeschrieben, erzählt Annette Spreitzer-Hochberger, habe sie sich den Satz, den sie sich zuvor anhören musste: "Es kann nicht sein, dass jemand aus unserer Fraktion mit jemand aus einer anderen Fraktion privat verbandelt ist und gleichzeitig beide Mitglieder aus den unterschiedlichen Fraktionen im Stadtrat tätig sind." Zunächst hatte Annette Spreitzer-Hochberger gedacht, dass es vielleicht normal sei, dass Frauen auf solche Dinge zu emotional reagierten. "Aber es ging einfach nicht mehr", so das Noch-Stadtratsmitglied über die Wochen danach.

Wichtig ist der 45-jährigen Pädagogin die Feststellung, dass im Privatleben das Politische zwischen ihr und ihrem jetzigen Partner streng ausgeklammert wurde. "Es ist nie eine Information von der einen Fraktion in die andere gekommen." Dies sei ihr auf Nachfrage auch so bestätigt worden. "Es hat sich danach so zugespitzt, dass eine vernünftige Sacharbeit von meiner Seite aus nach dieser Aussage nicht mehr möglich war", begründet Annette Spreitzer-Hochberger ihren Schritt. Dieser sei auch Verpflichtung ihren Wählern gegenüber. Bei den weiteren Treffen der Fraktion habe sich rasch gezeigt, dass es bei ihrem Verbleib nur noch Unfrieden gegeben hätte.

Nach der nichtöffentlichen Sitzung im Dezember im Kunsthaus hatte Spreitzer-Hochberger die CSU-Fraktion gebeten, noch kurz zu bleiben. Damals, wenige Tage vor Weihnachten, habe sie ihren Rückzug im Januar aus den genannten Gründen angekündigt. Den Rückzug habe sie sich lange überlegt, eine Entscheidung "aus dem Bauch heraus" sei er nicht gewesen.

"Ich gehe mit zwei weinenden Augen", gesteht die CSU-Frau und unterstreicht, dass sie auch künftig ihrer Partei treu bleiben wird, "Ich habe diese Arbeit super gern gemacht", zieht die Seminarrektorin positive Bilanz und unterstreicht die gute Zusammenarbeit in der Vergangenheit mit dem Bürgermeister, mit dem Fraktionssprecher und allen weiteren Mitgliedern - mit der einen Ausnahme. "Das war der Gipfel." Spreitzer-Hochberger betrachtet ihren Schritt als Notwendigkeit, damit wieder Ruhe in die Fraktion einkehren könne. Politische Ämter strebt sie vorerst keine mehr an. "Ich konzentriere mich auf mein Ehrenamt in der evangelischen Kirche und auf meine beruflichen Aufgaben."

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Bürgermeister bedauert Rückzug

„Der Rückzug als Stadträtin gegenüber der Stadt ist ohne wichtigen Grund möglich“, so Bürgermeister Bernd Sommer (CSU) über die Entscheidung von Annette Spreitzer-Hochberger. Sie habe, so Sommer auf Anfrage von Oberpfalz-Medien, in ihrem Schreiben auch keine besonderen Gründe angeführt. „Beim Amt als Jugendbeauftragte ist ein Grund anzugeben." Dieser sei im aktuellen Falle mit der beruflichen Belastung nachvollziehbar. Zur Vorgeschichte, die zur Niederlegung des Mandats geführt hat, äußert sich das Stadtoberhaupt nicht. Er bedauert es aber sehr, dass Annette Spreitzer-Hochberger „beide Ämter abgeben muss und möchte“. Die CSU-Frau sei eine Bereicherung für den Stadtrat – aufgrund ihres beruflichen Hintergrundes, ihres in den Jahren angeeigneten kommunalen Fachwissens, ihrem Gestaltungswillen und auch dem Mut manch visionäre Entscheidung mit zu tragen. Sommer schätzt Fleiß und Engagement des Fraktionsmitglieds. Und in der zusätzlichen Aufgabe als Jugendbeauftragter stellt Sommer die Verdienst bei der Organisation des Ferienprogramms und als Ansprechpartnerin und Anwalt für die Anliegen der Kinder und Jugendlichen aber auch der Eltern. „Insbesondere die Installation des Jugendstadtrats und die Begleitung der jungen Leute durch die erste Periode als auch die Mitorganisation der nun stattgefundenen zweiten Wahl sind herausragende und auch zeit- und kraftintensive Zusatzleistungen.“

Bernd Sommer hofft, dass sich doch eines Tages wieder die Möglichkeit an der einen oder anderen kommunalpolitischen Stelle ergibt, wo Annette Spreitzer-Hochberger doch wieder eingebunden werden kann. Dazu verwendet der Bürgermeister sein, wie er sagt, Lieblingszitat aus „Der rosarote Panther“: „Heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage“. Vielleicht treffe dies ja auch auf die scheidende CSU-Stadträtin zu. (pz)

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