Waldsassen
23.11.2018 - 11:27 Uhr

Wernersreuth als Standort keine Option

Mit einem Ausflug in die Mathematik leitet Dr. Wolfgang Fortelny seinen Beitrag in der Bürgerversammlung in Waldsassen ein: Zweimal Minus ergibt Plus. Bei der Neuordnung des Rettungsdienstes lässt der Notarzt die Formel aber nicht gelten.

Der Vorschlag, wonach Wernersreuth Standort eines weiteren Rettungswagens werden soll, sorgt in der Bürgerversammlung Waldsassen für Diskussionsstoff. Bild: pz
Der Vorschlag, wonach Wernersreuth Standort eines weiteren Rettungswagens werden soll, sorgt in der Bürgerversammlung Waldsassen für Diskussionsstoff.

Mit einem Ausflug in die Mathematik leitet Dr. Wolfgang Fortelny seinen Beitrag in der Bürgerversammlung in Waldsassen ein: Zweimal Minus ergibt Plus. Bei der Neuordnung des Rettungsdienstes lässt der Notarzt die Formel aber nicht gelten.

"Nix gegen Mitterteich", so Fortelny in seiner Wortmeldung. "Aber wir waren immer der Meinung, dass dies eine falsche Entscheidung war." Damit bezog sich der Redner auf die Verlegung der Rettungswache, "ein bitteres Ereignis". Dann kommt Fortelny auf die jetzt anstehende Entscheidung zu sprechen, wonach ein zusätzliches Fahrzeug im Raum Pfaffenreuth/Wernersreuth stationiert werden soll. "Ich hätte mir gewünscht, dass die Verantwortlichen mit uns, die wir die Einsätze fahren, einmal sprechen", erklärt der Internist, der eigenen Angaben zufolge seit 30 Jahren als Notarzt unterwegs ist. "Ich habe heute mit einem Polizisten und Jäger gesprochen", erzählt Wolfgang Fortelny und verweist auf Gefahren auf der Strecke zwischen Pfaffenreuth und Wernersreuth - etwa durch Wildwechsel und Glätte im Winterhalbjahr.

"Man will nicht zugeben, dass wir hier in Waldsassen eine Rettungswache haben mit allen Möglichkeiten", fand Fortelny deutliche Worte. "Die Infrastruktur sei vorhanden, mit Schulungsräumen und Garagen für Fahrzeuge. Doch jetzt wolle man das Auto nach Wernersreuth bringen. BRK-Bereitschaftsleiter Helmut Zeitler ergänzte, dass der Rettungswagen dort voraussichtlich nur tagsüber besetzt sein soll. "Wenn man nach Pfaffenreuth ginge, würde ich das irgendwo noch verstehen", so Fortelny. Aber wer räume denn in der Nacht die Straße, fragte Fortelny. Die Geschichte wäre interessant für Institute die prüfen, ob denn Steuergelder derart vergeudet werden müssen. "Wir hätten in Waldsassen alles, wir könnten Neualbenreuth wie früher versorgen innerhalb der Rettungsfrist." Fortelny äußerte die Vermutung, wonach Waldsassen den Rettungsdienst-Standort nur deswegen nicht zurück bekomme, "... weil Waldsassen schon früher dagegen war und gesagt hat: dies und das ist verkehrt". Deshalb werde nun Wernersreuth favorisiert. "Ich kann das nicht nachvollziehen", so Fortelny und bat noch einmal die entscheidenden Gremien, sorgfältig zu prüfen, ob dies auch die richtige Entscheidung sei. Ein solches Vorgehen fördere Politikverdrossenheit, "... weil Entscheidungen getroffen werden ohne die Bürger mitzunehmen".

Bürgermeister Bernd Sommer nannte als Lösung das Rettungsfahrzeug in Waldsassen und einen weiteren Standort in Wiesau. "Ein zweiter Sanka ist super", so Sommer. "Aber muss der jetzt nach Wernersreuth?" Bei der Abstimmung am 30. November sieht sich Bürgermeister Bernd Sommer - als Vertreter von Dr. Achim Nemsow - schon jetzt in der Zwickmühle: "Ich möchte nicht gegen den zweiten Wagen stimmen. Aber mit Wernersreuth bin ich nicht glücklich", so Sommer über den vorgeschlagenen Standort.

Infobox:

Dr. Wolfgang Fortelny erklärte in seinem Redebeitrag, dass über den Standort des Rettungswagens in der Verbandsversammlung des Rettungszweckverbands Nordoberpfalz in der Sitzung am 30. November im Landratsamt Tirschenreuth entschieden werden soll – in nichtöffentlicher Sitzung. "Das stimmt nicht", so auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien Alfred Rast. Der Geschäftsleiter des Rettungszweckverbands widerspricht dieser Aussage ganz entschieden: In der Einladung sei deutlich sichtbar, dass darüber im öffentlichen Teil abgestimmt werde. Fortelny hatte in seinem Beitrag auch kritisiert, dass das Gutachten der Öffentlichkeit präsentiert wurde, obwohl die Verbandsmitglieder als Entscheider noch gar nicht darüber informiert waren. Außerdem hätten sich die Verantwortlichen des Zweckverbands von vornherein auf Wernersreuth als Standort geeinigt. "Das kann ich nicht verstehen", so Fortelny. "Wenn Neualbenreuth so sehr unterversorgt ist, warum kommt der Wagen nicht gleich nach Neualbenreuth?" Gegenüber Oberpfalz-Medien erklärte Rast, das Gutachten sei am Nachmittag nach der Präsentation in Neualbenreuth per Mail an die Verbandsmitglieder gesendet worden.

Dr. Wolfgang Fortelny thematisierte die geplante Stationierung eines Rettungswagens im Bereich Pfaffenreuth/Wernersreuth. Bild: pz
Dr. Wolfgang Fortelny thematisierte die geplante Stationierung eines Rettungswagens im Bereich Pfaffenreuth/Wernersreuth.
 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.