28.01.2021 - 00:24 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Zucht mit (Widder-)Köpfchen

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Die Rassekaninchenzucht ist ein anspruchsvolles Hobby. Zeit ist wichtig - und Erfahrung. Drei Züchterinnen aus der Region geben Tipps für die Haltung der Tiere.

Zwei erfolgreiche Kaninchenzüchterinnen aus Konnersreuth: Sophie Zandt (links) zeigt einen „Schwarzgrannen“, Schwester Amelie einen wildfarbenen Widderzwerg.
von Konrad RosnerProfil

Viele Kinder lieben ihre Kaninchen und schmusen gerne mit ihnen. Doch ein Kaninchen ist kein Kuscheltier und als Spielgefährte für Kleinkinder völlig ungeeignet. Ein Kaninchen sollte man zwar "mit Freuden, aber aus der Ferne betrachten", sagen Experten der Zuchtvereine.

In der Region gibt es viele Kleintier- und Kaninchenzuchtvereine, deren großes Hobby ist die Rassekaninchenzucht. Heike Suchanek aus Waldsassen, Vorsitzende des dort ansässigen Kleintierzuchtvereins, gibt Tipps, was bei der Rassekaninchenzucht zu beachten ist. Das Wichtigste: "Die Liebe zum Tier ist entscheidend. Ein Kaninchen ist ein Lebewesen und kein Gegenstand."

Wer Rassekaninchen züchten will, muss darauf achten, dass sowohl Rammler als auch Häsin kräftig und kerngesund sind sowie keine genetischen Defizite aufweisen. Welche Kaninchen man sich paaren lässt, sollte ein erfahrener Züchter entscheiden. Weibchen sind ab dem achten Monat zuchtreif, Rammler schon ab dem sechsten Monat. Die Tragezeit beträgt zwischen 28 und 33 Tage. Die Geburt der kleinen Kaninchen findet meistens in der Nacht oder am frühen Morgen statt. Ein Kaninchen kann bis zu zehn Junge werfen. Einige Stunden nach der Geburt sollte das Nest auf Tot- oder Nachgeburten kontrolliert werden. Die Kaninchen-Babys sind bei der Geburt nackt, blind und taub. Nach rund fünf Tagen wachsen den Babys ganz eng anliegende Haare, nach rund zehn Tagen öffnen sie Augen und Ohren. Während dieser Zeit werden sie von ihrer Mutter gesäugt. Es kann vorkommen, dass sich die Mutter nicht richtig um ihre Jungen kümmert. Warme Katzenaufzuchtmilch - diese gibt es beim Tierarzt -, vermischt mit Kamillen- oder Fencheltee, eignet sich dann am besten zur Fütterung des Nachwuchses. Nach gut drei Wochen sind die Jungen bereits auf Erkundungstour und erforschen ihre Umgebung. Weitere drei Wochen später sind die Jungtiere schon relativ selbstständig und werden nicht mehr gesäugt. Sie nehmen bereits feste Nahrung auf. Gemüse, Obst, Gräser und Heu sind die hauptsächlichen Nahrungsmittel der Kaninchen. Allerdings sollten sie weiterhin bei der Mutter bleiben. "Erst nach zehn Wochen sollte man die Jungen von ihrer Mutter trennen."

Heike Suchanek züchtet seit dem vergangenen Jahr Rassekaninchen, hauptsächlich "Löwenköpfchen" und "Separator". Als Hobby betrieb sie die Zucht bereits 15 Jahre. Sie betont: "Die Tiere brauchen eine tägliche Pflege. Wenn man dieses Hobby ausübt, muss man auch die entsprechende Zeit haben. Jeden Tag."

Rassenkaninchenzüchterinnen sind auch die 15-jährige Sophie Zandt und ihre 8-jährige Schwester Amelie aus Konnersreuth. Sophie züchtet schon seit zehn Jahren Kaninchen, ihre kleine Schwester Amelie seit zwei Jahren. Beide sind in die Fußstapfen ihres Vaters Klaus Zandt getreten. Er ist seit Jahrzehnten aktiver Kaninchenzüchter und derzeit Tätowiermeister beim Konnersreuther Kaninchenzuchtverein, das bedeutet, er kennzeichnet die Tiere mit einer Tätowierung, damit sie für die Zucht zugeordnet werden können.

"Wir sind mit den Tieren aufgewachsen. Es ist einfach schön, wenn man sieht, wie die Kaninchen heranwachsen", schwärmt Sophie. "Wir lieben unsere Tiere." Rund eine Stunde sind die Gymnasiastin und die Grundschülerin täglich mit ihren Kaninchen beschäftigt. Dazu gehört das Füttern, das Einstreuen, aber auch das Spielen mit den possierlichen Tierchen. Sophie erzählt voller Stolz, dass sie mit ihren "Schwarzgrannen" schon drei Mal Vereinsmeisterin geworden sei. Mit den Kaninchen könne sie vom Schulalltag völlig abschalten. Auch ihre jüngere Schwester Amelie ist hin und weg von ihrem Hobby: Sie hat sich den wildfarbenen "Widderzwergen" verschrieben.

Seit rund einem Jahr züchtet der neunjährige Noah Frank, unterstützt von seinem Opa Reinhard Frank, Kaninchen - vornehmlich blaue "Marderkaninchen". Sein Cousin, der achtjährige Benno Staufer, verspürt auch schon die Lust, Kaninchenzüchter zu werden. Die beiden Jungs haben viel Spaß mit den Kaninchen - beide finden ihr Hobby toll.

Auf den Spuren eines Oberpfälzer Tierfotografen

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Kaninchen- und Kleintierzuchtvereine

  • Dachverband in der Oberpfalz: Bezirksverband Oberpfälzer Rassekaninchenzüchter, bestehend aus den fünf Kreisen Regensburg-Neumarkt, Sulzbach-Rosenberg, Schwandorf-Cham, Weiden und Tirschenreuth.
  • Bezirksvorsitzender: Wolfgang Schreiber aus Erbendorf.
  • aktuell 1606 Mitglieder aus rund 50 Kaninchen- und Kleintierzuchtvereinen.
  • In der Oberpfalz rund 700 Züchter, davon 210 Jungzüchter (damit ist der Bezirk Oberpfalz der drittstärkste Bezirk in Bayern).
  • Aufgrund der Corona-Pandemie fanden 2020 keine Lokal- oder Bezirksschauen statt. Die nächste Bezirksschau ist im November 2021 in Waldmünchen geplant.

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