31.07.2020 - 13:35 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Die wilden Tiere der Oberpfalz

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Alex Jungwirth aus Weiden fotografiert gerne wilde Tiere - hier in der Oberpfalz. Stunden verbringt er in der Natur und spürt Eisvogel, Bienenfresser und Co. auf. Wir haben ihn auf Fotopirsch begleitet.

Ein Eisvogel mit einem Fisch im Schnabel. Alex Jungwirth aus Weiden fotografiert in seiner Freizeit die wilden Tiere in der Oberpfalz.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Alex Jungwirth hatte zwar schon immer einen Fotoapparat. Zur Wildtier-Fotografie fand der Weidener aber erst vor vier Jahren. Damals hat er Fredi Voss aus Etzenricht kennengelernt, der ihm einen Eisvogel gezeigt habe. "Wenn man beim ersten Mal was erwischt, schnuppert man da rein", sagt Jungwirth. Inzwischen habe er allein vom Eisvogel 1000 bis 1500 Fotos geschossen - und muss nun ausmisten, weil der Speicherplatz für die vielen Daten knapp werde.

Seit diesem Treffen sind Voss und Jungwirth "immer ein wenig unterwegs". Stundenlang harren sie in der Natur aus, um die wilden Tiere unserer Region zu fotografieren. Und entdecken allerlei Getier, das viele Spaziergänger kaum beachten: Kernbeißer, Kranich oder Kuckuck.

Dreieinhalb Stunden warten auf den Eisvogel

Für die Tiere nimmt Jungwirth einiges auf sich: Er steht mal um 4 Uhr auf und war im Winter auch bei minus 20 Grad mit der Kamera draußen. Nur "wenns regnet, dann bringt's nichts." Entlang von Bächen und Flüssen, an Weiherufern, im Wald oder zwischen Wiesen hält er Ausschau. Schweigsam sitzt Jungwirth auf einem Campingstuhl, die zweieinhalb Kilo schwere Kamera in der Hand und wartet, dass sich was tut. "Aber man kann es nicht erzwingen." Auf den Eisvogel habe er einmal dreieinhalb Stunden gewartet. Als die beiden Freunde zusammenpackten, flog der Vogel aus dem Gebüsch. "Der hat uns beobachtet", erzählt der 56-Jährige lachend.

Kinder stören Bienenfresser

Der Eisvogel war lange Jungwirths Lieblingstier. Jetzt ist es auch der Bienenfresser, ein Vogel bunt wie ein Papagei. "Die glitzern so viel in der Sonne - wie ein Diamant." Durch Nachfragen und mit Glück habe der Weidener erfahren, dass der Bienenfresser im Kreis Neumarkt brütet. Wo genau, will Jungwirth nicht verraten. Nach Angaben des Landesamts für Umwelt ist das Tier eine extrem seltene Art in Bayern. Einmal habe er Kinder beobachtet, die in den Nistplätzen mit Stöckchen rumstochern, berichtet Jungwirth. Das habe den Zollbeamten, der bei der Bundeskasse, arbeitet, sehr geärgert. "Die Tiere sollen aufwachsen und sich vermehren. Der Natur- und Vogelschutz geht uns immer vor." Er halte daher Abstand, um die Tiere nicht zu stören, betont der Hobbyfotograf. Nah ran holt er Vögel und Wild mit seinem etwa 30 Zentimeter langen Objektiv. Jungwirth schaltet dann auf Reihenaufnahme und schießt sieben Fotos in der Sekunde.

Der Traum vom Seeadler

"Mein Traum wäre ja der Seeadler, der Wiedehopf - den gibts bei uns ja nicht -, ein Dachs und ein Wolf." Einige Seeadler leben auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Jungwirth berichtet fast ein bisschen neidisch von einem Foto, das den Vogel auf einem alten Panzer sitzend zeigt, und das unsere Zeitung abgedruckt hat. Einen Fischotter würde er auch gerne fotografieren. "Aber da sagt einem keiner, wo der ist."

Durch Naturdokumentationen wurde Jungwirths Interesse an heimischen Tieren geweckt. Und eine Safari in Afrika? "Das wird ein Traum bleiben", meint er. Das funktioniere zeitmäßig nicht, und mit der Fotografie wolle er es auch nicht übertreiben. "Es soll ein Hobby bleiben." Lieber Blaukehlchen als Breitmaulnashorn.

Priol versteckt sich

In Weiherhammer läuft der Zollbeamte um 7 Uhr ein Stück den Weg um den Hammerweiher entlang. Er hört einen Pirol zwitschern. "Von dem hab ich noch kein scharfes Foto." Doch der gelbe Vogel mit den schwarz-gemusterten Flügeln zeigt sich nicht. Die Blätter der Bäume sind im Sommer zu dicht, leichter sei es, die Tiere im Frühjahr zu fotografieren, wenn sie Partner suchen, übermütig und unvorsichtiger sind, erläutert der 56-Jährige. "Auch den Wendehals hab ich schon gehört, aber nicht gesehen."

Ein seltenes Tier läuft dem Hobbyfotografen an diesem Morgen nicht über den Weg. Eine Stockente schwimmt mit ihren sechs Küken vorbei, die Möwen kreischen, etwa 50 Meter vom Ufer entfernt liefern sich zwei Haubentaucher einen Revierkampf. Jungwirth zückt die Kamera. Klick, Klick, Klick.

Sperber greift Eisvogel an: "Erlebnis, das man nicht vergisst"

Einmal habe er gesehen, wie ein Sperber einem Eisvogel die Beute streitig machte. "Das war ein Erlebnis, das vergisst man nicht so schnell." Ein anderes Mal habe er beobachtet, wie eine Möwe einen Kormoran angriff, der seine Flügel zum Trocknen gespreizt hat, erzählt der Fotograf begeistert. "Herr Gott, die Natur sollten wir mehr beachten." Im Internet trifft Jungwirth auf Gleichgesinnte. Sie besprechen ihre Bilder, verraten sich manchmal, wo es was zu sehen gibt. Etwa Kraniche bei Wiesau. "Wir sind aber schon oft raufgefahren und die waren nicht da. Die kommen ja nicht, wenn wir da sind und sagen: ,Jetzt müssen wir uns in Pose stellen.'"

Oft sei er mit seinem Kumpel an den Wochenenden in der Natur unterwegs. Unter der Woche schaut der Weidener abends gerne am Flutkanal vorbei. Dort hält er Ausschau nach dem Biber. Mehrmals hat er diesen im Wasser entdeckt. Einmal kam das Tier ans Ufer und hat sich wie ein Hund geschüttelt - ein super Motiv, doch Jungwirth hatte seine Kamera nicht dabei.

An einem Abend um 18 Uhr startet er am Flutkanal einen neuen Versuch. "No gei, etz kumm halt", jammert er - und wartet eineinhalb Stunden vergeblich. Der Biber zeigt sich nicht. Dafür fliegt der Eisvogel zweimal vorbei. Doch für ihn zückt Jungwirth die Kamera nicht mehr.

Ein Artikel über den Naturfotografen Fredi Voss

Info:

Tipps für Tierfotografie

Alex Jungwirth aus Weiden fotografiert gerne die wilden Tiere in unserer Region. Dabei beachtet er:

  • Kleidung: Zur Tarnung in Naturfarben kleiden.
  • Geduld: Wer wilde Tiere in der Natur beobachten will, braucht Geduld – und Glück. Und sollte Abstand halten, um sie nicht zu stören.
  • Morgens oder abends: Alex Jungwirth fotografiert die heimischen Wildtiere in der Morgen- oder Abenddämmerung, wenn viele von ihnen aktiv sind. Das Licht erzeugt eine schöne Stimmung auf den Bildern.

Georg Sieder aus Krummennaab fotografiert im Tierpark Nürnberg

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