06.03.2020 - 08:39 Uhr
WaldthurnOberpfalz

Beim Schlaganfall zählt jede Sekunde

Der Leiter des Neuroradiologischen Zentrums spricht im Rahmen des NEUN2727-Seminars in Waldthurn vor über 60 Zuhörern über „Wissenswertes zum Thema Schlaganfall“. Das Interesse ist groß.

Dr. Thomas Finkenzeller (stehend) beim NEUN2727-Vortrag im Waldthurner Gesundheitszentrum
von Franz VölklProfil

Am vergangenen Dienstagnachmittag waren auf einem Bild im Gesundheitszentrum Waldthurn drei frühere Weltpolitiker Winston Churchill, Franklin D. Roosevelt und Josef Stalin zu sehen, die einträchtig nebeneinander saßen. Sie waren nach dem 2. Weltkrieg an der „Aufteilung der Welt“ beteiligt und hatten eine Gemeinsamkeit: „Sie alle hatten einen Schlaganfall und sind daran gestorben“, erklärte PD Dr. Thomas Finkenzeller vom Klinikum Weiden.

NEUN2727-Koordinatorin Doris Völkl freute sich, dass das Interesse wieder sehr groß war und meinte: „Die beste Zeit einen Baum zu pflanzen war vor 30 Jahren – die zweitbeste Zeit ist jetzt“. Genauso verhalte es sich hinsichtlich der Prävention beim Schlaganfall, auch hier könne man zu jedem Zeitpunkt etwas bewirken. „Das große Ziel muss es sein, einen Schlaganfall zu vermeiden“, sagte Finkenzeller einleitend. Beim Schlaganfall handle es sich in 80 Prozent der Fälle um eine akute Durchblutungsstörung im Gehirn – bei 20 Prozent platzt ein Gefäß im Gehirn. Ob es sich um einen Hirninfarkt oder um eine Hirnblutung handelt muss im Klinikum mit Hilfe von bildgebenden Geräten schnellstmöglich geklärt werden, jeder Schlaganfall ist ein Notfall. Jeden Tag erleiden 450 Menschen in Deutschland diese Attacke, darunter auch 20 bis 30-jährige Menschen. Ganz wichtig ist die regelmäßige Kontrolle des Blutdrucks, am besten selbst ein paarmal am Tag messen und die Werte schriftlich notieren.

Als Risikofaktoren nannte der Mediziner je das zwei- bis dreifache Risiko durch Rauchen und Diabetes, bis zu 12-fache Gefahr durch Bluthochdruck, das 20-fache Risiko besteht falls mehrere dieser Faktoren zusammentreffen.

Als weitere Risikofaktoren nannte Finkenzeller erhöhte Blutfettwerte, Übergewicht, Bewegungsmangel, übermäßiger Alkohol und Drogen, familiäre Belastung, Stress und hohes Alter. Männer tragen ein erhöhtes Schlaganfallrisiko gegenüber Frauen.

Symptome sind Lähmungserscheinungen und/oder Taubheitsgefühl auf einer Körperseite (vollständig oder teilweise), herabhängender Mundwinkel, Sprach- und Sprechstörungen, die Unfähigkeit Gesprochenes zu verstehen und Sehstörungen wie einäugige Blindheit, Gesichtsfeldausfälle, Doppelbilder. Auffallen sollte beispielsweise, wenn jemand plötzlich eine Kaffeetasse aus der Hand fällt.

Bei der Behandlung ist Zeit der entscheidende Faktor: „Time is brain: Beim Schlaganfall zählt jede Sekunde“.

Manche Maßnahmen/Medikamente können nur innerhalb der ersten viereinhalb Stunden eingesetzt werden. Deshalb der dringende Appell des Experten „Bei Anzeichen für einen Schlaganfall sofort Notruf 112 anrufen“.

Für den Notarzt sollten folgende Infos bereitgehalten werden: Wann haben die Symptome begonnen? Wie haben sie sich entwickelt? Welche Medikamente nimmt der Patient?. Jeder sollte gut informiert sein, um im Falle eines Falles richtig und schnell handeln zu können. Und am Ende der Rat: Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig einen Schlaganfall abklären lassen.

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