12.11.2019 - 16:32 Uhr
Oberpfalz

Von wegen Kulturschock

Wer kulturellen Aktivitäten nachgeht, hat ein geringeres Risiko an einer Depression zu erkranken. Musik, Film und Kunst aktivieren das Belohnungssystem des Gehirns.

Wenn wir uns von einem Kunstwerk angesprochen fühlten, springt auch das sogenannte Innenwelt-Netzwerk des Gehirns wieder an. Wir machen eine „bewegende ästhetische Erfahrung“.
von Autor EWAProfil

"Sein oder Nichtsein; das ist hier die Frage: Obs edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern des wütenden Geschicks erdulden oder sich waffnend gegen eine See von Plagen durch Widerstand sie enden?" Ob Sie nun Shakespeare mögen oder nicht, das ist sicherlich Geschmackssache. Aber auf jeden Fall ist es eine gute Idee, mal wieder ins Theater zu gehen. Oder in die Oper, ins Museum, in ein Musical, auf ein Konzert, ins Kino oder zu einer Vernissage. Denn zwei britische Forscherinnen am University College London fanden nun heraus: Kultur macht uns nicht nur glücklicher, sondern beugt außerdem Depressionen vor.

Anhand einer Langzeitstudie mit über 2000 Probanden dokumentierten die Wissenschaftlerinnen Daisy Fancourt und Urszula Tymoszuk, dass das Risiko einer depressiven Erkrankung sinkt, wenn man kulturellen Aktivitäten nachgeht. Weiterhin wurde durch andere Studien nachgewiesen: Musik, Film und Kunst aktivieren unter anderem das Belohnungssystem des Gehirns, was wir dann als intensiv positive Gefühle wahrnehmen. Versuchen Sie es doch mal: Schauen Sie sich mal wieder einen Film im Kino an, besorgen Sie sich Theaterkarten oder besuchen Sie eine Kunstausstellung - und lassen Sie die Eindrücke auf sich wirken. Ein internationales Forscherteam, unter anderem vom Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, verfolgte vor kurzem, was in unserem Gehirn vorgeht, während wir zum Beispiel ein Kunstwerk betrachten. Dabei spielte vor allem das sogenannte Default-Mode-Netzwerk eine große Rolle. Es handelt sich hierbei um ein System von Hirnarealen, das aktiv wird, wenn wir den Blick nach innen richten und unseren Gedanken und Tagträumereien nachgehen. Eigentlich sinkt die Aktivität in diesem Netzwerk, sobald unsere Aufmerksamkeit einem Teil der Außenwelt gilt.

Die Untersuchung ergab jedoch: Wenn wir uns von einem Kunstwerk angesprochen fühlten, springt auch das sogenannte Innenwelt-Netzwerk des Gehirns wieder an. Wir machen also eine "bewegende ästhetische Erfahrung", die uns nicht nur in diesem Augenblick sehr gut tut. Probieren Sie es aus! Zum echten Glückserlebnis wird der Ausstellungs-, Kino- oder Theaterbesuch übrigens dann, wenn wir das Erlebnis mit Freunden teilen. Nicht umsonst heißt es so schön: "Geteilte Freude ist doppelte Freude".

Zusammen mit Gleichgesinnten lässt sich das Erlebnis nicht nur mehr genießen, sondern sich der Genuss sogar noch verlängern. Zum Beispiel, indem wir nach dem kulturellen Ereignis bei einem Glas Wein oder einem guten Essen über persönliche Eindrücke oder Dinge, die uns durch den Kopf gegangen sind, sprechen. Dann wird vielleicht sogar der "Hamlet" von Shakespeare, mit dem wir vorher nicht so viel anfangen konnten, zum ganz persönlichen Highlight. Lassen Sie Ihr Sofa also ruhig öfter mal einfach Sofa sein und gehen Sie raus. Ins Kino, ins Theater oder in ein Konzert. Denn Kultur macht tatsächlich glücklich - und ist nichts, vor dem man sich fürchten muss.

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