11.10.2020 - 11:06 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

90-jähriger Kurt Heinold macht zum 50. Mal Sportabzeichen

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Über Sieger von Sportwettbewerben wird oft berichtet. Doch von manchen Spitzenleistungen erfährt kaum jemand etwas. Dabei hätten diese besonderen Sportler mehr Aufmerksamkeit verdient. So wie der 90-jährige Weidener Kurt Heinold.

Der 90-jährige Kurt Heinold beim Kugelstoßen. Erich Kummer kontrolliert alles.
von Siegfried BühnerProfil

Es geschieht hauptsächlich in den Sommermonaten am Donnerstagabend auf dem Sportplatz der Realschulen. Läufer drehen Runde um Runde auf der Laufbahn. Weit- und Hochspringer, Werfer, Kugelstoßer, Seilspringer und andere sind ebenfalls aktiv. Mit dabei sind immer Personen in Straßenkleidung. Sie betätigen Stoppuhren, arbeiten mit Maßbändern oder kontrollieren die Einhaltung sportlicher Regeln. Die Lösung des Rätsels: Es sind Leistungsprüfungen für das Deutsche Sportabzeichen beim Turnerbund Weiden unter Leitung von Abteilungsleiter Erich Kummer in Gange.

Dabei geht es entweder um das goldene, das silberne oder bronzene Sportabzeichen. Dabei sind Sportler fast aller Altersgruppen, sie trainieren für die Sportabzeichen-Prüfung oder legen diese am Abend in einzelnen Disziplinen auch ab. Manche sind jedes Jahr dabei, andere zum ersten Mal.

Ein 90-Jähriger gehört in diesem Jahr schon zum 50. Mal dazu. Wie in fast allen Vorjahren hat er das „Goldene“ erkämpft. Es ist der ehemalige Lehrer am Kepler-Gymnasium in Weiden, Kurt Heinold. „Sportabzeichen ablegen ist für mich so etwas wie das Durchchecken beim Arzt. Es erhält mich so, wie Sie mich jetzt gerade sehen", sagt er beim Kugelstoßen. Und er meint, auch Sport zu treiben, gehöre zu seinen wichtigsten Lebensaufgaben. Heinold, der früher viel Volleyball gespielt hat und viele Jahre stellvertretender Vorsitzender des Turnerbundes Weiden war, ist überzeugt: „Gesund leben heißt, dass man sich bewegen muss.“ Deswegen würde er auch trotz seines hohen Alters jeden zweiten Tag seinen Kreislauf fordern. Dies könne beim Training für das Sportabzeichen sein oder beim regelmäßigen Fahrradfahren, auch im Winter.

Die Leistungsprüfungen in diesem Jahr absolviert Heinold mit Kugelstoßen, Schleuderball-Werfen und Radfahren auf der 200-Meter-Strecke mit fliegendem Start und der 20-Kilometer-Strecke. Was für viele deutlich jüngere bestimmt schon eine unüberwindbare Hürde bedeutet, schafft Heinold. Er stößt die 3-Kilogramm-Kugel mit 6,33 Meter um 8 Zentimeter weiter, als es für die einzelne Normerfüllung eines 90-jährigen Mannes für das goldene Sportabzeichen eigentlich notwendig ist. „Mir geht es nicht um mich, aber ich möchte Vorbild sein für andere, auch für meine Kinder und Enkelkinder“, bemerkt der 90-jährige bevor er dann das Kugelstoßen fortsetzt.

Wenngleich Heinold unter allen Sportabzeichen-Trägern beim Turnerbund Weiden zu denen zählt, die besonders viel Aufmerksamkeit verdienen, ist er sicher nicht der Einzige, dessen Leistungen außergewöhnlich sind. So hat zum Beispiel der 83-jährige Josef Liebisch diese Sportprüfung bereits sogar 53 Mal erfolgreich absolviert. Und der 91-jährige Max Kunz hat das Sportabzeichen in diesem Jahr zum 46. Mal geschafft. Von vielen weiteren absoluten Ausnahmeleistungen in jedem Prüfungsjahrgang kann Abteilungsleiter Kummer berichten. Sie alle werden in den Ergebnislisten festgehalten.

In diesem Jahr lief zum Beispiel eine 49-jährige Sportlerin die 3000 Meter in 14 Minuten und 30 Sekunden und ein 53-Jähriger diese Strecke sogar knapp unter 14 Minuten. Ein 83-Jähriger fuhr trotz dreier Wendepunkte 20 Kilometer auf dem Fahrrad in 43 Minuten und ein anderer 83-Jähriger sprintete die 50 Meter in 8,3 Sekunden. Auch die 4,35 Meter Weitsprung eines 62-jährigen sind bemerkenswert wie der 38,50 Meter weite Schleuderballwurf eines 34-Jährigen.

Abgenommen werden die Prüfungen beim Turnerbund Weiden unter Leitung von Abteilungsleiter Kummer von derzeit neun ehrenamtlichen Prüfern. Der 82-jährige Kummer ist seit 1978 Sportabzeichen-Prüfer und schaffte selbst bereits 49 Mal das Abzeichen in Gold. Knapp 2600 Sportabzeichen hat Kummer bisher bearbeitet, jährlich zeitweise weit über 100. Nur in diesem Jahr rechnet Kummer coronabedingt mit einem Rückgang der Teilnehmerzahlen.

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Hintergrund:

Das Deutsche Sportabzeichen

Leistungen für das Deutsche Sportabzeichen müssen in vier Disziplingruppen erbracht werden: Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination. In jeder einzelnen Disziplingruppe gibt es Auswahlmöglichkeiten unter mehreren Sportarten.

So kann zum Beispiel die Prüfung in der Gruppe Kraft alternativ im Medizinballwurf, Kugelstoßen, Steinstoßen, Standweitsprung oder Geräteturnen absolviert werden.

Alle fünf Jahre muss ein sogenannter Nachweis der Schwimmfertigkeit erbracht werden.

Jeder Teilnehmer kann die Prüfung individuell nach seinen sportlichen Talenten gestalten.

Alters- und geschlechtsabhängig sind die Mindestanforderungen für Gold-Silber und Bronzeabzeichen definiert. Dass die Anforderungen durchaus anspruchsvoll sind, zeigt ein Einzelbeispiel. In der Altersgruppe über 90 Jahre muss der 3000-Meter-Lauf, falls er gewählt wird, für das Abzeichen in Gold mindestens in 23 Minuten und 50 Sekunden geschafft werden.

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