Die Zahl der Orte, in denen in Bayern im Abwasser nach dem Corona-Virus gesucht wird, hat sich in den vergangenen Monaten deutlich erhöht. Waren es im Oktober, zu Beginn des Abwasser-Monitorings, neben Weiden acht weitere Standorte, sind es inzwischen bayernweit insgesamt 24. In der Oberpfalz sollen es bald zwei Orte sein, nachdem beim Start nur die Kläranlage Weiden in das Überwachungsnetz eingebunden war. Das Weidener Abwasser wird schon seit dem Sommer 2020 auf das Corona-Virus untersucht. Nun kommt Regensburg dazu. Dort ist der Aufbau in den letzten Zügen, teilte das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit auf Anfrage mit. "Diese 24 Standorte ermöglichen bereits eine sehr gute Abdeckung der bayerischen Bevölkerung."
Das bayernweite Abwasser-Monitoring verbuchte der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) vor wenigen Tagen als eine Maßnahme, um auf künftige Pandemien besser vorbereitet zu sein. Gleichwohl ist das bayerische Projekt derzeit noch befristet. Es läuft bis Ende des Jahres 2024. Aus den Mitteln des Freistaates wird das Abwasser-Monitoring in Passau, Straubing, Weiden, Regensburg, Bayreuth, Erlangen und Nürnberg bezahlt. Zusätzlich gib es in Ingolstadt, Würzburg und Kempten drei kommunale Messprogramme.
Förderung durch EU und Bund soll verlängert werden
Die Abwasser-Überwachung an den übrigen bayerischen Orten wird durch die Europäische Union (EU) und den Bund gefördert. Im Zuge des von der EU geförderten nationalen Pilotprojekts zur Pandemiebewältigung (ESI-CorA) werden die Untersuchungen in Hof und Altötting finanziert. Durch das Programm des Bundesforschungsministerium Biomarker Cov-2 werden die Abwasser-Untersuchungen auf Sars-Cov-2 in Piding, Bad Reichenhall, Berchtesgaden, Ebersberg, Ebersberg-Glonn, Ebersberg-Grafing, Freilassing, Teisendorf, München, Schweinfurt sowie in Stadt und Landkreis Augsburg gefördert.
Die bisherige Förderung aus Bundes- und EU-Mitteln sollte allerdings Anfang des Jahres 2023 enden, teilte das Landesamt mit. Dennoch sollen die Untersuchungen weitergehen. Demnach plane der Bund eine Anschlussförderung, deren Konditionen und Laufzeiten aber noch nicht bekannt seien. "Nach derzeitigen Planungen können die bestehenden EU- und Bundesstandorte weiter gefördert werden."
Nur zwei Landkreise veröffentlichen Daten
Die Daten des Abwasser-Monitorings von zehn bayerischen Standorten sind im wöchentlichen Lagebericht des Robert Koch-Instituts (RKI) dargestellt, heißt es beim Landesamt. Die Untersuchungsergebnisse aus Weiden sind laut dem jüngsten "Wöchentlichen Lagebericht des RKI zur Coronavirus-Krankheit-2019" vom 19. Januar nicht dabei. Dort sind unter anderem die Städte Bayreuth und Hof aufgeführt sowie Orte in Schwaben, Oberbayern und Niederbayern. Insgesamt fließen in die Auswertung des Robert-Koch-Instituts seit dem 16. Januar die Daten aus bundesweit 44 Orten ein.
In zwei bayerischen Landkreisen werden die Daten aus dem Abwasser-Monitoring sogar in örtlichen Dashboards veröffentlicht – in den Landkreisen Berchtesgadener Land und Ebersberg. "Die Veröffentlichung weiterer Daten ist zeitnah geplant", schreibt das Landesamt. Ein Datum dafür nennt das Amt aber nicht. Es dauert also noch, bis die Oberpfälzer Daten aus Weiden und aus Regensburg öffentlich einzusehen sind. Zum Vergleich: In Nordrhein-Westfalen wird schon seit Monaten die Entwicklung der Sars-Cov-2-Viruslast in Kläranlagen veröffentlicht.
Bislang wird in Bayern das Abwasser nur auf Sars-Cov-2 untersucht. "Solange das Verfahren noch in der Aufbau- und Etablierungsphase ist, erfolgt eine systematische Untersuchung nur auf Coronaviren", teilte das Landesamt mit. "Erst wenn die Verfahren zur Abwasseruntersuchung etabliert sind, kann eine Ausweitung der Untersuchungen auf andere Viren in Betracht gezogen werden." In anderen Ländern sind schon länger Untersuchungen des Abwassers auf andere Viren üblich. London und New York hatten so vor einigen Monaten die Polio-Ausbrüche in ihren Städten frühzeitig erkennen können.
Abwasserüberwachung auf Corona und andere Erreger
- Ablauf: Im Klärwerk werden Abwasserproben entnommen. Darin sind winzige Virusbestandteile, die Infizierte beim Toilettengang ausscheiden. Im Labor werden diese isoliert und untersucht
- Die Analysen liefern früher und unabhängig von der Zahl der Tests Daten zur Pandemie
- Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall spricht von jährlichen Kosten von 14 Millionen Euro, wenn man die 235 größten Klärwerke in Deutschland einbeziehen würde – damit sei rund die Hälfte der Bevölkerung erfasst
- Was lässt sich noch nachweisen? Abwasseranalysen auf Polio werden in manchen Ländern seit vielen Jahren durchgeführt. Auch zum Drogenkonsum in manchen Städten gibt es Abwasseruntersuchungen. (dpa)





















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