11.10.2019 - 15:27 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Airbus "Weiden" geht in Dienst

Die neue Lufthansa-Maschine mit dem Taufnamen "Weiden in der Oberpfalz" nimmt in der nächsten Woche den Linienbetrieb auf. Ein gebürtiger Weidener hat sich eine besondere Aktion überlegt und maßgeblich die Erstflug-Planung beeinflusst.

von Udo Lanz Kontakt Profil

Anfang Juli hatte Flugzeug-Fotograf Tobias Gudat die noch unvollständige Maschine auf dem Airbus-Werksgelände in Hamburg-Finkenwerder abgelichtet und damit den eindeutigen Hinweis geliefert, dass die Max-Reger-Stadt wieder einen fliegenden Botschafter bekommt. In der vergangenen Woche folgte die offizielle Übergabe an die Lufthansa, der Auslieferungsflug LH9922 führte den nagelneuen Airbus A320-200 mit dem Kennzeichen D-AIWK am 1. Oktober nach Berlin-Schönefeld.

Lufthansa Technik nahm dort in einem Hangar den Kabineneinbau und die Ausrüstung mit zusätzlichen Systemen vor. Wie Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty auf Nachfrage der Oberpfalz-Medien mitteilte, ist für kommenden Montag oder Dienstag die Überführung nach Frankfurt vorgesehen. Zuletzt steht noch die Endabnahme durch das Luftfahrtbundesamt an. Danach wird die D-AIWK oder "Whiskey Kilo", wie sie abgeleitet vom Nato-Alphabet in der Branche künftig häufig genannt wird, täglich zu Zielen innerhalb Deutschlands und Europas starten.

Süße "Erstflugherzen"

Nach aktuellem Stand soll der erste Linienflug am Freitag, 18. Oktober, nach München führen - weitere Details sind noch offen. Einfluss auf diese Planungen nahm schon frühzeitig der aus Weiden stammende Bernd Dostler, Geschäftsführer der Firma "Zuckersucht". Als er im Juli durch den Artikel der Oberpfalz-Medien vom neuen Werbeträger für seine Heimatstadt erfuhr, kontaktierte er umgehend die Lufthansa. Weil seine Firma neben den berühmten Oktoberfest-Lebkuchenherzen auch schon seit 17 Jahren sogenannte "Erstflugherzen" für den Münchener Flughafen und Airlines herstellt, bot Dostler an, solche Leckereien auch speziell für den ersten Linieneinsatz des Airbus "Weiden in der Oberpfalz" anzufertigen. Die Fluggesellschaft habe sehr erfreut reagiert und sich am Ende sogar bereit erklärt, den Jet für den ersten Einsatz eigens auf einem regulären Umlauf nach München einzuteilen, weil Dostlers Firma im nahen Aschheim ansässig ist.

Geld verlangt Dostler nicht, wie er versichert. „Die ganze Aktion wird von ,Zuckersucht‘ gesponsert.“ Dostler stellt nicht nur mehrere Hundert Herzen für die mit der „Weiden“ ankommenden und wieder abfliegenden Passagiere zur Verfügung, sondern kümmert sich auch um Film- und Fotoaufnahmen. Natürlich hat er auch Vertreter der Stadt Weiden zur Verteilaktion auf dem Münchener Flughafen eingeladen. Mehrmals ist der Termin aber schon verschoben worden, was offenbar mit der leicht verzögerten Übernahme des Jets zusammenhing. Jetzt steht der 18. Oktober im Kalender.

Ehre für die Stadt

Laut Oberbürgermeister Kurt Seggewiß wird ein offizieller Vertreter der Stadt am dem Empfang teilnehmen. „Es ist eine Ehre für uns, dass ein Flugzeug wieder den Namen der Stadt trägt“, betont Seggewiß auf Nachfrage. Einige Wochen, nachdem er durch einen Anruf der Oberpfalz-Medien vom neuen Patenflugzeug erfahren hatte, sei auch ein offizielles Schreiben der Lufthansa bei der Stadt eingegangen. Per Brief habe er sich daraufhin bedankt, dass das Unternehmen den Namen Weiden wieder in die Welt hinausträgt.

Wer mit dem Jet fliegen will und nicht gerade eine Spontanbuchung vornehmen möchte – etwa wenn das Kennzeichen ab 24 Stunden vor einem Flug auf Infoseiten von Flughäfen einsehbar ist – muss auf viel Glück hoffen. In der Theorie lässt sich das Einsatzspektrum zwar grob eingrenzen. So sind in Frankfurt derzeit nur sieben weitere Airbus A320-200 stationiert, die wie die D-AIWK mit 180 Sitzen ausgestattet sind. Diese bedienen vor allem Strecken mit einer Flugdauer von bis zu zweieinhalb Stunden. Wenn bei der Flugsuche oder in der Buchungsübersicht als Typ „A320 Sharklets“ angezeigt wird und nach dem Klick auf den Sitzplan die Reihen 31 und 32 auftauchen, besteht eine Chance von 1:7, dass die „Weiden“ eingeteilt wird.

Flexibler Einsatz

In der Praxis ist aber ein Wechsel des Fluggeräts jederzeit möglich, wegen der Buchungslage oder auch ganz kurzfristig aus operativen oder technischen Gründen. So gibt es am Standort Frankfurt noch 30 A320-200 mit 168 Sitzen, außerdem 20 Airbus A320neo mit derzeit 174 Sitzen. Und auch ein Tausch gegen kleinere Airbus A319 und deutlich größere Airbus A321 kann immer vorkommen. Als sicher gilt nur, dass die "Whiskey Kilo" innerhalb der rund 120 Exemplare starken Airbus-Kurz- und Mittelstreckenflotte in Frankfurt sehr flexibel eingesetzt wird.

Online-Dienste wie Flightradar24 oder Flightaware machen es aber möglich, die "Weiden" auf ihren Einsätzen zumindest auf der Landkarte zu verfolgen. Dort genügt es jeweils, das Kennzeichen D-AIWK in eine Suchmaske einzugeben, um herauszufinden, wo die Maschine gerade fliegt oder auf welchem Flughafen sie steht. Auch lassen sich zuletzt absolvierte und zum Teil bis zum nächsten Tag geplante Flüge finden. Alle Dienste gibt es auch als App fürs Smartphone. Vielleicht gelingt es ja so dem einen oder anderen, die "Weiden" am Himmel zu identifizieren, wenn sie die Region oder ihre Patenstadt überfliegt. Das dürfte im Laufe ihrer Dienstzeit immer wieder mal vorkommen.

Hier gibt es weitere Informationen über den neuen Airbus "Weiden in der Oberpfalz"

Weiden in der Oberpfalz
Kommentar:

Grund zur Freude

Dass die Stadt und die Region mit dem Airbus "Weiden in der Oberpfalz" einen neuen fliegenden Werbeträger haben, erfüllt viele mit Freude. Andere hingegen mögen in Zeiten erhitzter Klima-Diskussionen skeptisch reagieren. Doch auch beim Thema Luftverkehr gilt es zu differenzieren.
Netzwerk-Airlines wie die Lufthansa verbinden moderne Industrieländer schnell und zuverlässig mit Zielen in aller Welt. Unverzichtbar ist das nicht nur für Handel und Tourismus, sondern auch für Politik, Wissenschaft, Kultur und Sport. Hinzu kommt, dass kaum ein anderer Luftfahrt-Konzern in so vielfältiger Weise auf Nachhaltigkeit achtet und entsprechend investiert wie die Lufthansa Group.
Auf 3 bis 5 Prozent wird der Anteil des Luftverkehrs am anthropogenen Treibhauseffekt geschätzt. Als Gegenmittel setzt man in der Branche auf Emissionshandel, Kompensationsprojekte, stetige technische Neuentwicklungen und synthetische Treibstoffe. Ein großes Problem ist jedoch das starke Verkehrswachstum, getrieben vor allem von Billigfliegern und staatlichen arabischen Airlines. Nicht selten basiert deren Betrieb auf zweifelhaften Arbeitsbedingungen, Lohndumping, Steuersparmodellen oder Subventionen. Die Folgen: Überkapazitäten, Kampfpreise und eine künstlich erzeugte Nachfrage.
Airlines wie Lufthansa stehen nicht für diese Fehlentwicklungen. Wer also die "Whiskey Kilo" erblickt oder sogar einsteigen darf, hat allen Grund zur Freude. Guten Flug!

Von Udo Lanz

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