20.10.2019 - 13:57 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Alles rund ums Geld: Viele gute Tipps beim Verbrauchertag in Weiden

Verbraucher brauchen Unterstützung, damit sie die übermächtige Werbewirtschaft nicht völlig überrollt. Einen Beitrag dazu leistet eine Premiere: der erste Verbraucherbildungstag in Weiden.

Kirstin Wulf trainiert Eltern und ihre Kinder im Umgang mit Geld
von Siegfried BühnerProfil
Mit dem achtjährigen Paul und seiner Mutter übt Trainerin Kirstin Wulf den Umgang mit Geld
VHS-Geschäftsführer Stefan Frischholz (links) eröffnet zusammen mit Leo Dietrich den Verbraucherbildungstag.
Überall Vorträge und Workshops am Verbraucherbildungstag in der VHS in Weiden.
Auch viel Info-Material wird den Besuchern geboten.

„Für uns in der Volkshochschule ist dies ein völlig neues Format“, stellte der Pädagogische Leiter der VHS Weiden-Neustadt, Leo Dietrich, zu Beginn fest. Zusammen mit VHS-Geschäftsführer Stefan Frischholz begrüßte er am frühen Samstagmorgen die Besucher beim ersten Verbraucherbildungstag in Weiden. Bis in den Nachmittag hinein wird in Kurzvorträgen und Workshops sowie an Erlebnisstationen eine breite Palette von Themen „rund ums Geld“ präsentiert. Die Referenten kamen von weither, zum Beispiel aus Berlin, Dortmund und München. Die Besucher verteilten sich fast auf das gesamte VHS-Gebäude, denn überall gab es Stationen, an denen man sein Verbraucherwissen erweitern konnte. Alle Generationen sollten angesprochen werden.

Ein zentrales Tagesthema betraf Kinder als Werbeobjekt und als Wirtschaftsfaktor. So unter anderem in einem Workshop über „verführerische Mechanismen der Werbewirtschaft gegenüber Kindern“, geleitet vom Werbe- und Kommunikationsexperten Andreas Roeske. Geld sei das letzte große Tabu, denn mit Kindern werde selten richtig darüber geredet, stellte der Experte fest. Bereits Zweijährige wären Objekt für die Werbewirtschaft. Gelinge es in frühen Jahren, ein Kind für ein Produkt oder einen Markennamen zu gewinnen, „kommt es ab dem 18.Lebensjahr zu Markentreue“, betonte Roeske.

Für das Einkaufen empfiehlt er: „Am besten, man lässt die Kinder einfach zu Hause.“ Oder auch: „Einfach quengeln lassen." Vielen Erwachsenen sei sich nicht bewusst, „was mit ihnen im Supermarkt passiert“. Auch würden Kinder zwischen 4 und 13 Jahren bereits über eine Kaufkraft von drei Milliarden Euro verfügen.

Für noch bemerkenswerter hält Roeske den Einfluss der Kinder auf Kaufentscheidungen ihrer Eltern. In einer Studie des Ehapa-Instituts sei festgestellt worden, dass 60 Prozent dieser Käufe von den Kindern beeinflusst würden. Sogar Autokäufe, denn auch Autowerbung, unter anderem bei SUV, "arbeitet mit Kindern“.

Dass Kinder, Eltern und Großeltern auch „am Familientisch“ über Geld reden sollten, empfahl Buchautorin und TV-Coach Kirstin Wulf. Zum richtigen Umgang mit Taschengeld riet sie, "das Zuhause zu einem Miniunternehmen zu machen“. Für alle Altersgruppen gab es Themen am Verbraucherbildungstag. „Meine Finanzen zum Ausbildungsstart“ oder „Meine erste Wohnung – einfach mal ausziehen“ richteten sich an junge Menschen. Was man für die Altersvorsorge tun kann, war für mittlere Altersgruppen besonders interessant. Curt Frings, Fachberater Altersvorsorge der Verbraucherzentrale Bayern gab dazu Tipps. Wichtigstes Ziel sei dabei, den gewohnten Lebensstandard im Alter aufrechtzuerhalten. Dazu empfahl er, möglichst ab einem Alter von 30 Jahren eine voraussichtlich entstehende Versorgungslücke zu berechnen. Die Führung von Listen über Einnahmen und Ausgaben helfe bei der Überwachung der persönlichen Finanzsituation.

Um Anlagefehler für zukünftige Alterseinkünfte zu vermeiden, kategorisierte Frings die Rentenarten. Die Deutsche Rentenversicherung hält er für „sehr hochwertig“. Dagegen würden sich Betriebsrenten nur lohnen, wenn der Betrieb diese finanziert. Sehr skeptisch zeigte er sich gegenüber der Bruttolohnumwandlung.

Am Verbraucherbildungstag wurde fast kein Thema ausgespart. Ob Käufe und Versicherungsabschlüsse im Internet, Schuldenvorsorge oder Kryptowährungen – immer ging es um Verbesserung der Verbraucherkompetenzen.

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