01.04.2021 - 16:47 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Altenheime in Weiden und im Kreis Neustadt/WN sehnen sich nach Normalität

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Bis auf wenige Ausnahmen haben alle Bewohner in den Pflegeeinrichtungen in Weiden und dem Landkreis Neustadt ihre Zweitimpfung erhalten. Damit einher geht der Wunsch nach Lockerungen gerade an Ostern. Die sind nicht in Sicht.

Eine Altenpflegerin geht mit einer Seniorin durch einen Flur in einem Altenheim. Noch immer sind Besuche in den Pflegeeinrichtungen stark eingeschränkt. Auch an Ostern gibt es kaum Spielraum für Ausnahmen.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Osterwochenende. Spontanbesuche von Familie oder Bekannten in Senioren- und Pflegeeinrichtungen sind nicht möglich. Anmeldung ist Pflicht, ein negativer PCR-Test oder Schnelltest vor Ort, FFP2-Maske und das Einhalten der Hygiene- und Abstandsregeln sowieso. Das alles ist mit Zeitaufwand vor allem für die Heime verbunden, die jeden Besuch und Test organisieren und dokumentieren müssen. Mit sinkenden Inzidenzen und der Durchimpfung der Heime keimt auf beiden Seiten die Hoffnung auf Lockerungen.

Die Situation in den Pflegeeinrichtungen in der Stadt Weiden und im Kreis hat sich deutlich beruhigt. Nur noch in einem Seniorenheim gebe es drei Infizierte. Das Gesundheitsamt Weiden-Neustadt führt das sowohl auf die gesunkenen Inzidenzen als auch auf die Impfungen zurück. Dennoch: Lockerungen, auch temporär, seien derzeit nicht möglich. Nach wie vor gelte die 12. Bayerische Infektionsschutzverordnung. Außerdem könne noch nicht ausgeschlossen werden, dass durch bereits geimpfte Personen eine Übertragung des Coronavirus erfolgt. Und dann sind da noch die Virusmutationen. Niemand könne im Moment sagen, ob der Impfschutz vor einer Ansteckung schütze, so das Gesundheitsamt.

Wir fragten in Pflegeheimen in der Region nach, wie sich bei ihnen die aktuelle Lage darstellt:

BRK Senioren Wohn- und Pflegeheime

„Seit Januar sind wir in all unseren Heimen sowohl bei den Bewohnern als auch beim Personal stabil“, freut sich BRK-Geschäftsführer Sandro Galitzdörfer, der neben Weiden auch die Heime in Hammergmünd, Eschenbach und Erbendorf vertritt. Die Impfquote liege bei 70 bis 80 Prozent. „Es gibt ja immer wieder Wechsel. Wir hatten schon die dritte Runde der mobilen Teams bei uns.“ Zu Ostern wird die Anzahl der Mitarbeiter hochgefahren, vor allem am Ostersonntag. „Wir haben genügend Schnelltests da“, sagt Galitzdörfer. Ohnehin würden Personal und Bewohner zwei Mal die Woche getestet. Der Aufwand ist enorm, bis zu 400 Testungen täglich in den Heimen. In Hammer-

gmünd werde es an Ostern einen Gottesdienst im Freien geben, die Bewohner könnten vom Fenster aus dabei sein. Auch gebe es TV- und Audioübertragungen, das Jugendrotkreuz sorgt für Ostergeschenke. „Seit über einem Jahr haben wir eine Pandemie zu bewältigen. Im Weidener Heim hatten wir im Dezember einen größeren Ausbruch, es galt ein Aufnahmestopp. So gesehen, bin ich froh, dass nun wieder Leben einkehrt. Gemeinsame Mahlzeiten oder Therapieangebote sind möglich.“ Galitzdörfer hofft im Sommer auf Erleichterungen, blickt jedoch sorgenvoll in Richtung Mutationen. „Die könnten noch zum Problem werden. Wir müssen jetzt beim Impfen dranbleiben.“

Eleonore-Sindersberger-Heim, Weiden

Treffen in kleineren Gruppen sind auf den Stationen mittlerweile wieder möglich, Montag bis Freitag dürfen die Bewohner jeweils einen Besucher empfangen. Auch am Karfreitag war das möglich, fürs Osterwochenende gibt’s aber keine Ausnahme und auch keinen Ostergottesdienst. „Aber natürlich dürfen die Bewohner das Heim verlassen“, sagt Pflegedienstleiter Konrad Nickel. Schnelltests für Besucher werden ein Mal in der Woche angeboten. Ansonsten verweist Nickel auf die Tests in Apotheken. Die Bewohner seien durchgeimpft, 60 Prozent seien es beim Personal.

„Die Besuchsregelungen sind durch die gesetzlichen Vorgaben stark eingeschränkt und das verschafft uns viel Arbeit. Wir müssen jeden Besuch zeitlich takten und dokumentieren. Wird ein Bewohner abgeholt, dann müssen wir diesen vorbereiten. Das alles leistet das Pflegepersonal neben seiner normalen Arbeit.“ Nickel würde sich zeitnahe Lockerungen wünschen, wenn es die Infektionslage zulasse. Die Bewohner seien zwar nicht so isoliert wie vor einem Jahr, aber es kämen weniger Besucher. „Es fehlen Gespräche und Umarmungen.“

Caritas-Alten- und Pflegeheim St. Martin, Neustadt/WN

Auch in Neustadt müssen Angehörige ihren Besuch vorher bei der Heimleitung anmelden. „Das hat sich inzwischen gut eingespielt. Die Familien zeigen wirklich großes Verständnis“, lobt Heimleiterin Stefanie Schricker. Nach Absprache würden auch am Karsamstag die Besucher via Schnelltest getestet. „Das Osterfest ist für uns schon wichtig. Fest eingeplant ist die Speisenweihe am Samstag. Am Ostersonntag und -montag feiern wir wohnbereichsbezogen die katholischen und evangelischen Gottesdienste in der Hauskapelle.“

Zwei Drittel der Bewohner und ein Teil der Mitarbeiter hätten die Zweitimpfung erhalten. Ende April seien weitere Impfungen geplant. Es gebe wieder mehr Beschäftigungsangebote in kleinen Gruppen, auch bei schönem Wetter draußen. Auch Therapeuten und Friseure haben mit negativem Test Zutritt. Schricker nennt es einen „notwendigen kontrollierten Einlass“. „Besuche sind für die Psyche der pflegebedürftigen Menschen zwingend notwendig“, sagt die Heimleiterin. Eine komplette Öffnung wäre absolut wünschenswert, erscheine jedoch zum jetzigen Zeitpunkt völlig verfrüht und nicht verantwortbar.

Senioren- und Pflegeheim "Am Reiserwinkel", Floß

„Wir versuchen, am Karsamstag Besuche zu bestimmten Zeiten zu ermöglichen“, sagt Rainer Bauer, stellvertretender Heimleiter. Wenigstens zu Ostern wolle man mit den Senioren Gottesdienst feiern, natürlich unter Einhaltung aller Hygienemaßnahmen. Auch in Floß behält die Heimleitung die Virusmutationen im Blick.

Caritas-Altenheim St. Josef, Pressath

"Insgesamt sind wir ganz gut durch die Pandemie gekommen. Nur Anfang Dezember waren wenige Bewohner und Mitarbeiter betroffen". Mittlerweile hätten fast alle Bewohner und ein Teil des Personals die Zweitimpfung erhalten, teilt Pflegedienstleiter Christian Fuchs mit. Drei Mal die Woche werde getestet, Besuche seien täglich möglich, auch über die Osterfeiertage. Für die 64 Bewohner gebe es verstärkt Einzelbetreuung und Kleingruppenangebote. Die Gottesdienste werden online oder per TV auf die Zimmer übertragen. Der große Speisesaal sei noch geschlossen, aber gemeinsame Mahlzeiten in den Aufenthaltsräumen möglich.
"Lockerungen für die Bewohner wären natürlich von hoher Dringlichkeit und auch bitter nötig", sagt Fuchs. "Für die Mitarbeiter würde nur eine "offene Haustür" etwas bringen, aber ich denke, da sind wir noch weit davon entfernt."

Impfdosen von Biontech für Weiden

Weiden in der Oberpfalz
Montag bis Freitag sind Besuche im Eleonore-Sindersberger-Altenheim in Weiden möglich, auch am Karfreitag war das so. Am Osterwochenende gibt es jedoch keine Ausnahme.
Info:

Über 4400 Senioren in Heimen geimpft

  • Alle Senioren- und Pflegeeinrichtungen in der Stadt Weiden und im Landkreis Neustadt/WN wurden von mobilen Impfteams angefahren: Insgesamt erhielten 4445 Senioren eine Erst- und Zweitimpfung, sagt Thomas Rauch, Leiter BRK-Impfzentrum Weiden, Stand: 30. März)
  • Bis auf Einzelfälle, z. B. neuer Heimbewohner, beim Impftermin krank, Kurzzeitpflege, sind alle Bewohner geimpft. Sie werden ab April nochmals durch mobile Teams aufgesucht. Personen, die mit dem Sars-CoV-2-Virus infiziert waren, dürfen frühestens sechs Monate nach der Genesung geimpft werden.
  • Die allgemeine Impfbereitschaft bei den Pflegekräften hat seit Beginn der Impfungen zugenommen.
  • Seit Beginn der Corona-Pandemie 67 Bewohner von Seniorenheimen in Weiden und dem Landkreis Neustadt verstorben.

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