29.05.2020 - 01:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Altes Haus" mit besonderem Charme

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„Das alte Haus“ hat den Dreißigjährigen Krieg überlebt. Während des Zweiten Weltkriegs beherbergt es den Letzauer Bürgermeister. Josef Herrleins Buch über das außergewöhnliche Gehöft in Letzau umfasst 380 Jahre faszinierende Geschichte.

Josef Herrlein mit seinem Buch vor dem "alten Haus" in Letzau.
von Helmut KunzProfil

Die erstmalige urkundliche Erwähnung des bäuerlichen Anwesens in der Geistl.-Rat-Hösl-Straße durch den Fürsten von Lobkowitz geht auf das Jahr 1640 zurück. Wie Josef Herrlein vermutet, zählt das Gehöft seiner Cousine gemeinsam mit der Gaststätte „Zum Grünen Baum“ zu den ältesten Gebäuden im Theisseiler Ortsteil.

Herrlein hat die Geschichte des Hauses seiner Familie reanimiert und seine Diplomarbeit 2018 über das beschauliche Anwesen verfasst. Anhand einer Vielzahl von Dokumenten, Briefen, Fotos und Erzählungen konnte er die letzten 380 Jahre gut rekonstruieren. Das entstandene Buch ist 139 Seiten stark. Eine besondere Phase nimmt in seiner Recherche der Nationalsozialismus ein, als nämlich der Bauer Andreas Haberkorn als Parteimitglied Bürgermeister und Ortsbauernführer war, obwohl er der Bewegung damals ablehnend gegenüberstand.

Die ihm zugeteilten Zwangsarbeiter aus Polen erfuhren auf seinem Hof eine gute Behandlung. Es entwickelte sich sogar eine Freundschaft. Aus Dankbarkeit besuchten die ehemaligen polnischen Arbeiter in den 90er Jahren mehrmals die Bewohner des Gehöftes, das heute unter Denkmalschutz steht. „Das Besondere an diesem Gebäude sind sein Alter und sein Charme", sagt der diplomierte Kommunikations- und Mediendesigner Herrlein, der in Weiden ein Grafik-Büro betreibt.

Mehr über Josef Herrleins Buch "Das alte Haus"

Die ursprüngliche Funktion des Haues sei der Meierhof einer Grafschaft gewesen. Seitdem war es Heim vieler Generationen, die ihr Dasein dem einfachen, bäuerlichen Leben widmeten. Heute steht es leer und trägt deutlich sichtbare Narben, welche die Zeit ins Mauerwerk getrieben hat und die Herrlein jetzt gemeinsam mit seinem Vater Josef Herrlein sen. beheben will.

Er könne sich hier sehr gut einen künftige Zoiglhof oder ein Gästehaus vorstellen. „Möglichkeiten gibt es viele.“ Allerdings rechnet sein Vater noch mit einigen Jahren Sanierungszeit, bis sich dieser Wunsch erfüllen könnte. Denn ein gewichtiges Wort habe das Amt für Denkmalschutz mitzureden.

Die vorhandene Bausubstanz, zahlreiche Urkunden und Briefe, die Herrlein in alten Kartons auf dem Dachboden gefunden hat, auch viel Feldpost aus dem Ersten Weltkrieg und Einträge im Staatsarchiv geben eine detaillierte Einsicht in die Bauhistorie sowie in das Leben und Arbeiten der Menschen auf diesem Bauernhof. „Auf Grundlage dieser Quellen habe ich Illustrationen, Reproduktionen, Geschichten und informative Texte über das Anwesen und das Leben seiner einstigen Bewohner erstellt und in diesem Buch zusammen gefasst.“

Die linke Türe führte in die „gute Stube“. Rechterhand war der Eingang zu den Stallungen. Aber auch im Dachgeschoss gab es früher Wohnstätten und Schlafmöglichkeiten und einen großen Lagerraum. So wie sich das Gehöft heute präsentiert, sah es vor 380 Jahren nicht aus. Es wurde ergänzt durch Anbauten, gegenüber gab es ein neues Wohnhaus und der Stall stammt aus den Sechziger Jahren. Neu eingedeckt wurde das Dach.

Von Liebe zu sprechen sei etwas übertrieben. Aber: „Je tiefer ich in die Materie eingestiegen bin, desto mehr hat mich das Stöbern fasziniert", berichtet Herrlein. „Mich begeistert die Geschichte, die dahintersteckt.“ Viele meinten, es rentiere sich nicht, das Haus wieder herzurichten. Man solle es einfach abreißen und etwas Neues bauen. „Dies gut gemeinten Ratschläge haben mich angespornt, genau das Gegenteil davon zu tun." Vom Buch selbst gibt es aktuell nur noch fünf Exemplare.

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