12.11.2018 - 16:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Angeklagter muss in Psychiatrie

Zur eigenen Sicherheit und zum Schutz der Allgemeinheit wird ein 24-Jähriger wahrscheinlich für viele Jahre in der Psychiatrie untergebracht. Der Mann hatte seine Mutter mit einem Messer attackiert.

von Autor RNSProfil

Die Unterbringung ordnete die Schwurgerichtskammer des Landgerichts im, am Montag ergangenen, Urteil an. Der Ledige hatte am 14. Februar in Grafenwöhr seine Mutter urplötzlich mit einem Küchenmesser angegriffen. Mit den Worten "Ich stech' dich ab" versuchte er, die 55-Jährige in den Brustkorb zu stechen. Die völlig aufgelöste Frau konnte sich mit einer Wolldecke schützen und schließlich die Verwirrung ihres Sohnes, als das Messer abbrach, zur Flucht nutzen. Spärlich bekleidet läutete die Mutter bei Nachbarn Sturm. Diese verbanden ihre Wunden an Schulter und Oberkörper und verständigten die Polizei.

In der zweitägigen Verhandlung stellte sich heraus, dass der Arbeitslose seit längerer Zeit an einer Paranoia mit katatonischen Schüben litt. In einem eineinhalbstündigen Gutachten berichtete Gerichtsarzt Dr. Bruno Rieder von den Erkrankungen des Patienten. Bereits im 16. Lebensjahr sei er erkrankt. Halluzinationen, Katatonie, Schizophrenie mit ihrer Unterform Hebephrenie, Selbstgespräche und eine Geschlechtsidentitätsstörung hätten das Krankheitsbild geprägt. Bereits 2012 und 2015 seien in der Psychiatrie stärkste Medikamente verordnet worden.

Trotzdem sei die Krankheit immer weiter fortgeschritten. Die Persönlichkeit des Patienten berge ein hohes Gewaltrisiko. Auch im Bezirksklinikum habe es schwerwiegende Vorfälle, wie einen Angriff auf das Pflegepersonal sowie Selbstgefährdung, gegeben. Es sei keinerlei Kommunikation möglich. Es gebe "selten Menschen, die so schwer erkrankt sind wie dieser", stellte Rieder fest. Auf eindringliche Fragen von Landgerichtspräsident Gerhard Heindl sowie der Richter Matthias Bauer und Dr. Marco Heß sagte Rieder, dass er "keinen anderen Ausweg als die zwangsweise Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung" sehe.

Oberstaatsanwalt Bernhard Voit beantragte diese. Auch Rechtsanwalt Tobias Konze als Verteidiger des nicht anwesenden Kranken stellte fest, dass dieser im Bezirkskrankenhaus "am Besten aufgehoben" sei. Heindl stellte im Urteil fest, dass versuchter Totschlag nachgewiesen sei, den Mann wegen seiner Krankheit keine Schuld treffe. Der Tattag sei "Schlusspunkt einer langen, dramatischen Entwicklung" gewesen.

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