20.05.2021 - 12:24 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Aufruhr in Weiden: Storchenkinder sind tot

Der schlimme Verdacht vieler aufmerksamer Storchenbeobachter in Weiden bestätigt sich nun: Im Horst auf dem Alten Schulhaus stimmt etwas nicht: Die Jungvögel sind tot.

Wieder allein zu Hause sind die Störche im Horst auf dem Alten Schulhaus. Ihr Nachwuchs ist tot.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Die Webcam der Stadt Weiden sendet ein Bild, das verstört: Es zeigt einen leeren Horst auf dem Alten Schulhaus. Dabei müsste es dort gerade rund gehen. Der Nachwuchs ist geboren, zwei kleine Storchenkinder wurden darin Anfang Mai gesichtet – und stets mindestens ein Elternvogel, der sich schützend auf sie setzte. Vorbei, bestätigt nun Helga Bradatsch, Storchenbetreuerin des Landesbundes für Vogelschutz (LBV).

Ein Kampf mit zwei fremden Störchen in luftiger Höhe hat das Schicksal der zwei Storchenkinder am Montag besiegelt. Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien berichtet Bradatsch davon, dass die Fremden den Horst attackiert haben. "Natürlich wollten unsere Störche ihren Horst und ihre Jungen verteidigen." Doch bei diesem Kampf seien die etwa zwei Wochen alten Jungvögel wohl getötet und aus dem Nest geworfen worden.

"Derartige Kämpfe kommen immer wieder vor", weiß Bradatsch. Zuletzt erst im vergangenen Jahr. Damals allerdings konnten die beiden Weidener Störche ihren Horst verteidigen. Allerdings war das im März und damit noch lange bevor sich Nachwuchs eingestellt hat. Die Angreifer seien in der Regel Jungstörche aus der Gegend, die allerdings noch nicht geschlechtsreif sind. Das werden sie erst im zweiten bis zum dritten Lebensjahr. Diese "Halbstarken", wie sie die Storchenbetreuerin nennt, sind noch nicht verpaart und haben noch keinen eigenen Horst – dafür aber viel Energie. Wohl aus Langeweile fliegen sie in der Gegend herum "und ärgern beziehungsweise attackieren Artgenossen. Vielleicht wird ja auf diese Weise ein guter Nistplatz frei", mögen sie sich laut Expertin denken.

Zum Storchenkampf kam es auch schon 2020

Weiden in der Oberpfalz

Insgesamt spiegle dieser Vorfall die Kehrseite einer sonst erfreulichen Entwicklung wider: Die Storchenpopulation in ganz Deutschland hat stark zugenommen. "Darüber freuen wir uns", sagt Bradatsch. Während früher zwei Drittel der Jungvögel beim ersten Flug ins Winterquartier ums Leben gekommen waren, blieben nun viele über den Winter hier. Teils würden sie ja gar gefüttert. Und so würden geeignete Nist- und Brutmöglichkeiten knapper, es käme häufiger zu Problemen.

Ein Bild aus guten Tagen von Anfang Mai: Hier versorgt der Storch den frisch geschlüpften Nachwuchs.

Die Probleme in Weiden hat der Storchennachwuchs nicht überlebt. Trotzdem werden die Altvögel heuer sicher weiter hier bleiben und bestimmt auch nächstes Jahr erneut nach Weiden kommen, zeigt sich Helga Bradatsch überzeugt. Störche seien ja überaus horsttreu. Und so sagt die Storchenbetreuerin: "Aber 2021 ist für den Nachwuchs gelaufen. Hoffen wir auf 2022! Das ist der einzige Trost."

Ausgebrütet in Weiden

Weiden in der Oberpfalz

 

 

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