04.04.2019 - 15:27 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bäcker als Buhmann

Das Bäckerhandwerk hat beim Brotverkauf einen Marktanteil von unter einem Drittel. Eine Strategie gegen diese Entwicklung zeigt Patrick Kutzer in der Versammlung der Bäckerinnung.

Obermeister Wolfgang Schmid (links) dankt Referenten Patrick Kutzer.
von Siegfried BühnerProfil

„Sind wir Bäckermeister noch die Richtigen zum Brot backen?“ Über diese Frage sprach Bäckermeister Patrick Kutzer bei der Frühjahrsversammlung der Bäckerinnung Nordoberpfalz. Zunächst bedauerte er, dass der Umsatzanteil der Handwerksbetriebe am Brotmarkt Anfang des Jahres 2018 auf 31,7 Prozent gesunken sei. Eine Ursache liegt laut Kutzer im kontinuierlichen Rückgang der Zahl der Betriebe, zum Beispiel zwischen den Jahren 2010 und 2017 von 14600 auf 11300 in ganz Deutschland. Bedauert wurde im Vortrag auch, dass Brotbacken in den Medien häufig mit Personen verbunden würde, die eigentlich nur Hobbybäcker sind. „Sternekoch Nelson Müller urteilt über uns Bäcker und Diplom-Geologe Lutz Geisler entwickelt Rezepte.“ Auf der anderen Seite stünden Meldungen wie „Müller in Not“ oder „Mäuse im Brot“. Manchmal habe er den Eindruck, dass Bäcker zum Buhmann der Nation geworden seien, stellte Kutzer fest. Für sich selbst hat er aus dieser Situation Konsequenzen gezogen und eine zehnmonatige Ausbildung zum Brot-Sommelier absolviert. In Deutschland gibt es erst 75 Personen, die sich so nennen dürfen. Eine Meisterprüfung ist die Grundvoraussetzung hierfür. „Brot ist ein sehr hochwertiges Lebensmittel“, stellte Kutzer fest. Er sehe sich als Brotsommelier auch als Markenbotschafter für Brot. Eine solche Qualitätsoffensive könne auch eine Strategie zur Imageverbesserung des Bäckerhandwerks sein. „Wir müssen mehr an die Öffentlichkeit treten“, forderte Kutzer und schlug kulinarische Abende dazu vor. Obermeister Wolfgang Schmid berichtete über die diesjährige Ausbildungsmesse und stellte fest: „Wichtig war, dass wir uns als Bäckerhandwerk präsentiert haben.“ Lehrlingswart Andreas Brandstätter kündigte für zukünftige Gesellenprüfungen die Erstellung eigener Prüfungsaufgaben an. Bei der „deutschlandweiten Prüfung“ würden regionale Besonderheiten nicht ausreichend berücksichtigt. „Mit dem Begriff Pfannkuchen können hier viele nichts anfangen.“

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