30.03.2020 - 16:22 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bahnhof Weiden: Barrierefreiheit lässt auf sich warten

Josef Rewitzer bleibt hartnäckig. Seit 2002 macht sich der VdK-Kreisvorsitzende für einen barrierefreien Weidener Bahnhof stark. Er hofft weiter auf eine möglichst schnelle Umsetzung.

Für viele Menschen mit körperlicher Einschränkung sind diese Stufen nicht zu schaffen. Ein Problem, gegen das der VdK-Kreisvorsitzende Josef Rewitzer nun fast schon 20 Jahre kämpft. Unser Bild entstand vor der Ausgehbeschränkung.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Große Hoffnungen setzte er auf die Aussage des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehof, bis 2023 solle auf allen öffentlichen Plätzen, bei Bahn und Gebäuden im Freistaat uneingeschränkte Barrierefreiheit umgesetzt werden. Doch mittlerweile sieht er diese Hoffnung wieder in Gefahr.

Denn im Januar hat er sich erneut an das bayerische Verkehrsministerium gewandt, um auf den dringend notwendigen Umbau des Weidener Bahnhofs hinzuweisen. Doch die Antwort, die ihm im Februar ins Haus flatterte, fiel nicht gerade vielversprechend aus.

"Der barrierefreie Ausbau des Weidener Bahnhofs wird von der Bahn und der Politik immer weiter nach hinten verschoben", kritisierte Rewitzer in seinem Schreiben. Dabei seien mit 4500 bis 5000 Ein- und Aussteigern täglich die erforderlichen Zahlen weit überschritten. Verärgert äußert sich der VdK-Kreisvorsitzende außerdem über folgenden Umstand: Etliche kleinere Kommunen - wie Roding oder Reuth bei Erbendorf - hätten bereits barrierefreie Bahnhöfe, und das bei wesentlich geringeren Einwohnerzahlen. Er fragt deshalb: "Sind Menschen in Weiden und Umgebung weniger wert oder Menschen ,zweiter Klasse'?"

Was Rewitzer außerdem irritiert: Die Abgeordneten Albert Rupprecht (CSU) und Annette Karl (SPD) hätten den barrierefreien Ausbau zwar unterstützt. Was die Realisierung betrifft, machen sie jedoch sehr unterschiedliche Angaben. So habe Rupprecht vor etwa einem halben Jahr zugesichert, der entsprechende Ausbau des Bahnhof würde noch vor der Elektrifizierung erfolgen. Dagegen befürchte Annette Karl, dass der Ausbau erst für 2038 geplant sei.

Ein zusätzliches Problem beim barrierefreien Ausbau der Bahnhöfe stellen die unterschiedlichen Bahnsteighöhen dar. In der Bundesrepublik gibt es vier verschiedene Bahnsteighöhen. Damit sei eine vollständige Barrierefreiheit nicht erreichbar, meint Rewitzer, und macht sich deshalb - wie der VdK insgesamt - für eine langfristige Vereinheitlichung der Bahnsteighöhe auf 76 Zentimeter stark.

Die Antwort aus dem bayerischen Verkehrsministerium klingt, wie gesagt, nicht vielversprechend. Darin heißt es zwar: "Ein wichtiges Ziel des Freistaats ist es, eine durchgängig barrierefreie Reisekette im Schienenpersonennahverkehr zu erreichen." Über die Hälfte der rund 1000 Stationen in Bayern sei jedoch noch nicht barrierefrei ausgebaut, was eine große Herausforderung bedeute. Laut Grundgesetz sei außerdem der Bund für den Ausbau der Bahn-Infrastruktur verantwortlich.

Sven-Christian Schuster vom Referat Schieneninfrastruktur, Eisenbahnwesen des bayerischen Verkehrsministerium räumt in dem Schreiben an Josef Rewitzer zwar ein, dass der damalige Verkehrsminister Hans Reichhart im Januar 2020 "unter anderem den Bahnhof Weiden mit hoher Priorität" für das Ausbauprogramm vorgeschlagen habe. "Aufgrund der geringen Dotierung der Bundesmittel würden jedoch voraussichtlich nur vier bis sechs bayerische Bahnhöfe zum Zuge kommen." Letztendlich entscheide der Bund über die Aufnahme in das Förderprogramm.

Problem für Blinde am Bahnhof Weiden::

Kein Leitsystem auf Bahnsteig 1

Das Blindenleitsystem am Weidener Bahnhof löst bei VdK-Kreisvorsitzendem Josef Rewitzer ebenfalls Kopfschütteln aus. "Ausgerechnet auf Bahnsteig 1, den auch blinde und sehbehinderte Menschen gut erreichen können, gibt es kein Blindenleitsystem." Das sind die weißen gerillten Platten, die es ermöglichen, sich mit Hilfe eines Blindenstocks zu orientieren.

Auf den Bahnsteigen 2, 3 und 4 dagegen existieren Blindenleitsysteme, hat Rewitzer festgestellt. "Dabei sind diese Bahnsteige für Blinde und Sehbehinderte viel schwerer erreichbar."

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