10.12.2018 - 16:49 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bahnstreik: Kein Weg weg für wütende Kunden

Wütende Menschen, geplatzte Termine und die Frage: Wann geht es endlich weiter? Nichts geht mehr am Montagmorgen auf den Bahngleisen in Weiden. Der Grund: Die Bahn streikt.

Wie Hunderte Pendler und Reisende wartet dieser Mann am Montag vergeblich auf die Bahn. Warnstreiks verursachen zahlreiche Ausfälle.
von Julia Hammer Kontakt Profil

Genervt beugt sich die 36-jährige Erika über den Schalter der Information im Bahnhof. "Komme ich hier heute überhaupt noch weg oder muss ich mir ein Hotel suchen?", fragt sie den Bahnangestellten. "Normal müsste der nächste um 16.11 Uhr kommen", antwortet er. Seit vier Stunden sitzt die junge Frau fest. Übers Wochenende hat sie in Weiden gearbeitet und will nun nach Hause - zurück nach Bratislava.

"Die Reise dauert eh schon über sieben Stunden. Und jetzt diese ganzen Verzögerungen", ärgert sie sich, während sie ihren schwarzen Koffer zur Seite schiebt, um den nächsten Kunden an den Schalter zu lassen. "Ich hoffe, ich komme wenigstens nach Regensburg. Dort werde ich schauen, wie es weitergeht. Ich muss heute noch nach Wien, von dort komme ich ohne Bahn weiter." Es ist 12.17 Uhr. "Auf zwei Züge habe ich schon vergeblich gehofft. Keiner ist gekommen." "Wütende Menschen haben wir heute viele gesehen", berichtet eine Angestellte der Buchhandlung Sabbathil, während sie aus dem Fenster auf den Bahnsteig blickt. Das Problem: Es habe kaum Informationen für die Kunden gegeben. "Es kamen nicht einmal Durchsagen. Viele haben nicht gewusst, was los ist, stundenlang in der Kälte gewartet." Einige trieb es auch in die Buchhandlung. Dort machten sie ihrem Frust Luft. "Sie haben geschimpft. Aber wir konnten leider auch nicht helfen."

Ähnliche Szenarien beobachtete auch eine Mitarbeiterin von "Yormas". "Die ganze Halle war voll Menschen, die nicht wussten, was sie tun sollen." Einige hätten versucht, telefonisch Anschlusstermine zu verschieben, Mitfahrgelegenheiten zu organisieren. "Für uns war es allerdings nicht schlecht. Die Leute hatten Hunger - und sind reihenweise zu uns gekommen", erzählt sie und schmunzelt.

Wie viele Züge wegen des Streiks ausgefallen sind und wie viele Kunden in Weiden davon betroffen waren, "dazu gibt es noch keine Zahlen", informiert ein Sprecher der Deutschen Bahn aus München. "Allerdings gab es auch nachmittags noch Probleme, bis der richtige Takt im Zeitplan wieder aufgenommen werden konnte. Von 4 Uhr morgens bis 9 Uhr ist alles gestanden." Problematisch ist es nicht nur, von Weiden wegzukommen. Auch der Weg in die Stadt ist an diesem Morgen vielen nicht möglich. "Die Auswirkungen halten sich in Grenzen. Rund 15 Schüler sind wegen des Streiks nicht erschienen", sagt Sigrid Bloch, Schulleiterin des Kepler-Gymnasiums. "Viele Eltern haben zu spät davon erfahren und konnten nicht mehr von ihrer Arbeitsstelle weg, um die Kinder zu fahren." Auf den Unterricht habe sich das nicht ausgewirkt. "Eine Unterstufenklasse hat heute einen Deutschtest geschrieben. Das verlief alles problemlos." Auch bei der Firma BHS Corrugated in Weiherhammer sei der Bahnstreik kaum spürbar gewesen. "Die meisten Angestellten kommen mit dem Auto. Deshalb haben wir von den Streikts nichts bemerkt", erzählt eine Sprecherin des Unternehmens. Zudem würde ein Großteil der Angestellten in Gleitzeit arbeiten. "Deshalb können sie später anfangen. Das ist kein Problem." Anders habe das vergangenen Freitag ausgesehen. "Blitzeis. Da kamen viele zu spät oder überhaupt nicht. Das war für uns viel schlimmer als der Bahnstreik", sagt sie und lacht.

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