08.03.2019 - 10:38 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Baubranche fehlt der Nachwuchs

Am Geld kann es nicht liegen. Mit rund 1500 Euro verdienen selbst Anfänger in der Baubranche sehr ordentlich. Allein die Rahmenbedingungen stimmen nicht. Hinzu kommt laut IG Bau noch ein Imageproblem.

Petra Katens, Fachsekretärin IG Bauen, Agrar, Umwelt
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

"Wenn dein Kind Maurer werden will, dann werden die Augen verdreht. Ein gesellschaftliches Problem, dass Handwerksberufe oftmals geringer angesehen sind", bedauert Petra Katens, Fachsekretärin IG Bauen, Agrar und Umwelt. Dabei hatte die Gewerkschafterin beim DGB-Jahrespressegespräch durchaus Positives zu vermelden. Bei den bundesweiten Tarifverhandlungen habe man vergangenens Jahr das beste Ergebnis erzielt: + 5,7 Prozent in Westdeutschland, + 6,6, Prozent im Osten, und Einmalzahlungen. Zudem soll der Schlichterspruch eine künftige Lösung für bezahlte Wegezeiten zu den Baustellen regeln, sagt Katens. "Die Arbeitnehmervertretung hat schon getagt, die Arbeitgeberseite hat noch nicht mal die Expertenkommission besetzt. Es ist eine Frechheit." Hier hoffe man dennoch auf eine Einigung, denn "Wegezeit ist Arbeitszeit".

Aktuell würden die Mindestlöhne am Bau verhandelt, bei den Gebäudereinigern geht es unter anderem um das Weihnachtsgeld. "Hier sind ab Mai Streiks geplant", sagte die Fachsekretärin. Diese könnte es auch im Bauhauptgewerbe geben, wenn 2020 die nächste Tarifrunde ansteht. "2002 ist letztmals gestreikt worden."

Erschreckend findet Katens sogenannte "Kopfprämien". "Hier werden bis zu 1000 Euro gezahlt, wenn Mitarbeiter andere Mitarbeiter anwerben." Dies sei dem akuten Fachkräftemangel geschuldet und greife in immer mehr Betrieben um sich.

Hoher Krankenstand:

Die gute Konjunktur in der Baubranche ist Fluch und Segen zugleich. "Überstunden werden zum Normalfall, da die Fachkräfte fehlen. Der Termindruck und Stress macht die Arbeiter krank", sagt die IG Bau und beruft sich in einer Pressemitteilung unter anderem auf eine Statistik der Betriebskrankenkassen (BKK) von 2017. Beschäftigte in Weiden waren demnach durchschnittlich 19 Tage im Jahr krank. Dabei beobachtet die IG Bau mit Sorge die Zunahme von Fehltagen aufgrund psychischer Erkrankungen. (shl)

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