23.07.2021 - 17:37 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bauen ohne Genehmigung: Teurer Platzverweis

Belastete Bodenproben fördern zutage: Das neue Sportzentrum der SpVgg SV Weiden ist ein Schwarzbau, der mit dem Segen der Stadt entstand. Das kann jetzt teuer werden. Ein Kommentar.

Für "2020/2021" kündigt das Bauschild an der Prinz-Ludwig-Straße das Sportzentrum an. Nach den derzeitigen Komplikationen könnte es länger dauern.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil
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Bauen ohne Baugenehmigung – sowas nennt sich Schwarzbau und läuft im Verborgenen ab. Eigentlich. Am Projekt der SpVgg SV war nichts geheim. Noch im April informierte der Verein selbst darüber, dass die Arbeiten am neuen Sportzentrum zwischen „Teehaus“ und Stadion gut voranschreiten. „Die beiden bereits eingezäunten Kunstrasenplätze sind mit Kork befüllt und bieten ökologisch höchsten Standard“, hieß es in der Mitteilung. „Die Fertigstellung der Sportanlage ist für Ende Juni geplant.“ Heute wissen wir: reines Wunschdenken. Seit Mitte Juni ist der Bau gestoppt. Für die beiden Kunstrasenplätze fehlten wichtige Genehmigungen. Und das vorschnell ausgebrachte Schottermaterial ist obendrein mit Gift belastet, welches das Grundwasser gefährdet.

Wo lag der Fehler? Mittlerweile zwei ausführliche Stellungnahmen der Stadt dazu – abgestimmt zwischen Oberbürgermeister, mehreren Dezernaten und dem Verein – lassen diese Frage unbeantwortet. Hat sich der Verein nicht ans Baurecht gehalten? Oder hat ihm die Stadt Zusagen gegeben, die nicht belastbar waren? Warum konnte die SpVgg SV vor den Augen der Öffentlichkeit so lange ohne Baugenehmigung bauen? Als die für das Funktionsgebäude erging, stand es längst. „Die Baugenehmigung wurde parallel zum Bauvorhaben entwickelt“, schreibt die Stadt. Ein riskantes Spiel. Es rächte sich, als Schotter verfüllt wurde, der plötzlich als belastet gilt.

Wann die Plätze fertig werden, steht in den Sternen. Erst müssen drängende Fragen geklärt werden: Bekommt die SpVgg SV noch die wasserrechtliche Genehmigung für die Plätze? Muss der Schotter ausgetauscht, der Boden saniert werden? Und: Wer zahlt? Der Verein? Oder die Stadt – und damit die Bürger? Im Tausch für ihr Gelände in der Stockerhut hat sich die SpVgg SV einen städtischen Zuschuss von bis zu 4 Millionen Euro für ihr neues Sportzentrum gesichert. Ursprünglich war mal die Rede von 1,5 Millionen. Der Verein, der vor zwölf Jahren ein modernes Stadion spendiert bekam, hat hier offenbar gut verhandelt. Noch teurer sollte die Bürger das Projekt nicht kommen.

Für die Kunstrasenplätze gab es keine Genehmigungen

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Der Baustopp wird öffentlich

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