23.07.2021 - 17:37 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Neues Sportzentrum der SpVgg SV Weiden ein Schwarzbau

Der Baustopp für die Kunstrasenplätze der SpVgg SV Weiden wirft Fragen auf. Zum Beispiel: Wer hat das Vorhaben genehmigt? Niemand. Trotzdem springt die Stadt dem Verein zur Seite. Warum?

Die Flutlichtmasten stehen. Nur das, was sie erhellen sollen, ist längst nicht fertig. Die beiden Kunstrasenplätze unterliegen einem Baustopp.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Diesen Freitagabend rührt sich wieder was am Wasserwerk. Gegen den SV Fortuna Regensburg startete die SpVgg SV Weiden in die Landesligasaison. Eine nette Ablenkung für die Vereinsverantwortlichen um Michael Kurz. Denn ein paar Meter weiter geht momentan gar nichts mehr. Die zwei neuen Kunstrasenplätze unterliegen seit fünf Wochen einem Baustopp, nachdem Proben ergaben: Das verfüllte Material, das aus einem Steinbruch stammt, ist verunreinigt, Arsen könnte bei Niederschlägen ins Grundwasser gelangen. In Bedrängnis bringt das jetzt nicht nur die SpVgg SV als Bauherrn, sondern auch die Stadt als Genehmigungsbehörde und Geldgeber.

Denn infolge des Malheurs stellen sich Fragen, die offenbar nicht ganz so einfach zu beantworten sind: Wer hat das Projekt genehmigt? Wer ist verantwortlich für den Schaden? Wer kommt nun für ihn auf? Die Stadt räumt selbst ein: Genehmigt wurden bisher nur Teile des Vorhabens – nachträglich. Zum Beispiel das Funktionsgebäude. Der Bau begann im Januar, fertiggestellt war es im April. Die "Teilgenehmigung" dafür erließ das Rathaus erst am 22. Juni – vier Tage, nachdem sie den Baustopp für die Kunstrasenplätze nebenan verhängt hatte. Für die Fußballfelder gab und gibt es keinerlei Genehmigung. Kritische Nachfragen dazu:

Ist das Sportzentrum ein Schwarzbau?

Das bestätigen Bauexperten. Die Stadt verweist darauf, die Baugenehmigung sei parallel zum Bauvorhaben entwickelt worden. Die von Oberpfalz-Medien befragten Experten, unter anderem Fachanwälte und Architekten, sind sich einig: Ohne schriftliche Baugenehmigung ist im Normalfall kein Baubeginn möglich. Sogar die Stadt muss einräumen: "Es handelt sich hier nicht um den Regelfall." Von ausführlichen Vorarbeiten bei der Planung und "intensiver Einbeziehung der Genehmigungsbehörden", berichtet die Pressestelle. Das Vorhaben sei grundsätzlich genehmigungsfähig gewesen, auch wenn die wasserrechtliche Genehmigung noch fehlte.

Warum wurden die Anträge nicht rechtzeitig gestellt?

Darauf antwortet die Stadt nicht. Pläne für die Kunstrasenplätze gab es seit Jahren. Bereits im Juni 2018 war das Vorhaben im Stadtrat. Eine endgültige Erteilung der Baugenehmigung sei nicht möglich gewesen, da unter anderem die wasserrechtliche Genehmigung für das Ableiten von Niederschlagswasser notwendig ist, heißt es auf Anfrage. Doch warum wurde diese nicht abgewartet? Wieder verweist die Stadt auf intensive Gespräche mit den Genehmigungsbehörden in der Planungsphase. Erteilt wurde die Genehmigung aber nicht. Das spätere Einbringen des verunreinigten Schotters stellt die Genehmigung nun wieder in Frage.

Wie teuer kommt die Panne? Wer haftet?

Zunächst sind Sicherungsmaßnahmen vorgesehen, damit Regen nicht noch mehr Arsen auf den insgesamt 15.000 Quadratmetern in den Boden schwemmt. Möglicherweise muss das belastete Material gar entfernt werden. Vielleicht ist die Verunreinigung aber auch tolerierbar. Damit variieren die Mehrkosten von null bis zu einer Million Euro. Wer bezahlt das – Stadt (Grundstückseigentümer), Verein (Bauherr), Bauunternehmen (Schottereinbringer) oder Steinbruchbetreiber (Schotteranbieter)? Diese Frage ist wohl tatsächlich noch völlig offen. Grundsätzlich finanziert die Stadt die Sportanlage mit bis zu vier Millionen Euro, bisher soll gut die Hälfte davon verbaut sein. Dafür überlässt ihr die SpVgg SV Weiden sein Areal in der Stockerhut für Wohnbebauung.

Bemerkenswert: Obwohl die Kommune damit "nur" Zuschussgeberin ist und der Verein Bauherr, hat die Stadt das Krisenmanagement übernommen. Ausschließlich sie informiert in dieser Sache. Die Begründung, laut Stadtsprecher Norbert Schmieglitz: "Unser gemeinsames Ziel ist eine umwelt- und kostenverträgliche Lösung, deshalb koordiniert die Stadt derzeit alle Beteiligten." Dazu zählen auch andere Behörden wie das Wasserwirtschaftsamt. Dort fragte Oberpfalzmedien per Mail unter anderem an: "Welche Schritte werden oder wurden nun von Ihrer Seite schon unternommen?" Die Behörde leitete die Frage ans Rathaus weiter. Von dort erhielten wir dann die Nachricht: "Eine Beantwortung durch die Stadt ist nicht möglich."

Kommentar

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Belastetes Baumaterial: Baustopp bei Kunstrasenplätzen in Weiden

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Info:

Projekt Kunstrasenplätze: Zeitlicher Ablauf

  • Juni 2018: Stadtrat stimmt für den Kunstrasenbau der SpVgg SV Weiden
  • 18. Februar 2020: Teilbaugenehmigung für das Herrichten des Baugrundstücks mit Baumfällung
  • August 2020: Spezialisten aus Feucht bereiten den Untergrund für den Kunstrasen vor
  • Dezember 2020: Drainage und Flutlichtmasten für die Kunstrasenplätze werden ein- bzw. aufgebaut
  • Januar 2021: Das neue Funktionsgebäude wird aufgestellt
  • April 2021: Zäune werden auf dem Gelände der Kunstrasenplätze aufgestellt
  • Mai 2021: Stichprobenartige Voruntersuchungen des Bodens ergeben eine Arsenbelastung
  • 18. Juni 2021: Baustopp zunächst für das gesamte Bauprojekt, dann beschränkt auf Kunstrasenplätze und Wegebau
  • 22. Juni 2021: Teilbaugenehmigung für das Funktionsgebäude, das bereits seit Januar stand
  • Bis heute keine Baugenehmigung für die bereits existierenden Plätze samt Wegebau

Quellen: Stadt Weiden/ Der Neue Tag/ Onetz/ Facebookauftritt SpVgg SV Weiden

 

 

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