15.08.2021 - 10:21 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nach Baustopp für Kunstrasenplätze: Wie geht es weiter bei der SpVgg SV?

Es herrscht weiter Baustopp bei den Kunstrasenplätzen der SpVgg SV Weiden. Der Grund: Mit dem Schotter kam mit Arsen belastetes Material zum Einsatz. Nur was hat das für Auswirkungen auf Umwelt und Bauvorhaben? Erste Gutachten liegen vor.

„Wir haben zwar Flutlicht, aber keine Plätze dazu“, sagt SpVgg-SV-Chef Michael Kurz. Und in der Tat: Viel Schotter statt Kunstrasen ist auf der Baustelle der SpVgg SV Weiden zu sehen.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Nur zwei Wochen vor der geplanten Fertigstellung ereilt den Bauherrn, die SpVgg SV Weiden, am 18. Juni die Hiobsbotschaft: Baustopp für beide Kunstrasenplätze. Der Grund: Das dort bereits im November verfüllte Material für den Unterbau der je 7000 Quadratmeter großen Plätze, das aus einem Steinbruch stammt, ist verunreinigt. Damit besteht die Sorge, geogenes Arsen könnte bei Niederschlägen über den Schotter ins Grundwasser geraten.

Im Zuge dieser Entwicklung stellt sich zudem heraus: Für das Projekt, das laut Stadt "in seiner Art und Weise genehmigungsfähig war", gibt es keine Baugenehmigung. Bis zuletzt fehlten ausgerechnet wasserrechtliche Genehmigungen. Plätze und Wege bleiben rechtlich gesehen ein Schwarzbau, für das Funktionsgebäude nebenan erteilt die Stadt dem Bauherrn, der SpVgg SV, vier Tage nach dem Baustopp eine Teilbaugenehmigung. Nun braucht es wegen der möglichen Verunreinigung Experten. Und Gutachten. Und einen langen Atem.

Allein vom Baustopp bis heute sind fast zwei Monate vergangen. "Das alles ist richtig blöd gelaufen", sagt Stadtkämmerin Cornelia Taubmann auf Nachfrage. Denn die Baugenehmigung könnte ohne die Schotterfrage längst fertig sein. Taubmann versichert aber: "Alle Stellen sind aktuell dran, das zu beheben." Mehr wolle sie wegen des laufenden Verfahrens zu dem Vorhaben nicht sagen, bei dem die Stadt Weiden Genehmigungsbehörde und Geldgeber ist.

Weiden gewährt der SpVgg SV einen Sportförderzuschuss von 4 Mi

"Alle Stellen sind aktuell dran"

llionen Euro, davon 2,2 Millionen für die Kunstrasenplätze. Im Gegenzug erhält die Stadt das SV-Gelände Stockerhut als Bauland. Auch Vereinschef Michael Kurz will sich zum Bauvorhaben nicht weiter äußern. Er und die Stadt bitten um Geduld.

Laut Informationen von Oberpfalz-Medien liegen nun erste Gutachten von mehreren Sachverständigen vor. Demnach ergibt sich im Schotter tatsächlich eine schädliche Belastung. Eine Gefährdung von Grundwasser und Boden hänge aber von der Mobilisierbarkeit der Schadstoffe ab. An dieser Stelle wird aktuell intensiv geprüft.

Noch stehen zur Lösung des Problems mehrere Möglichkeiten im Raum. Im schlimmsten Fall ist die Entfernung des gesamten Materials nötig. Es kann aber auch eine regelmäßige Beprobung an mehreren zu schaffenden Messstellen genügen, wenn Grundwasser und Boden nicht gefährdet sind.

Unsichere Lage für 300 Kinder

Stadt und Verein sind natürlich daran interessiert, mit geringstmöglichen Maßnahmen die Umweltbelastung in den Griff zu bekommen. Denn seit dem Baustopp kommt der Verein in arge Bedrängnis. Vor allem das Nachwuchsleistungszentrum mit gut 300 Kindern hängt laut Vereinschef Kurz in der Luft. Wo sollen die kleinen Kicker trainieren? Das SV-Gelände ist wegen des unmittelbar bevorstehenden Umzugs halb abgerissen. Umkleiden, Duschen, Toiletten gibt es nicht mehr. Und der Platz dort? "Wir sind auf einem Schlachtfeld unterwegs", erklärt der Vorsitzende. Aber man habe versucht, sich zu helfen. Mit Erfolg.

Kurzfristig hat der Verein an alter Stelle eine Containerlösung gefunden. Hier finden etwa Umkleideräume, Duschen und Toiletten Platz. Obendrein helfe der VfB Weiden, indem er sein Trainingsareal für die SpVgg-SV-Kicker zur Verfügung stelle, freut sich Kurz.

Länger als drei Monate aber kann die Containerlösung nicht herhalten. Sonst braucht es auch dafür eine Baugenehmigung, weiß der Vorsitzende - und hofft inständig auf die baldige Baugenehmigung für die Kunstrasenplätze, die Zuwegung und damit auf die Fertigstellung des Projekts vielleicht schon im November. Zuvor aber muss natürlich klar sein, wie die Umweltbelastung endgültig behoben werden kann.

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Belastetes Baumaterial: Baustopp bei Kunstrasenplätzen in Weiden

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Hintergrund:

Das Bauprojekt bei der SpVgg SV Weiden

  • Bauherr: SpVgg SV Weiden
  • Geldgeber: Stadt Weiden; Hintergrund: Sportentwicklung gegen Baulandgewinnung auf ehemaligem SV-Gelände
  • Es entstehen neu zwei Kunstrasenplätze mit Zäunen, Flutlicht, Wege sowie ein neues Funktionsgebäude mit Kabinen, Lagerräumen, WCs und Duschen
  • Umlegung des bisherigen Fuß- und Radweges um das Gelände
  • Rückbau sämtlicher Gebäude und Einrichtungen auf dem Gelände in der Stockerhut; derzeit gestoppt
  • Sportförderzuschuss der Stadt Weiden in Höhe von 4 Millionen Euro
  • 2,2 Millionen Euro davon für das Teilprojekt Kunstrasenplätze

 

 

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