23.07.2021 - 12:33 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Mit Bildung gegen Populismus kämpfen

Mehr Bildungsaktivitäten, um damit Populismus und Extremismus zu bekämpfen: Das hielten die Akteure bei der Bildungs- und Demokratiekonferenz in Weiden für nötig. Und sie machten auch viele Vorschläge.

Aktiv beteiligten sich die Teilnehmer der Bildungs- und Demokratiekonferenz am Konferenzgeschehen (im Bild stehend Ursula Barrois von der Initiative e. V.).
von Siegfried BühnerProfil

„Politische Bildung wird immer wichtiger, um dem Auseinanderdriften der Gesellschaft entgegenzuwirken." Mit dieser Feststellung fasste Moderatorin Prisca Straub die Ergebnisse der interkommunalen Bildungs- und Demokratiekonferenz zusammen. Vorher war in der Max-Reger-Halle fast einen ganzen Tag lang in Vorträgen, Fachforen und Diskussionen über Möglichkeiten gesprochen worden, mit geeigneten Bildungsaktivitäten für die Demokratie in der Nordoberpfalz zu werben.

Die theoretische Grundlage für die Konferenz lieferte der Professor Tim Engartner, Sozialwissenschaftler mit Schwerpunkt politische Bildung von der Universität Frankfurt. In Anbetracht von Tendenzen sozialer Spaltung, Individualisierung und von vielen in der Bevölkerung empfundenen „Repräsentationslücken“ im politischen System sowie einer „Mechanisierung im Beschäftigungssystem bei der Armut trotz Vollzeiterwerbstätigkeit entsteht“ gelte es vor allem mit politischer Bildung den Rechtsextremismus zurückzudrängen. Engartner empfahl unter anderem „Haltung statt Zurückhaltung“ zu zeigen und einen „kritischen und faktenbestimmten Umgang mit der AfD“.

Lehrkräfte dürften sich nicht einschüchtern lassen. Die Schule hielt der Experte „als Erfahrungsort außerordentlich zentral“, wolle aber politische Bildung auch auf Straßen, Festzelten, in Familien und Sportvereinen vermitteln. Politische Bildung alleine sei allerdings „keine Allzweckwaffe gegen Rechtspopulismus“.

Konkrete Vorschläge für demokratiefördernde Bildungsarbeit in der Region bei Kindern Jugendlichen und Erwachsenen wurden dann in den drei Fachforen erarbeitet. VHS-Pädagogik-Leiterin Tanja Fichtner, Laura Weber vom Begleitausschuss des Förderprogramms „Demokratie leben“ und Florian Graf vom Jugendzentrum Weiden (Juz) berichteten über die Arbeit in den Foren.

Festgestellt wurde unter anderem, dass, wer Demokratie bei jungen Menschen verteidigen wolle, sich unbedingt aktiv im Netz beteiligen müsse. Juz-Vertreter Graf wandte sich gegen die „Muss doch mal gesagt werden dürfen"-Leute und stellte aber auch fest: „Ältere nehmen an, dass auch junge Leute Zeitung lesen, aber politische Bildung wird in sozialen Medien gemacht.“

Dies bestätigte auch Weber: „Unzufriedene erwischt man online besser.“ Sie wolle mehr strategisches Denken und deshalb „online einmal pro Woche etwas raushauen“. Aber es sollten auch Möglichkeiten für persönliche Diskussion und Austausch geboten werden. „Die beste politische Bildungsarbeit findet dort statt, wo nichts stattfindet“, meinte Weber. Positives Beispiel war für sie der Besuch eines muslimischen Gebetskreises, bei dem auch immer aktuelle Themen einbezogen würden.

Für VHS-Vertreterin Fichtner sollte man bei Erwachsenen „Bildungsarbeit mit kulturellem Erlebnis verbinden“. Als „Königsdisziplin“ sah sie „Rausgehen und aufsuchende Bildungsarbeit“. Dies sei allerdings sehr personalaufwendig, aber „es fehlt an institutioneller Finanzierung“. Leider werde für politische Bildung „manchmal Geld nur irgendwo abgezwackt“.

Einen Überblick, wie Jugendliche in der nördlichen Oberpfalz über Demokratie und Politik denken, gab dann Arno Speiser vom Beratungsnetzwerk Bayern gegen Rechtsextremismus. Aus der Befragung "Demokratie & Du" ergibt sich laut Speiser unter anderem, dass "die politische Bildung neue Kanäle finden muss, um gezielter mit Jugendlichen arbeiten zu können". Herbert Schmid von Arbeit und Leben berichtete über das Förderprogramm „Demokratie leben“. 59.900 Euro stehen dabei für Projekte im neuen Fünf-Jahres-Förderzeitraum zur Verfügung. Begrüßt hatte die Konferenzteilnehmer Oberbürgermeister Jens Meyer.

Weiden übergab nun das Ehrenzeichen an engagierte Bürger

Weiden in der Oberpfalz
Moderiert von BR-Journalistin Prisca Straub (Dritte von links) berichteten (von links) Tanja Fichtner, Florian Graf und Laura Weber über die Arbeit in den Fachforen.
Über "Populismus als Herausforderung für Schule, Politik und Gesellschaft" referierte Professor Tim Engartner.
Oberbürgermeister Jens Meyer begrüßte die Konferenzteilnehmer.
Hintergrund:

Erste Ergebnisse von "Demokratie & Du"

  • Fragebogenaktion bei 14 bis 26-Jährigen aus der Nordoberpfalz
  • 639 ausgefüllte Fragebogen
  • 39 Prozent aller Befragten an politischen Themen „sehr interessiert“, 24 Prozent „eher nicht“
  • Bei männlichen Befragten Interesse an politischen Themen stärker ausgeprägt als bei weiblichen

 

 

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