11.06.2019 - 18:01 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nach Brandnacht: Hilfswelle für "Circus Afrika"

Der Anhänger mit Futtermittel des „Circus Afrika“ ging in der Nacht zum Samstag in Flammen auf. Warum, steht noch nicht fest. Aber seither fehlt es an Futter für die Elefanten. Immer mehr Hilfsbereite strömen deshalb zum Zirkusplatz.

von Redaktion ONETZProfil

Während des Gesprächs mit Zirkusbesitzer Hardy Weisheit fährt ein Laster auf das Gelände an der Leimbergerstraße. Er ist bis unters Dach mit Heu geladen: eine Futterspende. Eine Tonne hat Josef Ackermann aus Trabitz auf der Ladefläche. Klingt viel, reicht aber für die drei Elefanten nicht lange. „Ein Elefant frisst pro Tag zwei Zentner Heu. Dazu kommt noch Obst. Am liebsten Bananen oder Orangen“, erklärt Weisheit vom „Circus Afrika“, der gerade in Weiden gastiert.

Seitdem der Anhänger mit Heu, mit Winterzelt für die Tiere und vielen Plakaten ein Raub der Flammen wurde, ist der Zirkus auf Spenden angewiesen. Der Trabitzer kommt also goldrichtig: „Wir haben selber Tiere. Deshalb war für uns sofort klar, dass wir helfen wollen, nachdem wir vom Unglück aus der Zeitung erfahren haben“, sagt Ackermann. Hilfsbereite Bürger brachten auch schon kleinere Futterspenden. „Für diesen Dienstag und Mittwoch haben wir nun genug Futter“, sagt Weisheit. „Dann müssen wir weiter schauen. Wir sind für alle Spenden dankbar.“ Ackermann lädt er zum Dank in die Vorstellung ein.

Lesen Sie hier den Artikel "Nach Brand am Zirkusplatz spricht der Direktor: 'Es ist ein Desaster'" auf onetz.de

Weiden in der Oberpfalz

Polizei untersucht Anhänger

Der Zirkusdirektor zeigt auch Eigeninitiative: Er nimmt mit Supermärkten Kontakt auf. Diese können allerdings nicht helfen. Im Laufe des Tages meldet sich aber der Rewe-Markt in der Frauenrichter Straße. Die Mitarbeiter sammelten spontan einen kleineren dreistelligen Betrag.

Auch Familie Pausch aus Frauenricht ist über die Zeitung auf die Not des „Circus Afrika“ aufmerksam geworden. Die Söhne Lukas und Florian wollten unbedingt helfen. „Mein Sohn hat gesagt, Papa wir haben doch Heu, wir müssen helfen“, sagt Markus Pausch, ein Landwirt, und karrt am Dienstagnachmittag einen Anhänger voll Heu an.

Lesen Sie hier den Artikel "Brand beim 'Circus Afrika' - Lkw mit Heu fängt Feuer" auf onetz.de

Weiden in der Oberpfalz

Evi Wiesent, selbst im Tierschutzverein tätig, bringt große Mengen an Brot vorbei. Auch Materialspenden wie Diesel für die Lastwagen könne der Zirkus gebrauchen. Oder Ersatz für den verbrannten Anhänger: Der war aus Kostengründen nicht versichert. Wer also einen Gardienenaufleger günstig verkauft, solle sich beim Zirkus melden.

Rückblick: Am Samstag gegen 0.30 Uhr gerät ein Sattelauflieger samt Anhänger in Brand. Der Tierpfleger und die Stallmeisterin erleiden Rauchvergiftungen. Mittlerweile sind sie zurück aus dem Krankenhaus. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberpfalz ist die Brandursache noch unklar. Die Polizei schließt Brandstiftung nicht aus. Im Laufe der Woche rechne man mit neuen Ergebnissen. Momentan laufen Zeugenbefragungen. Zudem wird der Anhänger nochmal untersucht.

Wachen stehen beim Zelt

Weisheit ist sich sicher: „Ein Unfall war das nicht. Das Heu war schon ein Jahr alt. Das hätte sich nicht selbst entzünden können.“ Die Angestellten des Zirkusses stehen seit der Brandnacht beim Zelt Wache. Auch die Elefanten befänden sich seither in Alarmbereitschaft. „Ich habe sie nachts nicht mehr schlafen sehen. Sie wechseln sich tagsüber immer ab. Einer schläft, die anderen beiden beschützen ihn.“ Auch bliebe die Nebelmaschine von nun an bei Auftritten immer aus. Zu sehr erinnere sie an den Rauch der Brandnacht. „Die Elefanten sind letztes Mal richtig erschrocken.“ Doch es müsse weiter gehen. Der Zirkus gastiere wie geplant bis zum 16. Juni in Weiden. „Wer unsere Vorstellungen besucht, hilft uns viel weiter. Nichts ist besser als volle Sitzreihen“, sagt Weisheit.

Kommentar:

Menschenfreunde

Erst eine Rangelei mit Tierschützern, dann ein brennender Zirkusanhänger. Da liegt es nahe, radikalen Tierschützern die Schuld zu geben. Doch langsam. Noch ist nicht klar, wer oder was hinter dieser Tat steckt. Klar ist nur, dass sie Schaden, Angst und Schrecken hinterlassen hat. Zwei Personen kamen ins Klinikum. War das wirklich Brandstiftung, dann tut so etwas nur ein vermeintlicher Tierfreund – und ein Menschenfeind. Doch kein Schaden ohne Nutzen. Ein Lichtblick sind die vielen Helfer, die nun anrücken, Tier- und Menschenfreunde sind das. Zirkuschef Hardy Weisheit sagt: „Danke Weiden!“ – und ich sage das auch.

Sophie Menner

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