Weiden in der Oberpfalz
29.10.2018 - 16:18 Uhr

Bravissimo Maestro!

Technisch äußerst versiert, mit erstaunlicher Präzision sowie beeindruckendem individuellem Charakter entlockt Paolo Oreni der mächtigen Jann-Orgel alles, was in ihr steckt. Er unterstreicht Mozarts Aussage, die Orgel sei die Königin aller Instrumente.

Paolo Oreni bei seinem Konzert an der Jann-Orgel. Bild: exb
Paolo Oreni bei seinem Konzert an der Jann-Orgel.

Bravissimo Maestro! Im Rahmen eines dreitägigen Meisterkurses über Orgelimprovisation mit den Teilnehmern Jakob Diener, Simon Holzwarth, Sara Musumece, Tobias Rebhan und Tom Zilbauer gab der international renommierte Orgelvirtuose Paolo Oreni aus dem norditalienischen Treviglio (Lombardei) in der Pfarrkirche Herz Jesu am Freitagabend ein einstündiges anspruchsvolles Konzert. Dass dabei nur gut 20 Zuhörer den Klängen lauschten, lag vor allem an einer unglücklichen Terminüberschneidung mit der Kulturnacht.

Mit elf Jahren begann Oreni bei Giovanni Walter Zaramella am Musikinstitut "Gaetano Donizetti" mit dem Unterricht für Orgel und Orgelkomposition. Ab 2000 setzte der heute 39-Jährige seine musikalischen Studien am Nationalkonservatorium von Luxemburg fort, sammelte wertvolle Anstöße unterschiedlicher Meister von internationalem Niveau und nahm an mehreren Meisterklassen des französischen Komponisten und Organisten Jean Guillou, der entscheidend für seine Ausbildung war, an großen Orgeln teil wie der in der Pariser Kirche St. Eustache. Oreni gewann mehrere internationale Wettbewerbe, spielte Solopartien mit bekannten Orchestern und Ensembles und gibt rund 100 Konzerte pro Jahr. Ab 2006 ist er regelmäßig vom Bistum München eingeladen, Meisterklassen für Improvisation und Orgelvortrag abzuhalten. Aktuell reiste Oreni über Spanien und Norwegen wieder einmal nach Weiden an, ehe sein Weg nach Mailand zurückführen wird.

Ihm gelang es gleich mit den ersten beiden Stücken, der "Toccata und Fuge in F-Dur, BWV 540" von Johann Sebastian Bach, den enormen Klang- und Melodienreichtum des großen Meisters erahnen zu lassen. Beginnend mit einem Wirbel in kurzen Notenwerten schwang sich die Toccata in vollstimmigen Akkorden zu mächtigem, festlichem Charakter auf. In der Fuge im gemäßigten Tempo vereinten sich helle, spielerische Töne zu einer kräftigen dunklen Melodie.

Im folgenden "Concerto in D-Dur" von Bachs Zeitgenossen Antonio Vivaldi erinnerte das einleitende fröhliche Allegro lautmalerisch an plätscherndes Wasser. Im zweiten Satz Larghetto ertönten wiederkehrende Läufe im Wechsel mit schalmeiartigen Klängen, ehe erneut ein hymnenartiger Allegro-Satz mit tragisch klingenden Sequenzen das Concerto beendete.

1855/56 schuf der ungarisch-österreichische Komponist Franz Liszt, wie schon über 300 Kollegen vor und nach ihm, als Reminiszenz und Hommage ein Werk über das Motiv "B-A-C-H". Das "Präludium" eröffnete in dunklen, geheimnisvollen Basstönen, um sich in Wohlklang aufzulösen. In der Fuge wurden die Tonfolgen in diversen Registern und Tonhöhen wiederholt, auch in tiefen, dramatischen Passagen, und gingen am Ende in einem Schwall kurzer, schneller Töne über.

Abschließend sollten Themen aus dem Publikum den Organisten zur Improvisation anregen. Oreni stellte stattdessen eine eigenwillige, modern anmutende Darbietung vor, die durchaus als Filmmusik denkbar wäre. Glockenartigen Tönen folgten in voller Lautstärke gehämmerte Presto-Klänge. Dabei zeigte sich die meisterliche Beherrschung des Instruments ebenso wie die Kreativität des Solisten. Als Zugabe gedacht fand er mit der "Toccata" des wenig bekannten Italieners Bonaventura Somma zum allgemein erachteten orgelgemäßen Stil mit einer zu begleitenden Hauptmelodie zurück.

Nach einem weiteren Orgelkonzert am Samstag in der St. Marienkirche Rothenstadt gestalteten Paolo Orenis Meisterschüler zum Abschluss des gelungenen Kurses eindrucksvoll die Sonntag-Eucharistiefeier in Herz Jesu.

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