19.09.2021 - 16:19 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bürgerinitiative "Fluglärm Weiden" offiziell gegründet

Sie wollen sich nicht mehr als einzelne Nörgler abtun lassen. Die lärmgeplagten Anwohner des Flugplatzes Latsch haben eine Bürgerinitiative gegründet, die jetzt schon etwa 100 Mitglieder hat. Sie sagen: „Lärmschutz ist ein Grundrecht.“

Der Durber-Saal ist voll wie vor der Corona-Pandemie: Der Flugplatz Latsch treibt um die 50 Lärmgeplagte in die Gründungsversammlung der BI "Fluglärm Weiden".
von Gabi EichlProfil

Die Speerspitze der Bürgerinitiative namens „Fluglärm Weiden“ bilden das Ehepaar Christian und Karin Rittner und der Vorsitzende der Kreisgruppe Weiden/Neustadt des Bundes Naturschutz, Hans Babl, alle drei unmittelbar Betroffene mit Häusern in Frauenricht und Neunkirchen. Unterstützung kommt von verschiedenen Seiten: von der SPD-Fraktion im Weidener Stadtrat, von der Ausschussgemeinschaft Grün.Bunt.Weiden, dem Weidener Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen, von der ÖDP. Die Gründungsversammlung der Bürgerinitiative begleiteten die Grünen-Landtagsabgeordneten Johannes Becher, Jürgen Mistol und Anna Schwamberger.

Nichts gegen Rettungshubschrauber

Mehrfach wird an diesem Abend im voll besetzten Saal der Gastwirtschaft Durber in Frauenricht betont, dass es nicht um den Rettungshubschrauber gehe. Gleichzeitig wird deutlich, dass es in der Hauptsache um die private Flugschule geht, die seit 2019 am Flugplatz ansässig ist. Denn seither ist die Zahl der Starts und Landungen drastisch gestiegen.

Karin Rittner – aufgeregt, aber durchaus selbstbewusst – beschreibt, was die Initiatoren der Bürgerinitiative so weit gebracht hat, aus der Deckung zu kommen und laut zu werden. Der BI und den Menschen dahinter, weitgehend alles Anwohner des Fluglandeplatzes, gehe es um drei Dinge: Lärm und Umweltschutz, Sicherheit und die Kosten des Flugplatzes, wobei der Lärm ganz klar im Vordergrund steht, wie schon der Name der BI deutlich macht.

Problem: Neue Flugschule

Für den massiv erhöhten Lärm ist in den Augen der meisten Anwesenden an diesem Abend verantwortlich: die Flugschule. Erst seit deren Ansiedlung sei der Lärm auf ein unerträgliches Maß gestiegen. Ein Anwohner sagt: „Das Problem ist ja erst in den letzten zwei Jahren entstanden, wir waren ja bisher immer tolerant, leben und leben lassen.“ Mit einem Niveau der Flugbewegungen vor Ansiedlung der Flugschule könne man jederzeit leben.

Begrüßt wird von den Initiatoren der BI wie auch von der Versammlung der Vorschlag Bürgermeister Lothar Höhers zu einem Runden Tisch. Wobei Christian Rittner anmerkt, dass man jetzt erstmals das Gefühl habe, auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden. Immer wieder hätten sich in der Vergangenheit Anwohner des Flugplatzes mit der Stadt oder mit dem Luftamt ergebnislos in Verbindung gesetzt. Umso mehr unterstütze man den gemeinsamen Antrag der SPD-Fraktion und der Ausschussgemeinschaft Grün.Bunt.Weiden, mit dem die Stadtverwaltung aufgefordert werde, Möglichkeiten zur Lärmreduzierung und zur Minderung der niedrigen Überflüge über den Stadtteilen Frauenricht, Halmesricht, Neunkirchen, Wiesendorf und Weiden-West aufzuzeigen.

Diskussion am Runden Tisch

Den Runden Tisch als Chance zu verstehen, rät den Lärmgeplagten der Grünen-Abgeordnete Johannes Becher, eigenem Bekunden nach selbst gestählt im Kampf gegen Fluglärm als unmittelbarer Nachbar des Münchener Flughafens. Das große Problem der Bürgerinitiative sei, dass der Flugbetrieb, wie er derzeit gehandhabt werde, rein rechtlich nicht zu beanstanden sei. Becher plädiert daher dafür, erst einmal zu versuchen, mit den Fliegern einen Konsens zu finden. Die Sprecherin des Grünen-Kreisverbandes, Laura Weber, sagt, entscheidend sei, dass der Flugbetrieb keinesfalls noch ausgeweitet werde.

Kritik: Viel Lärm, aber keine Rendite

Eben das, eine Ausweitung des Flugbetriebs, befürchtet die Bürgerinitiative, da der Flugplatz nach wie vor ein Zuschussbetrieb ist. Die Stadt schieße pro Jahr um die 100.000 Euro zu, um das Hobby meist auswärtiger Piloten zu ermöglichen. Selbst das extrem erhöhte Flugaufkommen seit Ansiedlung der Flugschule mache aus dem Flugplatz bis heute kein rentierliches Unternehmen.

Der gewählte Vorstand der vorerst informellen Bürgerinitiative besteht aus den beiden Vorsitzenden Christian Rittner und Hans Babl, Karin Rittner als Schriftführerin und den Beisitzern Josef Luber, Günther Sparrer, Peter Hägler und Norbert Tannhäuser. Schon im Oktober ist das nächste Treffen geplant.

Die Speerspitze der Bürgerinitiative "Fluglärm Weiden": Christian (rechts) und Karin Rittner und Hans Babl (links).
Info:

Das fordert die Bürgerinitiative

  • Der Betrieb des Flugplatzes unter den bisherigen Bedingungen ist grundsätzlich in Frage zu stellen
  • Einschränkung des Flugbetriebs
  • Umsetzung der Luftlandeplatz-Lärmschutzverordnung
  • Streichung von Schulungsflügen an Sonn- und Feiertagen
  • Verbindliche Einhaltung der Platzrunde oder noch besser: eine Verlegung derselben

Darum wehren sich die Bürger gegen den Flugplatz Latsch

Frauenricht / Weiden in der Oberpfalz
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